Am 9. März 2026 wird im Alsergrund ein Vortrag stattfinden, der sich mit einem oft übersehenen Kapitel der europäischen Geschichte auseinandersetzt: der Verfolgung der Romany während des Zweiten Weltkriegs. Der renommierte Anthropologe Michael Stewart wird die komplexen Umstände und die Auswirkungen dieser Verfolgung beleuchten. In seinem Vortrag wird er auf die Herausforderungen eingehen, mit denen die Romany-Überlebenden nach 1945 konfrontiert waren, als sie um Anerkennung ihrer Verfolgung kämpften. Damals wiesen deutsche und österreichische Behörden die rassistische Natur dieser Verfolgung zurück und argumentierten, die Maßnahmen seien sozial oder aus Sicherheitsgründen motiviert. Dennoch betonten die Überlebenden, dass sie in der Zeit von 1938 bis 1945 keine Möglichkeit zur Flucht hatten.
Akademische Ansätze zur Analyse des Nazi-Regimes haben sich im Laufe der Jahre erheblich gewandelt. Während frühe Analysen sich auf die Aspekte totalitärer Diktatur und Gehorsam konzentrierten, rücken neuere Forschungen die Rolle des „Rassenstaates“ und die Vielzahl der Opfer in den Vordergrund. In diesem Kontext wird Rasse als eine flexible Sprache der Dominanz betrachtet, was die wahre Natur der nationalsozialistischen Sozialpolitik beleuchtet. Diese basierte auf der Idee einer organischen Volksgemeinschaft, zu der die Romany als fremd betrachtet wurden.
Einblicke in die Forschung von Michael Stewart
Michael Stewart hat sich intensiv mit der Geschichte der Verfolgung der Romany-Völker in Europa zwischen 1933 und 1945 beschäftigt. In seinem kommenden Buch untersucht er die verschiedenen Formen der Verfolgung als Zusammenspiel utopischer Ideen einer Volksgemeinschaft und den Apparaten des modernen Nationalstaates. Dabei betrachtet Stewart die Verfolgung aus der Perspektive der Roma und Sinti, die dies als einen Holocaust ihrer Familien empfinden. Ein zentrales Thema seines Buches ist es, sowohl die Geschichte dieser Verfolgung als auch das Verständnis der Erfahrungen der Roma und Sinti zu vermitteln.
Österreich spielt in diesem Kontext eine tragische Rolle, denn hier wurde nahezu 90% der Romany-Bevölkerung bis 1945 eliminiert. Die Roma wurden in dieser Zeit als „Sargträger des nordischen Blutes“ beschrieben, was die Abwertung und Entrechtung dieser Gemeinschaft verdeutlicht. Der Vortrag von Stewart wird durch Misha Glenny, den Rektor des IWM, moderiert, der eine tiefere Diskussion über diese wichtigen Themen anregen wird.
Eine bleibende Erinnerung
Die Auseinandersetzung mit der Verfolgung der Romany ist nicht nur ein historisches Anliegen, sondern auch eine wichtige Erinnerung an die Vielfalt und die Herausforderungen, die Minderheiten in Europa bis heute gegenüberstehen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist entscheidend, um das Verständnis für die Erfahrungen der Roma und Sinti zu fördern und um sicherzustellen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen.
Für weitere Informationen über den Vortrag und die Arbeit von Michael Stewart können Sie die Quelle hier aufrufen. Mehr über die umfassende Geschichte der Verfolgung der Romany-Völker erfahren Sie auf der Website des IWM unter diesem Link.