Die St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien hat seit ihrer Gründung im Jahr 1988 eine entscheidende Rolle in der Krebsforschung für Kinder gespielt. In den letzten 40 Jahren hat sich die Überlebensrate von krebserkrankten Kindern von 50 % auf knapp 85 % erhöht. Dies ist ein bemerkenswerter Fortschritt, der nicht zuletzt auf die Entwicklung kinderangepasster Therapiemethoden zurückzuführen ist. Früher wurden Kinder wie kleine Erwachsene behandelt, was sich als ineffektiv erwies. Heute arbeiten rund 150 Forschende in 15 Teams an verschiedenen Projekten, die sich auf die Verbesserung der Behandlungsmethoden konzentrieren.
Ein aktuelles Forschungsthema ist die Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH), eine seltene Erkrankung bei Kindern, die in ihrer Schwere variieren kann. Während einige Patienten spontane Heilungen erleben, benötigen andere eine intensive Chemotherapie. Die Forschung legt einen besonderen Fokus auf Neurodegeneration als mögliche Spätfolge dieser Erkrankung. Wissenschaftler entwickeln Neuronen und Immunzellen aus Stammzellen, um die Mechanismen der Erkrankung besser zu verstehen. Ein bemerkenswerter Fortschritt ist der Nachweis, dass Immunzellen aus dem Blut ins Gehirn wandern und dort die Hirnzellen angreifen. Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend eingesetzt, um Zellkulturen effizienter zu analysieren und die Forschung voranzutreiben.
Maßgeschneiderte Behandlungsansätze
Die Forschung an der St. Anna Kinderkrebsforschung zielt darauf ab, die Lebensqualität der betroffenen Kinder zu verbessern und Therapien individuell anzupassen. Dank dieser maßgeschneiderten Ansätze hat sich die Überlebensrate bei vielen Krebsarten erheblich verbessert. Insbesondere bei akuter lymphatischer Leukämie (ALL) liegt die Überlebensrate mittlerweile bei beeindruckenden 95 %. Diese Fortschritte sind das Ergebnis intensiver Forschung und Entwicklung neuer Behandlungsansätze, einschließlich der Knochenmarktransplantation, bei der Eltern als Spender durch Aufbereitung ihres Blutes genutzt werden können.
Ein weiterer bedeutender Fortschritt in der Kinderkrebsforschung ist die Einführung von Präzisionsmedizin. Diese ermöglicht schnellere Diagnosen und genauere Vorhersagen des Krankheitsverlaufs, was eine Anpassung der Behandlung an die spezifische Erkrankung mit sich bringt. Zudem werden Methoden zur Früherkennung von Rückfällen entwickelt, wie die Identifikation von Tumorzellen im Blut oder Knochenmark. So kann die Rückfallwahrscheinlichkeit bereits zwölf Wochen nach der Erstdiagnose bei ALL abgeschätzt werden.
Ein Blick auf die Zukunft
Trotz der erreichten Fortschritte bleibt die Forschung im Bereich der Kinderonkologie eine Herausforderung. Laut der Deutschen Kinderkrebsstiftung lag die Heilungsrate für Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter in den 1950er und 1960er Jahren bei lediglich 10 bis 20 Prozent. Aktuell überleben 84 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen eine Krebserkrankung um mindestens 15 Jahre. Dennoch betont Martin Spranck, Hauptgeschäftsführer der Stiftung, die Notwendigkeit, die Anstrengungen im Kampf gegen Kinderkrebs fortzusetzen, um die Heilungsraten weiter zu erhöhen und die Nebenwirkungen sowie Spätfolgen der Therapien zu reduzieren.
In Deutschland leben derzeit rund 50.000 Überlebende von Kinderkrebs, und die Tendenz ist steigend. Die Förderung von Forschung und klinischen Studien ist entscheidend, um neue Erkenntnisse über verschiedene Krankheitsbilder zu gewinnen und schonendere Therapien zu entwickeln, die die Lebensqualität der betroffenen Kinder nachhaltig verbessern.