In Tirol hat sich die Situation rund um die Lawinengefahr dramatisch verschärft. Der Lawinenwarndienst Tirol hat die Warnstufe 4 – „große Lawinengefahr“ – für weite Teile des Bundeslands ausgeweitet. Diese Stufe ist die zweithöchste auf der Gefahrenstufen-Skala und signalisiert, dass besondere Vorsicht geboten ist. Am Mittwoch, dem 17. Februar 2026, wurden in Tirol mehr als 30 Lawinen an nur einem Tag registriert, was die kritische Lage unterstreicht. Tragischerweise kamen dabei zwei Personen ums Leben: ein 71-jähriger Urlauber aus Fiss und ein 44-jähriger Deutscher im Navistal, beide waren im freien Skiraum ohne Lawinenpiepser unterwegs.

Die Warnung betrifft große Teile des Bundeslandes, darunter die Ammergauer Alpen Süd, die Grieskogelgruppe und die Samnaungruppe, um nur einige zu nennen. Zuvor galt die hohe Gefahrenstufe insbesondere in den Lechtaler Alpen und dem Mieminger Gebirge. Bis Donnerstagabend wird in den gefährdeten Gebieten mit weiteren 15 bis 30 Zentimetern Neuschnee gerechnet, lokal auch mehr. Starker bis stürmischer Westwind wird den frischen Schnee zu gefährlichem Triebschnee aufwirbeln, was die Lawinengefahr zusätzlich erhöht. In den übrigen Teilen Nord- und Osttirols bleibt die Lawinenwarnstufe bei 3 – „erhebliche Gefahr“.

Was bedeutet das für Wintersportler?

Experten warnen eindringlich: Lawinen können sehr leicht ausgelöst werden, und spontane Abgänge sind jederzeit möglich. Besonders gefährlich sind die Auslaufzonen großer Lawinen. Bereits geschehene Lawinenabgänge und aktuelle Beobachtungen bestätigen die alarmierende Situation in den betroffenen Gebieten. Für Wintersportler, die abseits der Pisten unterwegs sind, sind diese Meldungen besonders wichtig. Jährlich sterben in den europäischen Alpen etwa 100 Menschen bei Lawinen-Unglücken, was die Risiken recht anschaulich macht.

Wer außerhalb der präparierten Pisten unterwegs sein möchte, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Ab einem Hang von über 30 Grad ist die Lawinengefahr gegeben, und tagesaktuelle Lawinenberichte sind unerlässlich. Eine Faustregel besagt: Geradewegs nach oben gehen bedeutet weniger als 30 Grad; wer Kehren oder schräg geht, bewegt sich auf einem steileren Hang. Präparierte Winterwanderwege in sanften Berggegenden gelten als sicherer.

Vorbereitung ist alles

Ein Lawinen-Notfall-Set, das ein Such- und Empfangsgerät, eine Sonde und eine Schaufel umfasst, ist für jeden, der abseits der Pisten unterwegs sein möchte, unerlässlich. Lawinen-Airbags können die Überlebenschancen bei einem Lawinenabgang erheblich erhöhen, kosten jedoch zwischen 400 und 1000 Euro. Dr. Stefan Winter, Berg- und Skiführer, warnt zudem vor der verzerrten Darstellung der Risiken in sozialen Medien, die viele dazu verleiten, die Gefahren zu unterschätzen.

Die Tourenplanung sollte stets die Faktoren Gelände, Verhältnisse und Mensch berücksichtigen. Anfänger sollten die Länge der Tour nicht unterschätzen und niemals alleine gehen. Überlebenszeit in einer Lawine hängt von der Tiefe der Verschüttung und der Schnelligkeit der Bergung ab. 90% der Verschütteten überleben, wenn sie in den ersten 10 bis 15 Minuten ausgegraben werden. Ein neues System, das Luft zu Verschütteten leitet, könnte die Überlebenschancen weiter erhöhen, wie Tests zeigen.

Die gegenwärtige Warnung des Lawinenwarndienstes Tirol sollte für alle Wintersportler ernst genommen werden. Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen, insbesondere in einer so kritischen Situation wie der aktuellen.