In Innsbruck tut sich einiges in der Welt der Audiologie. MED-EL, ein führendes Unternehmen in der Entwicklung implantierbarer Hörsysteme, hat eine Professur für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck ins Leben gerufen. Diese Professur wird in den nächsten fünf Jahren von MED-EL finanziert, mit dem Ziel, die Forschung zur frühen Anpassung von Cochlea-Implantaten unter Einbeziehung von Künstlicher Intelligenz (KI) voranzutreiben. Am 1. Februar 2026 wurde Philipp Zelger zum ersten Professor dieser neuen Einrichtung berufen. Er hat Physik an der Universität Innsbruck studiert und ist seit 2021 an der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen (HSS) tätig. Dort betreut er jährlich etwa 5.000 Patient:innen mit Hörbeeinträchtigungen und ist an rund 50 Operationen zur Implantation von Hörsystemen beteiligt.
Besonders spannend ist das erste Projekt der Professur, das die sogenannte „Early Activation“ untersucht. Aktuell wird ein Cochlea-Implantat vier bis sechs Wochen nach der Operation aktiviert. Frühere Studien haben jedoch gezeigt, dass ein früheres Einschalten des Implantats die Heilung fördern könnte. Hier setzen die KI-Algorithmen an, die dabei helfen sollen, die Einstellungen des Implantats während der Operation auf das Hörvermögen im Wachzustand hochzurechnen. Diese Entwicklungen könnten zukünftig entscheidend dazu beitragen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Forschungsschwerpunkte und klinische Routineleistungen
Die Abteilung für Cochlea-Implantate (CI) befasst sich nicht nur mit der Versorgung hörgeschädigter Patienten, sondern auch intensiv mit der Wahrnehmung von CI-Trägern. Zu den klinischen Routineleistungen gehören unter anderem die technische Beratung der Kandidaten zur Auswahl eines geeigneten Systems, intraoperative Messungen sowie die Erstanpassung der Signalprozessoren. Regelmäßige Nachkontrollen der versorgten Patienten stellen sicher, dass die Patienten optimal betreut werden.
Die Forschungsgegenstände umfassen wesentliche Aspekte wie Sprachwahrnehmung, Wahrnehmung von Musik, räumliche Wahrnehmung und akustische Objektwahrnehmung. Zahlreiche Publikationen belegen die wissenschaftlichen Fortschritte in diesem Bereich, so etwa Studien zur musikalischen Wahrnehmung bei CI-Trägern. Eine solche Forschung ist von zentraler Bedeutung, um die Möglichkeiten und Grenzen von Cochlea-Implantaten besser zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Ein Blick in die Zukunft der Cochlea-Implantat-Versorgung
Die HNO-Klinik der Charité-Universitätsmedizin Berlin hat ebenfalls hohe Expertise in der Behandlung von Hörstörungen und versorgt jährlich etwa 150 Patienten mit Cochlea-Implantaten. Seit 2010 werden alle Patienten mit Hörimplantaten in klinische Studien eingeschlossen, um die Behandlungsergebnisse umfassend zu evaluieren. Studien zeigen, dass Cochlea-Implantate nicht nur das Sprachverstehen verbessern, sondern auch die Lebensqualität, Tinnitus- und Stressbelastung sowie psychische Komorbiditäten positiv beeinflussen können.
Im Hinblick auf den demografischen Wandel wird die Bedeutung der Cochlea-Implantat-Versorgung bei älteren und sehr alten Patienten immer größer. Daher ist die Untersuchung der kognitiven Leistungsfähigkeit von zentraler Bedeutung, um die besten Ergebnisse für die Patienten zu erzielen. Elektrophysiologische Untersuchungen zur Hörnervfunktionsfähigkeit sind ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsarbeiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklungen rund um die Professur für Experimentelle Audiologie und die damit verbundenen Forschungsprojekte in Innsbruck einen vielversprechenden Fortschritt im Bereich der Audiologie darstellen. Die Verbindung von moderner Technologie, wie Künstlicher Intelligenz, mit der medizinischen Praxis könnte in den kommenden Jahren zu erheblichen Verbesserungen in der Versorgung von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen führen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Originalmeldungen, die die Basis dieser spannenden Entwicklungen bilden.