In Hall in Tirol sorgt eine besorgniserregende Entwicklung für Unmut unter den Anwohnern: Entlang des Spazierwegs „Pigar“ und in der Nähe von Spielplätzen sind rechtsextreme Schmierereien aufgetaucht. Eine Bürgerin meldete diese Schmierereien im September 2025, doch trotz ihrer Meldung sind die kruden Botschaften bis heute unverändert geblieben. Besonders auffällig ist eine großflächige Schmiererei am Stadion Haller Lend, die Hakenkreuze und rechtsextreme Sprüche, wie „Heil Hitler“ auf Freizeitsportgeräten, zeigt. Diese Vandalismus-Akte sind nicht nur an den Spielplätzen zu beobachten, sondern auch in der Nähe eines Sportplatzes und eines Containers des JAM – Mobiler Jugenddienst sowie mehrerer Outdoor-Fitnessgeräte.
Michael Neuner, der Leiter des Umweltamts der Stadt Hall, hat auf die Meldung reagiert und erklärt, dass sofort eine „Not-Entfernung“ durchgeführt wurde. Dennoch äußert er Besorgnis über den zunehmenden Vandalismus im Stadtgebiet, wo auch umgetretene Leuchten und gesprengte Müllkübel verzeichnet wurden. Trotz der bestehenden Möglichkeit, legale Wände für Graffiti zu nutzen, um den Anstieg illegaler Graffitis zu bremsen, bleibt das Problem bestehen. Manuela Pfohl, Gemeinderätin und Obfrau von JAM, sowie Serap Parlak, Leiterin des mobilen Jugendzentrums JAM, sind über die Situation informiert und arbeiten aktiv mit Jugendlichen daran, über das Problem zu sprechen und Lösungen zu finden.
Rechtsextremismus im Fokus
Ein weiteres Beispiel für die Zunahme rechtsextremer Schmierereien zeigt sich in Stuttgart, wo die Polizei einen 21-jährigen Tatverdächtigen ermittelt hat. Dieser steht im Verdacht, für mehrere Dutzend Sachbeschädigungen verantwortlich zu sein, die seit Sommer 2024 verübt wurden. Die Schmierereien in Stuttgart enthalten ebenfalls überwiegend rechtsextreme Inhalte und wurden unter anderem an Verteilerkästen, Trafohäuschen und sogar auf dem Gelände eines Kindergartens entdeckt. Im Juli 2024 wurden Graffiti am Umspannwerk am Nobileweg gemeldet. Um Beweise zu sichern, führte die Polizei eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Verdächtigen durch, bei der Beweismaterial beschlagnahmt wurde, das nun ausgewertet wird.
Die bundesweite Zunahme rechtsextremer Vorfälle und Schmierereien ist besorgniserregend. Politische und gesellschaftliche Krisen der letzten Jahre haben die kommunale Ebene stark belastet. Bürgermeister:innen und Gemeinderät:innen sehen sich häufig Anfeindungen und Protesten gegenüber, besonders im Zusammenhang mit Themen wie Asylunterkünften und Corona-Maßnahmen. Studien zeigen, dass 64% der Mandatstragenden 2020 Anfeindungen erfuhren, während in Großstädten sogar 79% der Bürgermeister:innen betroffen waren. Die Anfeindungen sind oft verbal und im digitalen Raum präsent. In den letzten fünf Monaten berichteten 38% der Mandatstragenden von Bedrohungen, was die Notwendigkeit von Unterstützungsmaßnahmen unterstreicht.
Notwendigkeit von Unterstützung
Die Bedrohungen betreffen nicht nur die Amtstragenden selbst, sondern auch ihre Familienangehörigen. 7-10% der Fälle betreffen Angehörige, was die psychologischen Belastungen verstärkt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist ein dringend benötigter Unterstützungsbedarf für kommunale Amtstragende erkennbar. Schutzkonzepte sollten sowohl institutionelle als auch strukturelle und soziale Maßnahmen umfassen, um die Sicherheit und das Wohlbefinden der Betroffenen zu gewährleisten. Programme wie „Stark im Amt“ und die bundesweite Ansprechstelle „Starke Stelle“ bieten bereits Unterstützung an.
Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen in Hall und anderswo ist es wichtig, sowohl auf die rechtsextremen Schmierereien selbst als auch auf die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme aufmerksam zu machen. Nur durch gemeinschaftliche Anstrengungen und Sensibilisierung können wir diesen Herausforderungen wirksam begegnen und ein sicheres Umfeld für alle Bürger:innen schaffen. Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie in den Quellen: MeinBezirk, Stuttgarter Nachrichten, und Bundeszentrale für politische Bildung.