In den malerischen Städten Lindau und Bregenz wird derzeit an einem zukunftsweisenden Projekt gearbeitet: Die beiden Städte haben beschlossen, eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung eines innovativen hochschulischen Angebots durchzuführen. Trotz ihrer reichen touristischen und kulturellen Angebote fehlen in beiden Städten hochschulische Bildungswege, was angesichts der dort ansässigen wissensintensiven Unternehmen eine Lücke darstellt.

Das Ziel dieser Initiative ist nicht die Gründung einer eigenen Hochschule oder Universität, sondern die Schaffung eines innovativen Bildungsangebots in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten. Die Städte wurden 2018 durch das Landesentwicklungsprogramm Bayern zu einem Oberzentrum ernannt, was jedoch keinen automatischen Anspruch auf Hochschulen oder Universitäten mit sich bringt. Die Ansiedlung eines hochschulischen Angebots soll Lindau und Bregenz als Wissensstandort etablieren und helfen, junge Talente in die Region zu ziehen, die oft als eher „älter“ gilt.

Wissenschaftliche Begleitung und erste Ergebnisse

Die Machbarkeitsstudie, die von Professor Markus Homberg begleitet wird, wird die Stärken und Kompetenzen der beiden Städte analysieren und geeignete Studiengänge identifizieren. Besonders im Hinblick auf den demografischen Wandel werden dabei auch die Bereiche Medizin und Pflege berücksichtigt. Die finanziellen Mittel für die Studie belaufen sich auf insgesamt 10.000 Euro, die sich beide Städte teilen. Erste Ergebnisse könnten in den nächsten drei bis sechs Monaten vorliegen. Zudem wird geprüft, ob die Studie die Kriterien für mögliche EU-Förderprogramme erfüllt.

Der Lindauer Stadtrat hat mit nur einer Gegenstimme für die Durchführung der Studie gestimmt, während der Bregenzer Stadtrat bereits am Vortag mehrheitlich zugestimmt hatte. Diese Entscheidung könnte entscheidend sein, um die Bildungslandschaft in der Region nachhaltig zu verändern und neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

Bildungspolitische Trends und Herausforderungen

In der heutigen Bildungslandschaft ist die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung ein zentrales bildungspolitisches Ziel. Die Entwicklung individueller und flexibler Bildungschancen ist entscheidend, um gut qualifizierte Fachkräfte auszubilden. In den letzten Jahren wurden rechtliche Grundlagen geschaffen und Förderprogramme umgesetzt, die den Zugang für beruflich Qualifizierte zu Hochschulen erleichtern. Eine Anrechnung bereits erworbener beruflicher Kompetenzen auf ein Studium ist vielerorts möglich und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Hybride Bildungsgänge, die akademische und berufliche Bildung miteinander verbinden, sind auf dem Vormarsch. Die Herausforderungen, die durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischen Wandel entstehen, erfordern ein Bildungssystem, das flexibel auf Veränderungen reagiert. Durchlässige Bildungswege schaffen Zugangsmöglichkeiten und erleichtern den Wechsel zwischen verschiedenen Bildungsbereichen. Um diesen Übergang zu verbessern, sind gemeinsame Weiterentwicklungen bei den Schnittstellen zwischen den Bildungsbereichen sowie die Anerkennung von Kompetenzen erforderlich.

Ein Blick in die Zukunft

Die Öffnung der Hochschulen für neue Personenkreise ist nicht nur ein Ansatz zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, sondern auch ein Schritt in Richtung einer inklusiveren Bildungspolitik. Die Gründung des Expertenkreises „Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung“ im Jahr 2014 hat diesen Diskurs angestoßen und wichtige Empfehlungen für die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen formuliert. Es bleibt abzuwarten, wie die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie das Bildungsangebot in Lindau und Bregenz prägen werden und ob diese Initiative letztlich zu einer Stärkung der Region als Wissensstandort führt.

Für weitere Informationen über die geplante Machbarkeitsstudie können Sie die Schwäbische Zeitung besuchen, weitere Einblicke in die bildungspolitischen Rahmenbedingungen finden Sie auf der Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie auf der Webseite der Hochschulrektorenkonferenz.