In Reutte tut sich einiges im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) haben das ehrgeizige Projekt „Optimierung Kraftwerkskette Plansee“ ins Leben gerufen, das mit einem Investitionsvolumen von 70 Millionen Euro ausgestattet ist. Aktuell hat das Genehmigungsverfahren begonnen, und EWR-Vorstand Sebastian Freier informierte in einem Pressegespräch über den Fortschritt des Vorhabens. Die Einreichunterlagen für das Projekt wurden am 19. Dezember 2025 eingereicht, nachdem diese von Fachleuten sorgfältig vorbereitet wurden.

Das Gesamtprojekt erstreckt sich über mehrere Abschnitte und soll über einen Zeitraum von rund zehn Jahren umgesetzt werden. Die zentrale Maßnahme umfasst die Ableitung eines Teils des Wassers aus dem Namlosbach in den Rotlech über einen neu zu errichtenden Stollen. Ziel ist es, das Wasser entlang der Kraftwerkskette Rotlech, Heiterwang, Plansee, Mühl, Hüttenmühle und Pflach mehrfach zur Stromerzeugung zu nutzen. Diese Initiative wird nicht nur die Eigenerzeugung um 25 GWh steigern – das entspricht dem Jahresbedarf von rund 7000 Haushalten –, sondern auch ökologische Verbesserungen an fünf bestehenden Anlagen vorsehen.

Einbindung der lokalen Gemeinschaft

In einem offenen Austausch mit den direkt betroffenen Gemeinden Namlos und Stanzach wird Verständnis und Rückhalt für das Projekt signalisiert. EWR hat kritische Rückmeldungen zur Wasserableitung erhalten, jedoch keinen „Shitstorm“ erlebt. Freier äußerte sich optimistisch zur Genehmigungsfähigkeit des Projekts, da alle Vorhaben und ihre Auswirkungen gründlich beurteilt wurden. Die fachliche Prüfung durch das Land hat bereits begonnen, und eine Entscheidung im Genehmigungsverfahren wird frühestens Ende 2027 erwartet.

Detailplanungen und Ausschreibungen können erst nach der Genehmigung beginnen. Frühestens 2029 könnte dann mit den Bauarbeiten begonnen werden, die eine Bauzeit von zwei bis drei Jahren in Anspruch nehmen werden. Das Wasser aus dem Namlosbach könnte frühestens ab 2032 in die Stromerzeugung einfließen, was die Erzeugung erneuerbarer Energie in der Region nachhaltig steigern soll.

Nachhaltigkeit und ökologische Maßnahmen

Das Projekt „Optimierung Kraftwerkskette Plansee“ zielt nicht nur auf energetische Effizienz ab, sondern auch auf eine nachhaltige Entwicklung der Region. Bei erfolgreicher Umsetzung werden ökologische Begleitmaßnahmen den ökologischen Zustand des Namlosbachs erhalten und sogar Verbesserungen für den Rotlech und Liegfeistbach vorsehen. Dabei wird das Ausbruchmaterial beim Bau des Stollens baustellennah in die Landschaft eingebracht und die Flächen nach Abschluss der Arbeiten begrünt.

Die EWR betreiben insgesamt sechs Wasserkraftwerke und ein Pumpspeicherkraftwerk, die Wasser mehrfach nutzen und somit zur erneuerbaren Stromerzeugung in der Region beitragen. Der regelmäßige Austausch mit relevanten Stakeholdern aus der Region ist ein wichtiger Bestandteil des Projektes, um die lokale Bevölkerung zu informieren und in den Prozess einzubeziehen, sobald es angebracht ist. Mehr zu den Zielen und Hintergründen des Projekts finden Sie auch auf der Webseite der EWR unter diesem Link.

Das Vorhaben in Reutte steht im Kontext eines wachsenden Interesses an der Nutzung von Wasserkraft in Deutschland. Laut dem Umweltbundesamt bietet die Wasserkraft ein bedeutendes Potenzial zur Erzeugung erneuerbarer Energie und ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Mit Projekten wie dem der EWR kann die Region nicht nur ihren eigenen Energiebedarf decken, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten.