In Innsbruck gibt es derzeit eine spannende Ausstellung, die das Potenzial von Pilzmyzel in der Gestaltung von Möbeln und anderen Alltagsgegenständen erkundet. Die Ausstellung mit dem Titel „Funga“ findet im Naturmuseum Südtirol statt und zeigt den innovativen „Living Room“, der am Institut für Experimentelle Architektur der Universität Innsbruck entwickelt wurde. Geleitet und kuratiert von Barbara Imhof, Natalia Piórecka und Judith Ascher-Jenull, bietet die Ausstellung einen faszinierenden Einblick in die Welt der myzelbasierten Materialien. Gezeigt werden Stühle, Hocker, Tische, Leuchten und räumliche Fragmente, die aus diesen lebendigen Materialien gefertigt sind. Diese Objekte sind Teil des Forschungsprojekts MUSE (Mycelium Seat), das vom Land Tirol gefördert wird und sich mit der Materialforschung im Kontext von integrativem Design beschäftigt.

Die Ausstellung ist nicht nur eine kreative Präsentation, sondern auch ein Experimentierraum, der die Ergebnisse einer intensiven Materialforschung in bewohnbare Innenräume überträgt. MUSE untersucht, wie myzelbasierte Verbundmaterialien als entwurfsbestimmte Materialsysteme fungieren können. Dabei spielt die Auswahl der Pilzarten, Substrate und Fertigungstechniken eine entscheidende Rolle für die Eigenschaften der Materialien. Die Objekte sind das Resultat iterativer Experimente und kollaborativer Forschungsprozesse, in denen Studierende über mehrere Semester hinweg ihre Ideen umsetzen konnten. Der „Living Room“ hebt die biologischen Prozesse hervor und zeigt die Spuren des Wachstums, was sich in den Variationen von Dichte, Textur und Farbe der ausgestellten Objekte widerspiegelt. Damit lädt die Ausstellung zu einem Perspektivwechsel ein: von der Extraktion von Rohstoffen hin zur Kultivierung und von inertem Material zu lebendigen Materialbeziehungen. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter diesem Link.

Nachhaltigkeit im Fokus

Die Verwendung von Pilzmyzel als Rohstoff kommt nicht von ungefähr. Pilzmyzel ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, der im Boden vorkommt und großes Potenzial für die Entwicklung biologisch abbaubarer Materialien bietet. Gegenwärtig sind Pilzmaterialien zwar nur vereinzelt auf dem Markt, doch die Nachfrage nach nachhaltigen und tierfreien Materialien wächst stetig. Das Fraunhofer IAP beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit dieser Thematik und entwickelt neuartige, nachhaltige und biologisch abbaubare Materialien aus Myzelgeflechten verschiedener Pilze. Diese Materialien können in zahlreichen Bereichen Anwendung finden, etwa bei Accessoires für Bekleidung, Möbeln oder sogar als Verpackungs- und Isoliermaterialien. Bei der Herstellung wird Myzel mit Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft, wie Schilfschnitt oder Sägespänen, inkubiert, was die Nachhaltigkeit der Produkte zusätzlich erhöht. Informationen zu den laufenden Projekten finden Sie unter diesem Link.

Ein interdisziplinärer Ansatz

Die Forschung rund um myzelbasierte Materialien fällt in einen größeren Kontext, der auch das Thema nachhaltiges Design umfasst. Der Forschungsverbund Bio2Design untersucht kreislauffähiges und ressourcensparendes Design und vereint Materialwissenschaftler, Mode- und Industriedesigner sowie Nachhaltigkeitsforscher. Ziel ist es, Wissenstransfer zu fördern und Impulse für eine nachhaltige Gestaltung in der Praxis und Lehre zu geben. Im Herbst 2024 findet an der Hochschule Trier eine Abschlussveranstaltung statt, bei der die Ergebnisse dieser interdisziplinären Zusammenarbeit vorgestellt und diskutiert werden. Zudem werden im Rahmen von Bio2Design auch öffentliche Aktionen und Formate angeboten, darunter Kurzfilme und Webinare zu biobasierten Werkstoffen. Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. Nähere Infos hierzu gibt es unter diesem Link.

Insgesamt zeigt die Kombination aus kreativer Forschung und interdisziplinärer Zusammenarbeit, wie vielversprechend die Zukunft von myzelbasierten Materialien für nachhaltiges Design sein kann. Die Ausstellung „Funga“ ist daher nicht nur ein Blick in die Gegenwart, sondern auch ein Ausblick auf die Möglichkeiten, die uns die Natur bietet, wenn wir sie respektvoll nutzen.