In Innsbruck-Land hat der Mädchenchor Wilten seit seiner Gründung im Jahr 2021 die musikalische Landschaft bereichert. Mit rund 70 talentierten jungen Sängerinnen im Alter von fünf bis zwölf Jahren bietet der Chor eine hochwertige Stimmausbildung, die sich an dem renommierten Vorbild der Wiltener Sängerknaben orientiert. Diese Tradition reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und macht die Wiltener Sängerknaben zu einem der ältesten Knabenchöre Europas.

Unter der künstlerischen Leitung von Johannes Stecher haben sich der Mädchenchor und die Wiltener Sängerknaben organisatorisch voneinander getrennt, jedoch werden beide Chöre von denselben Lehrpersonen unterrichtet. Diese Struktur ermöglicht eine umfassende Ausbildung, die durch gemeinsame Projekte erweitert wird. Die Kooperation zwischen dem Land Tirol und dem Stift Wilten, die seit 2006 besteht und 2022 vertieft wurde, regelt sowohl die musikalische Ausbildung als auch die Finanzierung, wobei das Land Tirol drei volle LehrerInnenstellen für die stimmliche Ausbildung bereitstellt. Bildungslandesrätin Cornelia Hagele stellte bei ihrem Besuch des Probelokals fest, dass die Geschlechterunabhängigkeit in der musikalischen Ausbildung von großer Bedeutung ist und betonte die Gleichheit der Chancen für Mädchen und Buben.

Nachhaltige Nachwuchsförderung in der klassischen Musik

Der Mädchenchor Wilten gilt als einzigartiges Modell für nachhaltige Nachwuchsförderung in der klassischen Musik. Die Gründung des Mädchenchors war eine notwendige Voraussetzung für die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen dem Land Tirol und dem Stift Wilten. In dieser Umgebung können junge Sängerinnen und Sänger auch vom Precollege-Angebot des Tiroler Landeskonservatoriums profitieren. So wird sichergestellt, dass die nächste Generation von Musikerinnen und Musikern nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch auf höchstem Niveau ausgebildet wird.

Doch die Förderung von Frauen und nichtbinären Menschen in der Musikbranche bleibt eine Herausforderung. Eine Analyse der MaLisa Stiftung hat gezeigt, dass die strukturelle Benachteiligung in der Musikindustrie nach wie vor besteht. Obwohl es einige Fortschritte gibt, ist der Frauenanteil in den deutschen Wochencharts nach wie vor alarmierend niedrig. Über 85% der Musik wird von Männern komponiert, und der Frauenanteil auf Festivalbühnen liegt 2019 im Durchschnitt bei nur 16%. Während kleinere Festivals 2022 erste Verbesserungen im Frauenanteil verzeichnen konnten, bleibt die männliche Dominanz in der Branche stark.

Angesichts dieser Herausforderungen wird die Arbeit des Mädchenchors Wilten umso wichtiger. Hier wird nicht nur eine gleichwertige musikalische Ausbildung geboten, sondern auch eine Plattform geschaffen, die junge Frauen ermutigt, ihre Stimme in der Musiklandschaft zu erheben und sich gegen die bestehenden Ungleichheiten zu behaupten. Die Initiativen und Erfolge des Mädchenchors könnten als Vorbild für ähnliche Projekte dienen, die darauf abzielen, Geschlechtergerechtigkeit in der Musikbranche zu fördern und den Weg für eine diversere musikalische Zukunft zu ebnen.

Für weitere Informationen über die Aktivitäten und die Entwicklung des Mädchenchors Wilten können Sie die ausführlichen Berichte unter den folgenden Links einsehen: MeinBezirk und Tirol.gv.at.