In St. Sigmund im Sellrain, Tirol, sorgt eine drastische Erhöhung der Parkgebühren für Unmut unter den Anwohnern und Besuchern. Seit einem Jahr beträgt die Gebühr für zwei Stunden Parken stolze acht Euro, eine Erhöhung von 60 % im Vergleich zu den vorherigen fünf Euro. Diese Veränderung hat insbesondere Familien und Rodler betroffen, die die Gleirschalm, eine beliebte Alm in der Region, besuchen möchten. Doch die hohen Kosten für das Parken führen dazu, dass immer mehr Spaziergänger und Einheimische dem Ausflug fernbleiben.

Die Wirtin der Gleirschalm, Gitti Unterlechner, hat ihre Alm verlassen, und die Parkgebühr blieb unverändert, was die Situation nicht verbessert hat. Hansjörg Witting, der Besitzer der Gleirschalm, äußert seinen Unmut über die Auswirkungen der hohen Parkgebühr und schlägt dem Bürgermeister Anton Schiffmann günstigere Parktarife aus Scharnitz vor. Diese sollten auch eine zeitliche Staffelung beinhalten, um den Besuchern entgegenzukommen. Doch Bürgermeister Schiffmann lehnt Änderungen der Parkgebühren ab und plant derzeit keine Anpassungen, da die Gebühren in Absprache mit den Grundeigentümern festgelegt wurden.

Rückgang der Gäste und alternative Lösungen

Die Gleirschalm verzeichnet mittlerweile einen spürbaren Rückgang der Gäste, was die Almwirtin Gitti Unterlechner als direktes Ergebnis der hohen Parkgebühren ansieht. Ein einfaches Mahl, wie ein Paar Frankfurter mit Brot, kostet bei ihr nur 6,40 Euro, was verdeutlicht, dass die Parkgebühren mittlerweile höher sind als die Kosten für das Essen. Unterlechner fordert eine Anpassung der Tarife und schlägt ein 4-Stunden-Ticket vor, um den Besuchern mehr Flexibilität zu bieten. In anderen Orten, wie im Lüsener Tal, kostet das Parken lediglich vier Euro, während in Ginzling im Zillertal der gesamte Tag nur sechs Euro kostet.

Die hohen Parkgebühren haben auch Auswirkungen auf Skitourengeher und Wanderer, die ebenfalls von den Kosten betroffen sind. Eine Jahreskarte für 80 Euro ist laut der Gemeinde sehr gefragt, stellt jedoch für Gelegenheitsbesucher eine unattraktive Lösung dar. Als Alternative wird ein kostenloser Skibus nach Praxmar angeboten, der möglicherweise dazu beitragen könnte, die Besucherzahlen in der Region zu stabilisieren.

Investitionen und Infrastruktur

Lois Melmer, Besitzer eines der Parkplätze, rechtfertigt die Preiserhöhung mit notwendigen Investitionen in die Infrastruktur. Trotz dieser Argumente bleibt die Stimmung unter den Besuchern angespannt, da die Parkgebühren in St. Sigmund zu den höchsten in Tirol zählen. Im Vergleich dazu sind die Tarife in der Wattener Lizum maximal sechs Euro und in der Leutasch nur drei Euro für eine Halbtagesnutzung. Diese Unterschiede in den Parkgebühren führen dazu, dass viele Besucher die umliegenden Gebiete bevorzugen.

Die Diskussion um die Parkgebühren in St. Sigmund wirft auch ein Licht auf die Herausforderungen, die kleine Gemeinden in Tirol heutzutage bewältigen müssen. Während die Einnahmen aus den Parkgebühren für Investitionen in die Infrastruktur genutzt werden sollen, leidet die lokale Wirtschaft unter den hohen Kosten, die viele Besucher abschrecken. Es bleibt abzuwarten, ob der Bürgermeister seine Entscheidung überdenken wird oder ob alternative Lösungen gefunden werden können, um den Besucherstrom wieder zu beleben.

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