Die Votivkirche in Wien, ein oft übersehenes Meisterwerk der Architektur und Kunst, verbirgt in ihren Mauern einen Schatz: den Antwerpener Passionsaltar. Dieser Altar, der um 1500 in Antwerpen gefertigt wurde, hat eine über 500-jährige Geschichte, die von Kunstdiebstählen und kunsthistorischer Bedeutung geprägt ist. Historikerin Petra Leban berichtet, dass die heilige Veronika und ihr Schweißtuch, einst Teil dieses Altars, verschollen sind. Ihre Figur wurde aus dem Altar herausgesägt, und während einige Figuren in den 1950er Jahren wiedergefunden wurden, sind drei Figuren aus den 1970er Jahren bis heute verschwunden. Der Altar selbst steht im Museum der Wiener Votivkirche und ist in einem außergewöhnlich guten Originalzustand, abgesehen von den fehlenden Figuren.
Der Antwerpener Passionsaltar gilt als das bedeutendste erhaltene Schnitzwerk mit originaler Polychromie aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Alle Skulpturen sind originale spätgotische Schnitzereien, einschließlich der Reliefs und der architektonischen Baldachine. Diese Baldachine sind nicht nur stilistisch mit den Werken von Hubert van Eyck und Rogier van der Weyden verbunden, sie zeigen auch Beispiele spätgotischer Architektur mit vergoldeten Bleiapplikationen. Im 19. Jahrhundert gelangte der Altar in den Besitz des Bildhauers Josef Gasser, der ihn 1858 an Kaiser Franz Joseph verkaufte. Der Kaiser stiftete den Altar der Votivkirche auf Ersuchen von Erzbischof Othmar Kardinal Rauscher.
Die Geschichte des Antwerpener Passionsaltars
Der Altar wurde bis in die 1980er Jahre in einer Kapelle der Votivkirche ausgestellt. In den 1950er Jahren verschwanden vier Figuren, konnten jedoch durch Interpol zurückgebracht werden. Nach einer Restaurierung in den 1960er Jahren, die vom Bundesdenkmalamt durchgeführt wurde, wurden die Figuren erneut gestohlen und sind seither verschollen. Die Restauratorin, die den Altar untersuchte, entdeckte zudem einen Buchstaben-Zahlen-Code auf einem der Soldaten, der den Altar auf die Jahre 1494 bis 1506 datiert. Leban ermutigt die Wiener, die Votivkirche und das Museum zu besuchen, da die Kirche bei den Einheimischen weniger bekannt ist als bei Touristen, was vielleicht an ihrer Lage und der langen Renovierungszeit liegt.
Die kunsthistorische Bedeutung des Altars ist unbestritten. Die Polychromierung ist qualitativ mit der damaligen Tafelmalerei vergleichbar und die Adaptierungsarbeiten von Hans Gasser im 19. Jahrhundert haben zur Erhaltung dieses Meisterwerks beigetragen. Stilistisch wird der Altar mit den Traditionen der Antwerpener Schnitzaltäre in Verbindung gebracht, die um 1500 ihren Höhepunkt erreichten. Mehr als 200 „Antwerpener Altäre“ sind in Europa erhalten, und der Wiener Altar, der ursprünglich für ein Stift bei Trier gefertigt wurde, zählt zu den bedeutendsten.
Die Votivkirche wurde 1879 zum Dank für ein verhindertes Attentat auf Kaiser Franz Joseph errichtet und hat sich seitdem zu einem wichtigen kulturellen Erbe entwickelt. Trotz ihrer Schönheit und Geschichte bleibt sie oft im Schatten anderer touristischer Attraktionen in Wien. Daher ist es von großer Bedeutung, dass sowohl Einheimische als auch Besucher der Stadt die Votivkirche und ihren beeindruckenden Antwerpener Passionsaltar entdecken und würdigen.
Für weitere Informationen über den Antwerpener Passionsaltar und seine Geschichte, besuchen Sie bitte die Kurier-Website oder die offizielle Seite der Votivkirche.