Die Operation Greenup stellt einen faszinierenden, wenn auch lange vergessenen Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs dar. Inmitten der schneebedeckten Gipfel Tirols führten drei außergewöhnliche Männer eine waghalsige Mission durch, die entscheidend zur kampflosen Übergabe der Stadt Innsbruck an die US-Truppen im Mai 1945 beitrug. Diese Operation wurde vom US-amerikanischen Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) organisiert und blieb in Österreich lange unbekannt. Doch die mutigen Taten der Agenten Franz Weber, Hans Wijnberg und Fred Mayer haben Spuren hinterlassen, die bis heute nachhallen.

Am 26. Februar 2026 wurde die Geschichte dieser Operation im Turmmuseum in Oetz von Webers Söhnen und dem Zeithistoriker Peter Pirker thematisiert. Die drei Männer sprangen im Februar 1945 über den Sulztalferner ab, mit dem Ziel, eine geheime Funkstation nahe Innsbruck zu errichten, den Bahnverkehr über den Brenner auszuspionieren und Informationen über Hitlers „Alpenfestung“ zu sammeln. Wijnberg funkte 60 verschlüsselte Nachrichten an die OSS-Basis in Bari und spielte eine Schlüsselrolle in der Vernetzung des Innsbrucker Widerstands.

Der Verlauf der Operation Greenup

Die Kernmannschaft der Operation Greenup bestand aus den jüdischen Flüchtlingen Fred Mayer und Hans Wijnberg sowie dem Wehrmachtsdeserteur Franz Weber. Mayer und Wijnberg hatten beide einen steinigen Weg hinter sich: Mayer floh 1938 mit seiner Familie aus Freiburg nach Brooklyn, während Wijnbergs Familie 1943 und 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Weber, der 1941 Zweifel am Nazi-System hatte, desertierte 1944 und schloss sich den Alliierten an. Im Januar 1945 stimmte er zu, Mayer und Wijnberg in sein Heimatdorf Oberperfuss zu schmuggeln, unterstützt von Frauen aus der Region, darunter seine Schwestern und seine Verlobte.

Die Agenten sammelten militärische und politische Informationen und übermittelten diese über Wijnberg in insgesamt 46 Nachrichten. Besonders bemerkenswert ist, dass Mayer am 20. April 1945 verhaftet und gefoltert wurde, jedoch die Tortur überstand. Am 2. und 3. Mai 1945 verhandelte Mayer mit dem Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, Franz Hofer, was zur Erklärung Innsbrucks als offene Stadt führte. Dies ermöglichte den US-Truppen, am 3. Mai 1945 ohne Kampf in Innsbruck einzumarschieren.

Die Bedeutung des Tiroler Widerstands

Die Befreiung Innsbrucks war nicht nur das Ergebnis der Operation Greenup, sondern auch das Werk eines mutigen Tiroler Widerstands, der entscheidend zur Schaffung eines Machtvakuums beitrug. Am 2. Mai 1945 übernahm der Widerstand den Wehrmachtsstab der Innsbrucker Garnison und verhaftete SS-Offiziere. Frauen spielten eine bedeutende Rolle in diesem Widerstand, und es gab zahlreiche Berichte über lokale Unterstützungsnetzwerke.

Die amerikanischen Soldaten überschritten am 28. April 1945 im Außerfern und am 1. Mai bei Scharnitz die Grenzen zu Tirol. Am 2. Mai meldete der Widerstand im Radio die Übernahme der Regierungsgeschäfte, während am 3. Mai die US-Truppen in Innsbruck einmarschierten, was bei der Bevölkerung Jubel auslöste und an die Befreiung von Paris erinnerte. Diese komplexen Ereignisse wurden in vielen historischen Studien rekonstruiert, insbesondere durch Horst Schreiber und Peter Pirker.

Das Erbe von Operation Greenup

Die Geschichte von Operation Greenup und ihren Akteuren war lange Zeit in der österreichischen Geschichtsschreibung weitgehend ignoriert worden. Erst in den letzten Jahren erlebte das Interesse an diesen Ereignissen eine Renaissance durch öffentliche Vorführungen und Diskussionen. Ein bemerkenswerter Fund von Fallschirmresten am Sulztalferner im August 2025 erinnerte an die Operation, die 80 Jahre im Gletscher verborgen war. Peter Pirker veröffentlichte zudem ein Buch mit dem Titel „Operation Greenup. Jüdische Agenten im Feindesland. Die Operation Greenup 1945“, das die Geschichte erneut ins Licht rückt.

Operation Greenup ist nicht nur eine Geschichte über Spionage und Widerstand, sondern auch ein Symbol für die Stärke und den Mut von Menschen, die in Zeiten größter Dunkelheit für Freiheit und Gerechtigkeit kämpften. Die Verknüpfung zwischen Brooklyn und Innsbruck, die unter dem Titel „Codename Brooklyn“ von der Jugend in Innsbruck positiv assoziiert wird, verdeutlicht, wie tief die Verbindungen zwischen diesen Städten und den Menschen, die dort lebten, sind. Die Erinnerungen an diese Zeit sind nicht nur Teil der Geschichte, sondern auch Teil des kollektiven Gedächtnisses Tirols und Österreichs.

Für weitere Informationen über die Operation Greenup und ihre Bedeutung können Sie den Artikel in unserem lokalen Wissenschaftsmagazin nachlesen.