Am 14. Februar 2026 feierte das Tiroler Landestheater Innsbruck die Premiere von Mozarts einzigartiger „opera seria“, Idomeneo, die auf ein Libretto von Giambattista Varesco basiert. Diese Inszenierung stammt vom Regisseur Henry Mason und ist nicht die erste ihrer Art; bereits 1989 und 2011 wurde das Werk in Innsbruck aufgeführt. In dieser aktuellen Produktion wird Idomeneo nicht nur als musikalisches Meisterwerk präsentiert, sondern auch als Psychodrama, das die tiefen seelischen Konflikte der Charaktere beleuchtet.
Die Handlung dreht sich um Idomeneo, den König von Kreta, der nach zehn Kriegsjahren aus Troja zurückkehrt. Dabei hat er einen Pakt mit Neptun geschlossen, der ein Menschenopfer verlangt: den ersten Menschen, den Idomeneo nach seiner Rückkehr trifft. Dies ist sein Sohn Idamante, der in die trojanische Prinzessin Ilia verliebt ist. Diese Konstellation führt zu einem emotionalen Chaos, das nicht nur die Charaktere, sondern auch das Volk in Mitleidenschaft zieht. Die Inszenierung thematisiert Gewalt, Kriegstrauma und innere Konflikte, und die stummen Kinder aus der Kinderstatisterie fungieren als Doppelgänger der Figuren, was die emotionale Tiefe verstärkt.
Die Musik und ihre Wirkung
Musikalisch überzeugt die Inszenierung besonders durch die Darbietung von Anastasia Lerman als Ilia sowie durch Camilla Lehmeier als Idamante und Susanne Langbein als Elettra, die allesamt positive Erwähnung fanden. Dovlet Nurgeldiyev gestaltet die Rolle des Idomeneo mit einem warmen Klang, während das Tiroler Symphonieorchester unter Gerrit Prießnitz die dramatische Kraft der Partitur eindrucksvoll zur Geltung bringt. Die Musik von Mozart kombiniert italienische Barockoper mit Glucks Reformideen und der „tragédie lyrique“, was in der dynamischen Gestaltung der Handlung durch nahtlose Übergänge zwischen Rezitativ, Arie und Ensemble deutlich wird.
Die Chöre und das Extrachor verwenden Pantomime und Slapstick, was gelegentlich von der ernsten Thematik ablenkt. Zudem sorgen Videozuspielungen, die realistische Impressionen aus dem Mittelmeerraum und kriegsgezeichnete Städte zeigen, für eine eindringliche Atmosphäre. Kostüme, die Elemente aus Antike, Barock und Fünfzigerjahre-Chic kombinieren, tragen zur visuellen Faszination der Inszenierung bei.
Die Herausforderungen der Handlung
Idomeneo steht vor der Herausforderung, sein Gelübde zu erfüllen, was zu Chaos und Krankheit in der Bevölkerung führt. Die junge Generation in der Oper sucht nach Wegen, die durch Trauma verursachten Gräben zu überwinden, während das Volk in kraftvollen Chorpassagen sein Recht fordert. Mozart zeichnet die Zerrissenheit der Charaktere und die tiefen emotionalen Wunden, die die Nachwirkungen des Krieges mit sich bringen, genau nach.
Die Uraufführung von Idomeneo fand am 29. Januar 1781 im Residenztheater in München statt. Seitdem hat sich das Werk, das in drei Akten erzählt wird, zu einem wichtigen Bestandteil des Opernrepertoires entwickelt. Es zeigt nicht nur die musikalische Brillanz von Mozart, sondern auch die gesellschaftlichen und psychologischen Fragestellungen, die relevant bleiben, wie die Heilung von Wunden und das Leben nach einem Krieg.
Insgesamt bietet die Inszenierung am Tiroler Landestheater Innsbruck eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit einem der bedeutendsten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, das sowohl musikalisch als auch thematisch einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Für weitere Informationen besuchen Sie die Quellen: Der Opernfreund und Landestheater Innsbruck sowie Wikipedia.