In den letzten Wochen hat sich die Schneedeckenstabilität in Tirol nur geringfügig verändert, was die Lawinensituation für Wintersportler weiterhin heikel macht. Laut den aktuellen Berichten sind Sportler in den Tiroler Bergen nach wie vor mit einer ernsthaften Lawinengefahr konfrontiert. Für alle, die sich im freien Gelände bewegen möchten, ist eine defensive Routenwahl essenziell, um das Risiko zu minimieren. Besonders auffällig ist, dass die Phase einer erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke nun schon seit fast einem Monat anhält. Dies wird durch eine ausgeprägte Schwachschicht aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee sowie Oberflächenreif begünstigt.
Die Situation wird zusätzlich durch ein gut ausgebildetes Schneebrett verschärft, das durch Schneefälle und starken Windeinfluss in den letzten Tagen verstärkt wurde. Alarmzeichen wie Setzungsgeräusche, Rissbildungen und spontane Lawinenauslösungen sind zahlreich zu beobachten. Die Gefahrenstufe 4 (groß) wurde in der vergangenen Woche gleich zweimal ausgegeben, was bedeutet, dass Lawinen bereits durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden können. Die Rückmeldungen aus dem Gelände zeigen, dass spontane Lawinen und Sprengerfolge keine Seltenheit sind.
Wetterbedingungen und Prognosen
Der Wetterbericht der letzten Woche zeigt einen Wechsel zwischen Schönwetter zu Beginn und Schneefällen ab dem 3. Februar, wobei in Osttirol bis zu 50 cm Neuschnee gefallen sind. Der starke Windeinfluss an den Tagen darauf führte zu umfangreichen Schneeverfrachtungen, was die Lawinengefahr zusätzlich verschärft. Kritisch ist auch der eingeschneite Oberflächenreif, der die Stabilität der Schneedecke beeinträchtigt. Am 6. Februar sind kompakte Wolken und leichter Regen- oder Schneefall in Nordtirol sowie stark bewölktes Wetter in Osttirol vorhergesagt. Ein mildes Hochdruckwetter ist zwar in Sicht, aber unbeständiges Wetter mit Neuschnee zur Wochenmitte könnte die Brettbildung fördern.
Die Einschätzung der Lawinengefahr stützt sich auf mehrere Parameter, die von Lawinenprognostiker:innen beurteilt werden. Hierbei sind die Schneedeckenstabilität, die Häufigkeit der Gefahrenstellen und die Lawinengröße maßgeblich. Mithilfe der EAWS-Matrix, die durch eine Umfrage unter 76 europäischen Prognostiker:innen erstellt wurde, wird die Gefahrenstufe objektiv festgelegt. Es ist wichtig zu betonen, dass die Gefahrenstufe allein nicht ausreicht, um die tatsächliche Gefahr im Gelände zu beurteilen. Daher ist es sinnvoll, die Gefahrenstufe in Kombination mit spezifischen Lawinenproblemen zu verstehen, um verantwortungsbewusst handeln zu können (Quelle).
Technologische Unterstützung und Bildung
In den letzten Jahren haben sich Algorithmen, Apps und neue Prognosemethoden als wertvolle Hilfsmittel für Wintersportler etabliert, um das Lawinenrisiko besser einzuschätzen. Diese neuen Technologien tragen dazu bei, dass die Zahl der Lawinenopfer im Vergleich zu vor 20 Jahren gesenkt werden konnte. Die amtlichen Lawinenprognosen, Entscheidungsregeln und Online-Plattformen basieren auf umfassenden Datenanalysen und Computermodellen. Besonders nützlich ist das Online-Tool „Skitourenguru.com“, das individuelle Tourenplanung ermöglicht und das Lawinenrisiko für spezifische Routen berechnet. Dabei werden Faktoren wie Hanggröße, Steilheit und Hangform berücksichtigt und das Risiko in einem Ampelsystem von grün (gering) bis rot (hoch) angezeigt (Quelle).
Trotz all dieser Hilfsmittel bleibt eine Vor-Ort-Beurteilung im Hang unerlässlich und erfordert eine fundierte Schulung in Lawinenkursen. Der „Kleine Blocktest“ ist ein wichtiges Werkzeug zur Untersuchung des Schnees und zur Beurteilung des Lawinenrisikos. Zudem ist das Verständnis der Lawinenentstehung und die richtige Deutung von Lawinenprognosen für Wintersportler von großer Bedeutung. Der Klimawandel beeinflusst die Bedingungen in den Bergen, was zu schnelleren Temperaturwechseln und stärkeren Niederschlägen führt. Daher ist es umso wichtiger, sich kontinuierlich fortzubilden und die Risiken im Gebirge realistisch einzuschätzen.