Am ersten Fastensonntag, auch bekannt als Kassunnti, wird in Landeck eine ganz besondere Tradition zelebriert: das Scheibenschlagen. Dieser Brauch, der in der Region Tirol und Vorarlberg tief verwurzelt ist, soll Glück für die Bewohner des Talkessels Landeck/Zams bringen. Die Vorbereitungen beginnen Wochen im Voraus, wenn Mitglieder der Feuerwehr die Scheiben aus Birkenholz anfertigen. Diese Scheiben sind etwa drei Zentimeter dick und haben ein Loch in der Mitte, um sie später mit Haselstöcken zu werfen.
Am Abend des Kassunnti zünden die Feuerwehrleute große Lagerfeuer an, in die die Birkenscheiben gelegt werden. Die „Schläger“ ziehen dann die glühenden Scheiben aus den Flammen und schwingen sie mit einem Haselstock in die Luft. Während des Wurfs rufen sie spezielle Scheibensprüche ins Tal, die sich oft auf bestimmte Personen beziehen. Die Funken, die durch die fliegenden Scheiben entstehen, gelten als unheilabweisend und reinigend. Je weiter eine Scheibe fliegt, desto besser ist das Zeichen, das sie für die Gemeinschaft darstellt. Zu jeder brennenden Scheibe wird zudem der Name einer Person genannt, der damit Glück gebracht werden soll. Um diesen Brauch gebührend zu feiern, wird die traditionelle Teigware „Kaskiachl“ zubereitet, die mit Familie und Freunden genossen wird. Diese Leckerei ähnelt in ihrer Form den Birkenscheiben und besteht aus frittierter Käsefüllung im Teigmantel, wobei die Gewürzmischung ein wohlgehütetes Geheimnis ist.
Ein Blick in die Geschichte und Bedeutung
Historische Quellen belegen, dass das Scheibenschlagen bereits seit dem 17. Jahrhundert praktiziert wird, obwohl es immer wieder Verbote für diese feuergefährliche Tradition gab. Im frühen 20. Jahrhundert war das Scheibenschlagen in mehreren Orten Tirols und Vorarlbergs verbreitet, doch die Zahl der aktiven Orte hat im Laufe der Jahre abgenommen. Heute findet dieser Brauch nur noch in wenigen Gemeinden in Südvorarlberg und elf in Tirol statt. Die Ausführenden sind oft Burschen, Jugendliche und Schulkinder, die zusammen mit Vereinen wie der Freiwilligen Feuerwehr teilnehmen. Jeder Haushalt erhält eine eigene Scheibe, die mit einem humorvollen Spruch über eine besondere Begebenheit des vergangenen Jahres versehen ist.
Die offizielle Urkundenverleihung für das Scheibenschlagen, das 2015 in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurde, fand im Mai 2023 statt. Diese Auszeichnung unterstreicht die soziale und lokal verankerte Bedeutung dieser Tradition, die Menschen aus der Region und Besucher*innen zusammenbringt. Besonders in den letzten Jahren hat das Scheibenschlagen durch lokale Bemühungen wieder an regionaler Bedeutung gewonnen, und Flurnamen wie „Scheibenbödele“ in Pettneu am Arlberg erinnern an die lange Geschichte dieser Praxis.
Das Scheibenschlagen im Kontext des Kulturerbes
Das Scheibenschlagen ist nicht nur ein lokales Ereignis, sondern Teil eines größeren kulturellen Erbes in Österreich. Traditionen wie die Wiener Kaffeehauskultur, die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts besteht, oder die Fasnacht Imst, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, zeigen die Vielfalt der österreichischen Brauchtümer. Diese Traditionen wurden vielfach von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, was die kulturelle Bedeutung und den Erhalt dieser Praktiken unterstreicht. Das Scheibenschlagen fügt sich nahtlos in diese Reihe ein und repräsentiert die lebendige Kultur der Alpenregion.
Das Scheibenschlagen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Brauchtum und Gemeinschaftssinn in einer zunehmend modernen Welt bestehen bleiben können. Durch die Verbindung von Tradition und regionalem Stolz wird das Scheibenschlagen nicht nur für die Bewohner von Landeck, sondern auch für zukünftige Generationen lebendig gehalten. Für Interessierte bieten die Feierlichkeiten rund um das Scheibenschlagen einen faszinierenden Einblick in die kulturellen Wurzeln und die Gemeinschaftsbindung der Region.
Für weitere Informationen über das Scheibenschlagen und seine Bedeutung kann die ausführliche Quelle auf MeinBezirk besucht werden. Zudem bietet UNESCO umfassende Einblicke in die kulturellen Aspekte dieses Brauchs. Wer noch mehr über das immaterielle Kulturerbe in Österreich erfahren möchte, der findet wertvolle Informationen auf Wikipedia.