Vor 100 Jahren, am 20. Dezember 1924, suchte der US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway den Winter in Vorarlberg auf, um den frostigen Temperaturen in Paris zu entkommen. Zusammen mit seiner Frau Hadley und ihrem einjährigen Sohn John, liebevoll „Bumby“ genannt, verbrachte er zwei Winter im Montafon, einem malerischen Bergdorf, das heute ein beliebtes touristisches Zentrum ist. Damals war Hemingway noch ein unbekannter Autor, und die Einheimischen begegneten ihm mit einer gewissen Skepsis. Glücksspiel war in Österreich damals zwar verboten, doch Hemingway fand Wege, seine Leidenschaft für das Poker im „Posthotel Taube“ heimlich auszuleben.
In diesen schneereichen Monaten widmete sich Hemingway nicht nur dem Skifahren, das er in Cortina d’Ampezzo erlernte, sondern auch dem Schreiben. Während der oft widrigen Wetterbedingungen verfasste er Kurzgeschichten und arbeitete an seinem ersten Roman „Fiesta“. Die Familie blieb bis Ostern in der Region und kehrte im darauffolgenden Winter zurück. Während dieser Zeit übernachtete Hemingway auch im „Posthotel Rössle“ in Gaschurn, wo er insgesamt sechsmal nächtigte. Spannend ist, dass in dieser Zeit eine Affäre mit der Modejournalistin Pauline Pfeiffer begann, die schließlich zur Scheidung von Hadley führte.
Hemingways Spuren im Montafon
Ein Bergführer namens Lukas Kühlechner hat es sich zur Aufgabe gemacht, Skitouren auf den Spuren Hemingways anzubieten. Dabei nutzt er originale Ausrüstung aus der Zeit des Schriftstellers, was die Touren besonders authentisch macht. Die Wiesbadener Hütte, die Hemingway häufig besuchte, ist heute ein beliebter Treffpunkt für Skibergsteiger. Auch die Silvretta-Region, bekannt für ihre klassischen Skitouren, war ein zentraler Bestandteil von Hemingways Winterferien. Trotz seiner Begeisterung für das Skifahren hatte er jedoch eine große Angst vor Lawinen, die in seinem ersten Winter viele Opfer forderten.
In seinen Werken wie „Paris – Ein Fest fürs Leben“ und „Schnee auf dem Kilimandscharo“ hat Hemingway seine Erfahrungen in der Region dokumentiert. Er beschrieb das Skifahren als „schöner als Fliegen“ und malte lebendige Bilder von den sanft kupierten Hängen oberhalb der Wiesbadener Hütte, die in der Sonne glitzern. Auch heute noch kann man die Schönheit der Berge erleben, während die Schneekristalle vom Wind aufgewirbelt werden. Im Hintergrund erhebt sich der majestätische Piz Buin, der immer wieder die Fantasie von Skitourengehern anregt.
Die Herausforderungen des Berges
Aktuell kann die Bergwacht wegen der schlechten Sicht aufgrund von Nebel und Lawinengefahr nicht in die Luft. Ein Rudel Gämsen hat am Silvrettasee ein Schneebrett ausgelöst, was die Gefahren in den 3000er Bergen unterstreicht. Bergführer wie Hanno Dönz sind jedoch bereit, den frisch gefallenen Schnee mit ihren Skiern zu plattieren, um die Bedingungen für die Skitourengeher zu verbessern. Diese Herausforderungen, die auch Hemingway vor 100 Jahren erlebte, machen das Bergsteigen in dieser Region so aufregend und gleichzeitig riskant.
Für all jene, die die Spuren Hemingways im Montafon erkunden möchten, gibt es umfassende Informationen zu Anreise, Unterkünften und Skitouren, die die Verbindung zwischen Literatur und Natur lebendig werden lassen. Wer die Sehnsucht nach dem Winter und den Bergen teilt, findet hier nicht nur die Schönheit der Natur, sondern auch einen Teil der Geschichte eines großen Schriftstellers.
Weitere Informationen zu Hemingways spannendem Aufenthalt finden Sie in dem Artikel auf Welt.de, sowie auf ND Aktuell und Süddeutsche.de.