Mit einem Hauch von Wehmut wird die Pop-up-Universität in der Sensengasse in Wien abgebaut. Diese außergewöhnliche Bildungseinrichtung wurde im Jahr 2015 gegründet, um dem dringenden Raumbedarf der Fakultät für Informatik gerecht zu werden. Der Holzriegelbau, der über eine Nutzfläche von mehr als 450 Quadratmetern verfügte, bot Platz für 34 Arbeitsplätze sowie Sozial- und Besprechungsräume. Die Bauzeit war rekordverdächtig: In nur zwei Monaten wurde das Gebäude errichtet, da 70 Prozent der Bauteile vorgefertigt waren. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 1,2 Millionen Euro. Jetzt, wo der Holzbau abgetragen und abtransportiert wird, wird das Grundstück bald besenrein übergeben. Zukünftig wird die Fläche vorübergehend als Parkplatz genutzt, bleibt jedoch für die Universität Wien reserviert, um bei Bedarf ein dauerhaftes Gebäude zu errichten, das bis zu fünf Stockwerke hoch sein kann. (Quelle)

Die Pop-up-Universität war nicht nur ein Provisorium, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Schaffung flexibler Lernräume. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Mangels an Studienumgebungen und Gruppenarbeitsräumen an Universitäten, der durch die COVID-19-Pandemie noch verstärkt wurde, stellte das Konzept der Pop-up-Universität eine innovative Lösung dar. Viele Studierende nutzen oft schlecht beleuchtete Flure oder Cafés in der Nähe des Campus für ihre Lernaktivitäten. Daher ist es entscheidend, dass Universitäten neue Raumstrukturen und -verwaltungen entwickeln, um den wechselnden Anforderungen gerecht zu werden. (Quelle)

Die Rolle von Co-Learning-Räumen

Die Schaffung von Co-Learning-Räumen außerhalb bestehender Universitätsstrukturen könnte ein Weg sein, um die Qualität der Lernumgebungen zu verbessern. Zahlreiche leerstehende Gewerbeflächen und Erdgeschosszonen bieten eine einfache Zugänglichkeit für Studierende und fördern das Universitätsleben im städtischen Kontext. Diese Räume könnten nicht nur als klassische Klassenzimmer dienen, sondern auch als soziale Treffpunkte für interdisziplinäre Gruppen und kreative Gemeinschaften. Eine Internetplattform oder mobile Anwendung zur Buchung und Verwaltung dieser Standorte könnte zudem die Nutzung erleichtern und die interaktive Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Lehrenden und Absolventen fördern. (Quelle)

Pop-up-Bildungsräume bieten eine spannende Gelegenheit, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringen. Sie könnten an hoch frequentierten Orten wie Einkaufsstraßen, Theater-Foyers oder Bürgerämtern realisiert werden. Solche Räume eignen sich hervorragend für Wissenschaftskommunikation, Ausstellungen, hybride Podiumsdiskussionen und Workshops. Mit lokalem Engagement und Kooperationen könnten diese Bildungsräume dazu beitragen, dass Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse einem breiten Publikum präsentieren und den Dialog mit hochschulfernen Bürgern fördern. (Quelle)

Ein Blick in die Zukunft

Obwohl die Pop-up-Universität in der Sensengasse nun Geschichte ist, bleibt die Idee von flexiblen, temporären Bildungsräumen relevant. Die Herausforderungen, die durch Platzmangel und veränderte Lernbedürfnisse entstanden sind, erfordern kreative Lösungen. In einer Zeit, in der die Anzahl der Studierenden sinkt, könnte die Implementierung solcher innovativen Lernumgebungen einen entscheidenden Beitrag zur Attraktivität von Hochschulen leisten. Die Möglichkeit, mit leerstehenden Immobilien zu arbeiten und diese temporär zu nutzen, könnte der Stadtentwicklung neuen Schwung verleihen und gleichzeitig den Bildungssektor bereichern.