Heute ist der 28.02.2026 und in Hall in Tirol stehen spannende Veranstaltungen bevor, die sich mit dem Leben und der Geschichte von Leokadia Justman beschäftigen. Die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“, die seit einem Jahr im Landhaus 1 zu sehen ist, hat bereits 5.400 Besucher angezogen. Diese Präsentation kombiniert künstlerische Beiträge mit wissenschaftlichen Vorträgen und ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Besonders bemerkenswert sind die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman, die freitags im Festsaal des Landhauses von 12 bis 17 Uhr zu hören sind.
Im Rahmen dieser Ausstellung sind mehrere Veranstaltungen im März 2026 geplant, die den Mut und den Überlebenswillen von Leokadia Justman würdigen. Am 12. März wird eine szenische Aufführung mit dem Titel „Brechen wir aus! Das Justman Projekt“ im Landhaus stattfinden. Diese Aufführung ist Teil des Osterfestivals Tirol und erzählt von Justmans bewegtem Leben als polnische Jüdin, die vor den nationalsozialistischen Vernichtungslagern flüchtete. Die Premiere dieser Produktion fand bereits am 19. Februar 2026 in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters statt.
Gedenkabend und Literarische Spurensuche
Am 19. März wird im Haller Kurhaus ein Gedenkabend zum 85. Jahrestag der NS-„Euthanasie“ stattfinden. Dieser Abend wird von der Theatergruppe „Blickwechsel“ mitgestaltet und umfasst einen Vortrag von Michael Wunder. Die systematische Mordaktion an geistig und psychisch beeinträchtigten Menschen begann vor 85 Jahren und betrifft 360 Opfer aus Hall. Anmeldungen für diese Veranstaltung sind bis zum 2. März 2026 erforderlich. Der Gedenkabend hat das Ziel, die Erinnerungskultur zu fördern und sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Eine weitere Veranstaltung ist die literarische Spurensuche im Brenner-Archiv am 26. März, die sich auf Helga Erdtmann (Anja Lundholm) und ihre Erfahrungen konzentriert. Diese verschiedenen Formate bieten eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den Themen Mut, Zivilcourage und Menschlichkeit, die Leokadia Justmans Geschichte prägen.
Die Lebensgeschichte von Leokadia Justman
Leokadia Justman wurde 1922 in Piątek geboren und wuchs in Łódź auf. Ihre Flucht vor den nationalsozialistischen Verfolgungen führte sie mit ihrem Vater Jakob, ihrer Freundin Marysia Fuchs und weiteren Verfolgten bis nach Innsbruck. Die Überlebensgeschichte basiert auf Justmans autobiografischen Aufzeichnungen, die posthum veröffentlicht wurden. Diese eindringlichen Berichte erzählen von ihrer Flucht aus dem Warschauer Ghetto, der Ermordung ihrer Mutter und der Denunziation, die zur Verhaftung durch die Gestapo führte. Besonders bemerkenswert ist, dass Justman nach dem Krieg als Sekretärin des Jüdischen Komitees in Innsbruck arbeitete und 1946 die erste jüdische Trauung in Tirol nach der NS-Zeit feierte.
Die musikalisch-szenische Lesung, die Teil des Projekts ist, wird von Kristoffer Nowak, Marion Reiser und einem Musikensemble unter der Leitung von Timna Brauer gestaltet. Die Darbietung folgt der Chronologie von Justmans Flucht und umfasst auch musikalische Beiträge, darunter Lieder auf Jiddisch und jüdische Gebete, die den emotionalen Gehalt der Geschichte unterstreichen.
Kooperationspartner und weiterführende Informationen
Die Veranstaltungen rund um die Ausstellung und die Ehrung von Leokadia Justman werden in Kooperation mit verschiedenen Institutionen organisiert, darunter die Landes Tirol, die Universität Innsbruck und das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck. Ziel ist es, durch diese Programme die Erinnerungskultur zu fördern und eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu ermöglichen.
Für weitere Informationen über das Programm und die Veranstaltungen besuchen Sie bitte die Webseite tirol.gv.at/erinnern. Dort sind alle Details zu den Veranstaltungen zu finden. Es ist eine Gelegenheit, sich mit einer wichtigen Geschichte auseinanderzusetzen, die sowohl Mut als auch Menschlichkeit thematisiert.