Am Freitag, den 12. Februar 2026, gingen in Vorarlberg mehrere Lawinen ab. Besonders betroffen war Damüls, wo sich am Mittag zwei Schneemassen außerhalb der gesicherten Pisten in der Nähe des Hohen Lichts lösten. Glücklicherweise wurden keine Personen verletzt, und bei den Sicherheitssuchen wurden keine Verschütteten gefunden. Auch aus Lech, dem Kleinwalsertal und Warth wurden weitere Lawinenabgänge gemeldet, die jedoch ebenfalls nur zu Sachschäden führten. Laut dem Lawinenwarndienst Vorarlberg gilt für das Wochenende die Lawinenwarnstufe 3, was als erheblich eingestuft wird. Betroffene Gebiete sind das Rätikon Ost und West, die Silvretta West, das Lechquellengebirge, die Lechtaler Alpen, die Allgäuer Alpen West und die Verwallgruppe West.

Die Gefahrenstellen nehmen ab der Waldgrenze zu, und oberhalb von 2000 Metern kommt das Altschneeproblem hinzu. Die Schneedecke ist sehr störanfällig, da frischer Triebschnee auf einer schwachen Altschneedecke liegt. Besonders in Steilhängen, hinter Geländekanten sowie in Rinnen und Mulden kann der Schnee leicht ins Rutschen geraten. Schwachschichten im Altschnee machen wenig befahrene Hänge riskant, und viele Gefahrenstellen sind oft nicht erkennbar. Oberflächlich ausgelöste Schneebretter können in tiefere Schichten durchreißen und mittelgroße Lawinen auslösen. Warnsignale sind Wummgeräusche und Rissbildungen, die auf eine erhöhte Lawinengefahr hinweisen.

Die Rolle des Lawinenwarndienstes

Der Lawinenwarndienst in Vorarlberg wurde bereits 1953 als erster seiner Art in Österreich eingerichtet. Ziel dieses Dienstes ist die Optimierung des Lawinenschutzes und der Lawinenprophylaxe in gefährdeten Gebieten. Zu den Maßnahmen zählen sowohl kurz- als auch langfristige Sicherungsmaßnahmen, ein überregionales Warnsystem und umfassende Öffentlichkeitsarbeit. Es ist wichtig zu betonen, dass die Lawinengefahr nicht vollständig eingedämmt werden kann; es müssen jedoch Gefahrenzonen ausgegrenzt und abgesichert werden.

Die Aufgaben des Lawinenwarndienstes umfassen die Unterhaltung eines umfassenden Mess- und Beobachtungsnetzes in Vorarlberg sowie die Erfassung von Wetter- und Schneeparametern. Hierzu werden sowohl manuelle als auch automatische Messstationen verwendet, die täglich aktuelle Daten liefern. Erkundungsflüge und Geländebegehungen tragen dazu bei, die aktuelle Lawinensituation zu beurteilen und einen überregionalen Lawinenlagebericht zu erstellen. Die Schulung von Beobachtern und die Aus- und Weiterbildung von Lawinenkommissionsmitgliedern sind ebenfalls wichtige Bestandteile der Arbeit des Lawinenwarndienstes.

Moderne Hilfsmittel zur Risikominderung

In den letzten Jahren haben Algorithmen, Apps und neue Prognosemethoden dazu beigetragen, dass Laien das Lawinenrisiko im Winter besser einschätzen können. Trotz der häufigen Meldungen über starke Schneefälle und Lawinenabgänge, die leider auch Verletzte und Tote zur Folge haben, zeigen Statistiken, dass es heute weniger Lawinenopfer gibt als vor 20 Jahren. Dies ist vor allem auf verbesserte Lawinenwarnungen und neue Hilfsmittel für die Planung von Skitouren zurückzuführen.

Der kostenfreie amtliche Lawinenlagebericht wird länderübergreifend bereitgestellt und täglich um 17 Uhr veröffentlicht. Prognosen basieren auf umfassenden Analysen der Schneedecke und Wetterdaten, die durch modernste Computermodelle erstellt werden. Tools wie „Skitourenguru.com“ ermöglichen es den Nutzern, das Lawinenrisiko für spezifische Routen zu berechnen und dabei verschiedene Faktoren wie Hanggröße und Steilheit zu berücksichtigen. Experten betonen jedoch, dass die persönliche Beurteilung der Lage vor Ort unerlässlich bleibt, und Schulungen in Lawinenkursen sind notwendig, um richtig mit den neuen Technologien umzugehen.

Die aktuelle Situation in Vorarlberg zeigt, wie wichtig es ist, sich über die Risiken in den Bergen bewusst zu sein. Die Kombination aus traditioneller Expertise und modernen Technologien kann helfen, das Risiko in den Alpen zu minimieren. Es bleibt jedoch eine Herausforderung, die Lawinengefahr richtig einzuschätzen, insbesondere angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen, die die Lawinensituation beeinflussen können. Für alle, die das Wochenende in den Bergen verbringen möchten, bleibt daher Vorsicht Pflicht, auch wenn die Bedingungen sonnig erscheinen.