In Füssen steht ein wichtiger Wandel bevor: Bis spätestens 30. Juni 2028 muss ein kommunaler Wärmeplan vorgelegt werden. Ziel ist es, bis 2045 von fossilen Energieträgern wegzukommen, um die Weichen für eine nachhaltigere Energiezukunft zu stellen. Das Institut für Energietechnik IfE GmbH hat sich dieser Herausforderung angenommen und bereits erste Zwischenberichte präsentiert, die vielversprechende Ansätze zeigen. Der Wärmeplan soll bis Ende 2025 vollständig ausgearbeitet sein, sodass Füssen mit voller Kraft in die Wärmewende starten kann.
Ein Blick auf die aktuellen Verhältnisse macht deutlich, warum das so wichtig ist: Im Jahr 2023 verbrauchte Füssen fast 181 Millionen Kilowattstunden zur Wärmeversorgung. Beeindruckende 97 kWh kamen dabei aus Erdgas und 63,1 kWh aus Heizöl. Lediglich 16,5 kWh wurden durch Biomasse gewonnen, was zeigt, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht, um den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen.
Wärmeplan und Potenzialanalyse
Die ersten Ergebnisse der IfE-Studie identifizieren den Altstadtkern sowie das Hanfwerke-Areal als potenzielle Standorte für neue Wärmenetze. Besonders der Altstadtkern, geprägt von zahlreichen Beherbergungsbetrieben, weist einen hohen Wärmeverbrauch auf. Zudem könnte die Nähe zum Lech für innovative Heizkonzepte von Vorteil sein, etwa durch die Nutzung von Flusswasser. Auch im Füssener Westen und den Schulkomplex, der mehrere Schulen beherbergt, wurden geeignete Bereiche für die Umsetzung neuer Wärmenetze ausgemacht.
In den kommenden Wochen wird das IfE Team die finalen Quartierseinteilungen in Kombination mit einer umfassenden Potenzialanalyse fertigstellen. Um die Qualität der Pläne zu sichern, ist eine Abstimmung mit Fachexperten und relevanten Akteuren unerlässlich. Der nächste Austausch über den Fortschritt des Wärmeplans ist im Herbst im Stadtrat angesetzt.
Ein Weg zur Wärmewende
Die Bedeutung einer durchdachten Wärmeplanung wird auch durch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland unterstrichen. Seit dem 1. Januar 2024 ist das Wärmeplanungsgesetz in Kraft, das Kommunen zur flächendeckenden Wärmeplanung verpflichtet. Diese Maßnahme ist ein zentraler Bestandteil der Klimaschutzstrategie. In ganz Deutschland haben bereits 98 Prozent der Kommunen mit mehr als 45.000 Einwohnern mit der Planung begonnen oder diese abgeschlossen. Für die Umsetzung sind Dialogprozesse zwischen Kommunen, Energieversorgern und der Politik essenziell, um innovative Ansätze und Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen.
Aktuelle Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen, dass etwa 50 % des Endenergieverbrauchs in Deutschland für Wärme und Kälte aufgebracht werden, wobei Erdgas der dominierende Energieträger bleibt. In Füssen kann der zukünftige Wärmeplan entscheidend dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Energien signifikant zu erhöhen und so die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Die kommenden drei Jahre bis zur Fertigstellung des Wärmeplans sind entscheidend, um die Weichen für eine nachhaltige Energiezukunft zu stellen. Der Weg ist klar, die Herausforderungen sind groß – aber mit einem strategischen Ansatz könnte Füssen einen wichtigen Schritt in Richtung einer umweltfreundlicheren Wärmeversorgung machen.