In der Bezirkshauptmannschaft Landeck trafen sich kürzlich mehr als 30 Akteurinnen und Akteure aus 19 Energiegemeinschaften des Bezirks. Dieses Netzwerktreffen wurde von der Klima- und Energiemodellregion (KEM) Landeck organisiert und diente dem Austausch von Erfahrungen sowie der Information über aktuelle Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene. Bezirkshauptmann Siegmund Geiger und die KEM Landeck hießen die Teilnehmer offiziell willkommen und unterstrichen die Bedeutung solcher Zusammenkünfte in Zeiten, in denen die Energiewende mehr denn je im Fokus steht.

Österreich hat in den letzten Jahren mit fast 5.600 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEGs) einen bemerkenswerten Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung gemacht. In Tirol sind bis Ende 2025 bereits rund 450 dieser Gemeinschaften gezählt worden. Anders als in vielen anderen Tiroler Initiativen, die oft überregional agieren und an Umspannwerken aktiv sind, zeigt sich der Bezirk Landeck besonders: Hier sind alle Energiegemeinschaften eng mit der KEM Landeck vernetzt und aus eigener Initiative entstanden. Engagierte Einzelpersonen und Gemeinden im Bezirk organisieren und entwickeln die Projekte selbst. Elisabeth Steinlechner von der KEM Landeck hebt hervor, dass die Energiegemeinschaften eine große Chance für die regionale Energiewende darstellen.

Aktuelle Herausforderungen und Chancen

Ein zentrales Thema des Treffens war das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und dessen Auswirkungen auf Energiegemeinschaften. Thomas Vogel von der Energieagentur Tirol informierte die Anwesenden über die Änderungen im ElWG, das als entscheidender Hebel für die Energieautonomie Tirols bis 2050 betrachtet wird. Die Vernetzung aktiver Energiegemeinschaften wird als sinnvoll erachtet, um Entwicklungen vor Ort zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Ein gutes Beispiel für das ehrenamtliche Engagement in den Energiegemeinschaften ist die „Agri-PV-Anlage Pians-Grins“, die während des Treffens vorgestellt wurde.

In Österreich gibt es verschiedene Formen von Energiegemeinschaften, die jeweils unterschiedliche Möglichkeiten für die Energieversorgung bieten. Diese reichen von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen, die die Stromversorgung innerhalb eines Gebäudes ohne Nutzung des öffentlichen Netzes ermöglichen, bis hin zu Bürgerenergiegemeinschaften, die alle Netzebenen umfassen und den Verkauf von überschüssigem Strom ohne Netzgebührenersparnis erlauben. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Gemeinschaften hängt dabei stark von der Abstimmung von Einspeise- und Verbrauchsprofilen ab.

Relevante gesetzliche Rahmenbedingungen

Wie das neue ElWG zeigt, sind Energiegemeinschaften im Clean Energy Package der EU als zentraler Bestandteil der dezentralen Energiewende verankert. Die EU-Richtlinien EBM-RL (2019/944) und RED II (2018/2001) regeln neue Marktrollen für Energy Sharing und Energiegemeinschaften. Österreich hat die Vorgaben bereits 2021 umgesetzt, was zu über 4.000 Energiegemeinschaften in Gründung oder Betrieb bis Ende Juni 2025 geführt hat. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen wird dabei direkt in die Gemeinschaften geleitet, statt ins öffentliche Netz eingespeist zu werden.

Ein Unternehmen, das seit 2021 Energiegemeinschaften in Österreich unterstützt, ist nobile. Es hat die größte Erneuerbare Energiegemeinschaft in Trumau mit über 600 Haushalten etabliert und bietet einen fixen Stromtarif von 12 Cent pro kWh aus Windkraft an. Auch in anderen Projekten, wie im Cargo Center Graz und im Skigebiet Nassfeld, hat nobile innovative Energiekonzepte entwickelt. Die jüngsten Entwicklungen im Elektrizitätswirtschaftsgesetz schaffen neue Möglichkeiten, darunter Peer-to-Peer-Verträge und die Definition des „aktiven Kunden“, was die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Energiegemeinschaften weiter stärkt.

Für weitere Informationen zu den Änderungen für bestehende Energiegemeinschaften können Interessierte sich unter diesem Link informieren. Die Energiewende in Österreich ist also in vollem Gange, und die Rolle der Energiegemeinschaften wird dabei zunehmend wichtiger.

Quellen: MeinBezirk, Energiegemeinschaften.gv.at, Taylor Wessing.