Heute ist der 5.03.2026, und die Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk erhält einen weiteren Schub. Der Meisterinnen-Förderpreis 2026 wurde an Bettina Müller, eine Unternehmerin aus Matrei am Brenner und Meisterin in Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung, verliehen. Die Verleihung fand in Innsbruck-Land in Anwesenheit von Vertretern der Wirtschaftskammer Tirol und des Soroptimist International Club Innsbruck statt. Der Preis, der mit 1.500 Euro dotiert ist, zielt darauf ab, die Wertschätzung für Frauen in männerdominierten Branchen zu erhöhen und engagierte Frauen zu würdigen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Bettina Müller hat sich nach der Matura für eine Karriere im Handwerk entschieden, nachdem sie zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften begonnen hatte. Mit ihrer Gründung der Nanelia Systemhygiene GmbH setzt sie auf chemiefreie Reinigungsverfahren und schafft ein förderndes Arbeitsumfeld. Ihr Ansatz ermöglicht es Menschen mit Allergien oder Krankheiten, Zugang zu hochwertigen Reinigungsdienstleistungen zu erhalten. Diese Initiative könnte als inspirierendes Beispiel für junge Frauen dienen, die sich für technische Berufe interessieren und zeigt, dass handwerkliche Tätigkeiten von großer Bedeutung sind.

Fachkräftemangel im Handwerk

Doch nicht nur die Sichtbarkeit von Frauen, sondern auch die Fachkräftesicherung im Handwerk ist ein zentrales Thema. Eine Analyse von Lydia Malin und Helen Hickmann, veröffentlicht vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), hat ergeben, dass es im Handwerk rund 108.000 Fachkräfte fehlen. Trotz konjunktureller Schwäche hat sich die Zahl der offenen Stellen im Handwerk 2024 erhöht, und etwa jede zweite offene Stelle bleibt unbesetzt. Besonders betroffen sind Berufe mit Fachkräfteengpass, wie Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik sowie Bau- und Klimaberufe. Hier erfahren Sie mehr über die Studie.

Ein positiver Trend ist jedoch der Anstieg der Meisterinnen im Handwerk. Von 13,3 % im Jahr 2013 hat sich der Anteil der Meisterinnen auf 17,1 % im Jahr 2023/24 erhöht, und in traditionell männlich geprägten Berufen wie Hoch- und Tiefbau hat sich die Zahl der Meisterinnen mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung ist ein Schritt in die richtige Richtung, da Frauen ein zentraler Bestandteil der Fachkräftesicherung im Handwerk sind und ihr Anteil in Engpassberufen kontinuierlich wächst.

Herausforderungen und Chancen

Trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es nach wie vor Herausforderungen. Die Studie hebt hervor, dass Geschlechterklischees in der Berufsorientierung überwunden werden müssen. Praktische Erfahrungen, weibliche Vorbilder und gezielte Ansprache sind entscheidend, um das Berufswahlspektrum für Mädchen zu erweitern. Es ist notwendig, die Sichtbarkeit von Handwerkerinnen in Gremien und Führungspositionen zu erhöhen, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen. Zudem wird auf die unzureichende soziale Absicherung für Gründerinnen und selbstständige Frauen hingewiesen, die ein Hindernis darstellt.

Die Notwendigkeit einer klischeefreien Berufsorientierung und die Stärkung der Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder sind essenziell, um die Barrieren abzubauen und klischeefreie Zugänge zu schaffen. Angesichts des demografischen Wandels kann es sich das Handwerk nicht leisten, auf weibliche Fachkräfte zu verzichten. Ein aktives Angebot von Praktika und Girls‘ Days durch Unternehmen sowie die Sensibilisierung von Ausbilder*innen für geschlechtergerechte Lernumgebungen sind wichtige Schritte in die Zukunft.

Insgesamt ist die Auszeichnung von Bettina Müller nicht nur eine individuelle Ehrung, sondern auch ein wichtiges Signal für die gesamte Branche. Die Erhöhung der Sichtbarkeit und Wertschätzung von Frauen im Handwerk könnte dazu beitragen, die Herausforderungen des Fachkräftemangels zu bewältigen und eine vielfältigere und inklusivere Arbeitswelt zu schaffen.