In der Pfarrkirche St. Andrä in Lienz hängt derzeit ein bemerkenswertes Kunstwerk, das die Fastenzeit auf eindrucksvolle Weise begleitet. Das Fastentuch von Michael Hedwig, das von Aschermittwoch bis Karsamstag zu sehen ist, verbindet Tradition und zeitgenössische Kunst. Dieses Tuch, das mit seinen stattlichen Maßen von 11 x 7 Metern auf drei Bahnen ungrundierter Baumwolle gemalt wurde, ist ein Auftragswerk der Dompfarre Innsbruck sowie der Initiative Kunstraum Kirche und wurde 2010 geschaffen. Es wurde bereits in den Jahren 2010 und 2011 im Dom zu Innsbruck sowie von 2020 bis 2023 in der Michaelerkirche in Wien präsentiert. Derzeit ist es zum dritten Mal im Altarraum der Pfarrkirche St. Andrä zu bestaunen, was die Bedeutung dieses Kunstwerks unterstreicht. (Quelle)
Die künstlerische Darstellung auf dem Fastentuch vereint zwei tiefgreifende biblische Motive: die Vision des Propheten Ezechiel aus Kapitel 37, die die Auferstehung der Toten thematisiert, sowie die Verklärung Jesu, die traditionell am zweiten Fastensonntag verkündet wird. Diese Verbindung von Symbolik und Kunst bietet den Gläubigen und Besuchern eine Möglichkeit zur Reflexion und zum Nachdenken während der Fastenzeit, die in der katholischen Kirche eine Zeit der Buße und der inneren Einkehr darstellt.
Tradition und Brauchtum der Fastenzeit
Der Brauch, Hochaltar, Bilder oder Kreuze in der Fastenzeit zu verhüllen, reicht bis ins Mittelalter zurück. Fastentücher im Altarraum erinnern an einen Vorhang, der die Trauer über den Tod Jesu zum Ausdruck bringt. Gewöhnlich werden schlichte, meist violette Tücher oder auch reich verzierte Tücher mit biblischen Motiven verwendet. Ein Beispiel für ein historisches Fastentuch ist das Virgener Fastentuch aus dem Jahr 1598, das im Schloss Bruck zu bestaunen ist.
In diesem Jahr wird das Fastentuch von Michael Hedwig am Samstag, den 17. Februar, im Rahmen eines Gottesdienstes von Michael Hedwig und Dekan Franz Troyer erklärt und seiner liturgischen Funktion übergeben. Vor dieser Übergabe findet am Freitag, den 16. Februar, um 19.00 Uhr in der Kunstwerkstatt Lienz eine Ausstellung mit Skizzen und weiteren Werken von Hedwig statt. Diese Veranstaltungen bieten die Gelegenheit, das Fastentuch und seine Entstehung näher kennenzulernen und sich mit der Bedeutung der Fastenzeit auseinanderzusetzen. (Quelle)
Hintergrund und Entwicklung der Fastenzeit
Die Fastenzeit beginnt in der katholischen Kirche jedes Jahr am Aschermittwoch und hat eine lange Tradition. Ursprünglich waren die Vorschriften für das Fasten sehr strikt, sodass Gläubige bis zum 15. Jahrhundert täglich nur drei Bissen Brot und drei Schluck Flüssigkeit konsumieren durften. Erst im Jahr 1486 lockerte Papst Innozenz VIII. die Vorschriften, indem er den Verzehr von Milchprodukten erlaubte. Bis ins 20. Jahrhundert hielten sich viele Katholiken an strenge Fastengebote, einschließlich eines generellen Fleischverbots freitags.
Die Anzahl der vorgeschriebenen Fasttage wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf zwei reduziert: Aschermittwoch und Karfreitag. Alternative Bußformen wurden betont, sodass Werke der Nächstenliebe, intensives Gebet und Almosengeben an Bedeutung gewannen. Heutzutage müssen Katholiken ab 14 Jahren am Aschermittwoch und an Freitagen der Fastenzeit auf Fleisch verzichten, während das Fasten für alle Gläubigen zwischen 18 und 60 Jahren gilt. Der individuelle Aspekt des Fastens gewinnt immer mehr an Bedeutung, etwa durch Bildschirmfasten oder zeitliche Opfer für Bedürftige. (Quelle)