In der Region Lienz wird eine neue Ära der Fachausbildung eingeläutet. Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat ein hybrides Ausbildungskonzept vorgestellt, das Lienz und Spittal miteinander verbindet. Dieses innovative Programm zielt darauf ab, das regionale Fachkräftepotenzial zu stärken und insbesondere Randregionen zu fördern. Die Ausbildung umfasst Schwerpunkte in Buchhaltung und Personalverrechnung und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, Teile des Unterrichts digital von zu Hause aus zu absolvieren, während der Präsenzunterricht nach wie vor verpflichtend bleibt. Aktuell nehmen 17 Personen am zweiten Modul teil, obwohl ursprünglich nur 12 Teilnehmende geplant waren. Die Gesamtkosten von rund 200.000 Euro für alle drei Module werden von der AMS-Bundesgeschäftsstelle übernommen. Diese Initiative ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen AMS Kärnten und AMS Tirol, wobei das Berufsförderungsinstitut (bfi) für die Kursumsetzung verantwortlich zeichnet. Peter Wedenig von AMS Kärnten betont die Notwendigkeit, die Qualifizierung an die Nachfrage des Arbeitsmarktes anzupassen, während Sabine Platzer-Werlberger von AMS Tirol die Flexibilität des neuen Ausbildungsformats hervorhebt. Darüber hinaus hebt Petra Draxl von AMS Österreich die Herausforderungen des Arbeitsmarktes hervor und spricht von der Notwendigkeit zukunftsweisender Lösungen (Quelle).
Fachkräftesicherung im Fokus
Die Initiative in Lienz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Fachkräftemangel in Deutschland ein zentrales Thema ist. Laut der Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings, das für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt wird, wird die Identifikation ungenutzter Potenziale bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern zunehmend wichtig. Die Prognosen zeigen, dass bis 2029 etwa 530.000 Fachkräfte fehlen könnten, was insbesondere in strukturschwachen Regionen wie Lienz und Spittal zu einer Herausforderung wird. Die Analyse des Arbeitsmarktes berücksichtigt auch Faktoren wie Digitalisierung, Klimawandel und Energiewende, die alle Einfluss auf die zukünftige Fachkräftesituation haben werden (Quelle).
Die aktuelle Lage ist jedoch nicht nur von Fachkräfteengpässen geprägt, sondern auch von einem steigenden Bedarf an qualifiziertem Personal. Trotz der höchsten Beschäftigtenzahl in Deutschland gibt es einen signifikanten Mismatch zwischen offenen Stellen und verfügbaren Arbeitskräften. Die Zahl der offenen Stellen lag im vierten Quartal 2023 bei über 1,7 Millionen. Besonders kleine Betriebe haben Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen, was die Dringlichkeit für Bildungsinitiativen wie die in Lienz unterstreicht. Der demografische Wandel und die bevorstehende Rente der Babyboomer-Generation werden die Situation weiter verschärfen. Ohne gezielte Zuwanderung könnte das Erwerbspersonenpotenzial bis 2035 um mehr als 7 Millionen sinken. Daher ist es entscheidend, Maßnahmen zur Verbesserung des Matchings zwischen offenen Stellen und Arbeitsuchenden zu ergreifen, um den Fachkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen (Quelle).
Ein Blick in die Zukunft
Mit dem hybriden AMS-Konzept in Lienz wird ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des regionalen Fachkräfteangebots gemacht. Durch die Flexibilität der Ausbildung und die Möglichkeit, digitale Formate zu nutzen, wird der Zugang zu Weiterbildung erleichtert. Dies könnte nicht nur zur Qualifizierung der Teilnehmenden führen, sondern auch langfristig dazu beitragen, dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken. Die Herausforderungen sind groß, doch die Initiative zeigt, dass durch innovative Ansätze und Zusammenarbeit von verschiedenen Institutionen Lösungen gefunden werden können.





