Die Gassermühle in Imst ist nicht nur ein Ort der Tradition, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Geschichte der Müllerfamilie. Richard Gasser, 87 Jahre alt, erzählt von seinem Leben, das stark mit diesem Familienbetrieb, der seit 1898 besteht, verbunden ist. Geboren 1939 als erstes Kind von Agnes und Karl Gasser, war die Mühle über viele Jahre hinweg der Lebensmittelpunkt der Familie. Richard arbeitete dort unter harten Bedingungen: eine 6-Tage-Woche mit mindestens 10 Stunden täglich waren für ihn die Norm. Die Mühle verarbeitete Getreide für Bauern, Abnehmer und die Industrie und lieferte sogar an den Kapuzinerorden in Imst. [Quelle]
Mit 15 Jahren begann Richard eine Lehre als Müller in Innsbruck, wo er in der Berufsschule die ersten Schritte in die Welt des Müllerhandwerks machte. Zu Beginn seiner Laufbahn wurde mit Muskelkraft gearbeitet und 80-kg-Säcke befördert, doch bald schon kamen leichtere Papiersäcke zum Einsatz. Richard übernahm schließlich die Mühle, die zu einer der 30 in Tirol gehörte. Heute gibt es in der Region nur noch zwei Mühlen, die maschinell arbeiten und jährlich 70.000 Tonnen produzieren. Richard blickt auf ein erfülltes Leben voller harter Arbeit und Dankbarkeit zurück und hat seine Frau in ihren letzten Lebensjahren gepflegt. Er lebt nun mit Zufriedenheit und Besonnenheit und zeigt sich dankbar für die Gelegenheit, seine Geschichte zu teilen.
Der Beruf des Müllers: Wandel und Tradition
Der Beruf des Müllers hat sich über die Jahre stark gewandelt. Er umfasst heute die Herstellung von Mehl, Gewürzen, Pflanzenöl und Futtermitteln. In Deutschland wird der Müller seit dem 3. Mai 2017 offiziell als Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft bezeichnet, um den technologischen Anforderungen gerecht zu werden. Trotz dieser Modernisierungen bleibt der Beruf des Müllers tief in der Tradition verwurzelt. [Quelle]
In Deutschland gab es im Wirtschaftsjahr 2011/12 noch 260 Getreidemühlen, die über 500 Tonnen Getreide jährlich vermahlen. Die Mühlen produzieren in verschiedenen Arten, darunter Futtermühlen, Gewürzmühlen und Schälmühlen. Die Arbeitsabläufe sind weitgehend technisiert, was zu einem geringen Bedarf an Arbeitskräften führt. Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Müllerinnen und Müllern hoch. Die Anforderungen an diesen Beruf umfassen körperliche Belastbarkeit, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick. In Österreich wird die Ausbildung zum Müller durch eine Lehre oder an berufsbildenden höheren technischen Lehranstalten angeboten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Geschichte der Mühlen ist nicht nur eine Geschichte des Handwerks, sondern auch eine Geschichte des Wandels. Eine Untersuchung zum Wandel des Müllerberufs zeigt, dass viele Mühlen in der Region aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt oder nur noch für den Eigenbedarf genutzt werden. Die Verfasserin stellt die Frage nach der Überlebenschance des Handwerks und dokumentiert in ihrer Arbeit die Entwicklung der Mühlen im Laufe der Zeit. Themen wie Mühlenrecht, Tagesabläufe, der Einsatz neuer Technik und das Mühlensterben seit den 1960er Jahren werden behandelt. [Quelle]
Richard Gassers Geschichte und die Tradition der Gassermühle sind Teil dieses großen Wandels. Während viele Mühlen stillgelegt sind, bleibt die Gassermühle ein Symbol für die Beständigkeit und die Herausforderungen, die der Beruf des Müllers mit sich bringt. Trotz der sich verändernden Zeiten zeigt Richard, dass die Werte von harter Arbeit, Dankbarkeit und familiärer Verbundenheit auch heute noch von großer Bedeutung sind.