In der heutigen Wissenschaftswelt stehen Frauen vor zahlreichen Herausforderungen, insbesondere wenn es darum geht, ihre Karriere voranzutreiben. Ein bemerkenswertes Phänomen ist das Abnehmen der Frauenanteile in höheren akademischen Positionen, oft als „Leaky Pipeline“ bezeichnet. Diese Problematik wird auch an der Universität Innsbruck deutlich, wo das Forschungsförderungsprogramm „UIBK-FemCareer“ ins Leben gerufen wurde. Dieses Programm unterstützt internationale Jungwissenschaftlerinnen in der frühen Postdoc-Phase und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Forschungskarriere zu starten und zu festigen. Sechs Postdoktorandinnen haben kürzlich ihre Stellen im Rahmen dieses Programms an der Universität Innsbruck begonnen.

Das Ziel von „UIBK-FemCareer“ ist es, eine verlässliche Finanzierung zu gewährleisten, das Forschungsprofil zu schärfen und neue Forschungsprojekte zu initiieren. Die Universität Innsbruck finanziert die Anstellung der Wissenschaftlerinnen sowie spezifische Sach- und Reisemittel. Darüber hinaus steht ein Budget für persönliche Weiterbildung zur Verfügung. In einer Zeit, in der am Internationalen Frauentag (8. März) die bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern thematisiert werden, sind solche Initiativen von großer Bedeutung. Laut Zahlen der Universität Innsbruck sind 55% der Bachelor- und Masterabschlüsse weiblich, jedoch sinkt der Anteil der Frauen auf 47% bei den Doktoratsabschlüssen und auf nur 30,8% bei den Professor:innen.

Forschungsprojekte und Initiativen

Die sechs Wissenschaftlerinnen, die über das UIBK-FemCareer-Fellowship arbeiten, sind in einer Vielzahl spannender Forschungsbereiche tätig. Rocío Suárez Vallejo beschäftigt sich mit klimabedingten Herausforderungen in christlichen Gemeinschaften des 6. und 7. Jahrhunderts, während Anna Codemo mikroklimatische Modellierungen für klimaresiliente Stadtentwicklung erforscht. Monika Brandić Lipińska widmet sich der Gestaltung widerstandsfähiger Räume in extremen Umgebungen. Triinu Veeorg untersucht unendlich dimensionale Räume, Silvia Corradi die rechtliche Bedeutung von Vulnerabilität im Kontext des neuen europäischen KI-Gesetzes und Kajal Balayan arbeitet an der effizienten Umwandlung von Lichtenergie in Nutz-Energie mit eisenbasierten Alternativen.

Zusätzlich zu den Programmen wie „UIBK-FemCareer“ hat die Universität Innsbruck weitere Initiativen zur Frauenförderung ins Leben gerufen, darunter ein zehntes Mentoring-Programm für Jungwissenschaftlerinnen und den Ausbau der Kinderbetreuung zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um Chancengleichheit und interdisziplinäre Geschlechterforschung in Forschung und Lehre zu fördern. Detaillierte Informationen zur Frauenförderung sind auf der Webseite des Arbeitskreises für Gleichbehandlung verfügbar. Auch auf staatlicher Ebene wird das Thema Geschlechtergerechtigkeit vorangetrieben, etwa durch das Bundesgleichstellungsgesetz, das im öffentlichen Sektor gilt.

Ein Blick über die Grenzen hinaus

Auf nationaler Ebene sind viele Dachverbände, Forschungseinrichtungen und Initiativen aktiv, um Maßnahmen zur Frauenförderung zu entwickeln und Forderungen zu veröffentlichen. Die GEW fordert flexiblere Karrieremöglichkeiten sowie eine verbindliche Quotierung zur Geschlechtergerechtigkeit in allen Karrierestufen. Dr. Enno Aufderheide, Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, hebt hervor, dass ein gesellschaftliches Umdenken und gezielte Förderung von Frauen essentielles Element für mehr Geschlechtergerechtigkeit sind. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat hierfür die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ als Leitfaden entwickelt.

Der Frauenanteil in der Wissenschaft ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, jedoch bleibt er in höheren Positionen wie bei Habilitandinnen und Professorinnen hinter den Erwartungen zurück. Aktuelle Zahlen belegen, dass von den Doktorandinnen 46%, von den Habilitandinnen nur 36% und von den Professorinnen lediglich 29% weiblich sind. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) setzt sich aktiv für die Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung ein, unter anderem durch Programme wie das Professorinnenprogramm, das 2023 in die vierte Programmphase gestartet ist und über 320 Millionen Euro Fördervolumen verfügt.

Insgesamt ist es wichtig, die Sichtbarkeit und Repräsentanz von Frauen in der Wissenschaft zu erhöhen. Initiativen wie „Vielfalt verbindet“ und der Förderschwerpunkt „Innovative Frauen im Fokus“ sind Schritte in die richtige Richtung, um die Chancengerechtigkeit und Sichtbarkeit von Frauen zu verbessern. Die Förderung von Frauen in MINT-Fächern ist ebenfalls von großer Bedeutung, um die Diversität in diesen Bereichen zu erhöhen. Aktionen wie der Girls’Day zielen darauf ab, Schülerinnen für technische Berufe zu begeistern und sie in ihrer Berufs- und Studienorientierung zu unterstützen.

Für detaillierte Informationen zu den Fördermöglichkeiten für Frauen in der Wissenschaft, können Interessierte einen Blick auf die Übersicht von academics.de werfen. Die Herausforderungen sind groß, aber es gibt zahlreiche Initiativen und Programme, die darauf abzielen, die Gleichstellung in der Wissenschaft voranzutreiben.