Der Winter in Tirol zieht viele Skifahrer, Snowboarder und Wanderer an. Doch während die verschneite Landschaft zu Abenteuern einlädt, lauern auch erhebliche Gefahren. So berichten nicht nur die Pistenunfälle und Schlägereien in Skiorten von den Herausforderungen, die Wintersportler bewältigen müssen, sondern auch die Gefahr von Lawinen. Ein Tiroler Bergführer schilderte in einem Facebook-Video einen lebensgefährlichen Vorfall aus seiner Vergangenheit: Vor etwa zehn Jahren wurde er von einer Lawine verschüttet und war acht Minuten unter dem Schnee – er überlebte diesen Vorfall „wie durch ein Wunder“. Dies verdeutlicht, wie schnell Wintersportler in Lebensgefahr geraten können.

Lawinen können in verschiedene Typen unterteilt werden. Staublawinen rasen mit über 80 km/h den Berg hinunter, während Lockerschneelawinen weniger gefährlich, aber dennoch mitreißend sind. Am gefährlichsten sind jedoch die Schneebrettlawinen, die für etwa 95% aller Lawinenunfälle mit Verletzungen oder Todesfolgen verantwortlich sind. Diese werden oft durch Menschen ausgelöst; bereits das Gewicht eines einzelnen Skifahrers kann ausreichen, um das Schneebrett ins Rutschen zu bringen. Wenn jemand von einer Lawine erfasst wird, befindet sich diese Person sofort in akuter Lebensgefahr. Die Risiken sind vielfältig: Ersticken unter der Schneemasse, schwere Verletzungen durch Aufprall auf Hindernisse und extreme Temperaturen, die die Atmung blockieren, sind nur einige davon. Zusätzlich kann es zu einer CO₂-Vergiftung kommen, wenn der Sauerstoffanteil im Atemraum abnimmt.

Überlebenschancen unter Lawinen

Die Überlebenschancen unter einer Lawine sind entscheidend. Acht Minuten unter einer Lawine sind bereits kritisch. Doch es gibt Hoffnung: Nach einer neuen Studie, die von Eurac Research in Bozen und Schweizer Notfallmedizinern durchgeführt wurde, liegt die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit nun nur noch bei 10 Minuten. In den ersten 10 Minuten kann die Überlebensrate bei etwa 90% liegen. Nach dieser Zeit sinken die Chancen drastisch – nach 20 Minuten liegen sie nur noch bei etwa 30%. Diese Erkenntnisse basieren auf der Analyse von 1643 „kritisch“ verschütteten Lawinenopfern zwischen 1981 und 2020. Es wird deutlich, dass die durchschnittliche Rettungszeit in den letzten 40 Jahren gesenkt wurde – von 45 auf 25 Minuten.

Vor allem die Kameradenhilfe hat sich als lebensrettend erwiesen. Die Wahrscheinlichkeit, ein verschüttetes Opfer durch Kameradenrettung zu bergen, ist dreimal so hoch wie bei späteren Rettungen durch organisierte Teams. Trotz der Fortschritte in der Rettungstechnik bleibt die Lawinenverschüttung ein lebensbedrohliches Risiko, das nicht unterschätzt werden darf.

Aktuelle Entwicklungen und Statistiken

Im Winter 2023/24 war die Situation in den Schweizer Bergen durch überdurchschnittlich viel Schnee geprägt. Die Zahl der Notfälle bei Skitourengehenden stieg auf 465, und die tödlichen Unfälle bei Skitouren erreichten mit 28 den höchsten Stand der letzten fünf Jahre. Im Jahr 2024 gab es in den Schweizer Bergen insgesamt 3570 Notfälle, was einen leichten Anstieg im Vergleich zu 2023 darstellt. Positiv zu vermerken ist die Rückgang der Todesfälle beim Bergwandern, die mit 36 den tiefsten Stand seit einem Jahrzehnt erreichten. Diese Entwicklungen zeigen, dass immer mehr Menschen die Risiken des Wintersports erkennen und sich versuchen, besser darauf vorzubereiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sicherheit im Wintersport nicht nur von persönlichem Wissen und Vorsicht abhängt, sondern auch von der richtigen Ausrüstung und einem soliden Verständnis für die Gefahren, die in den Bergen lauern. Hausschuhe an und raus in die Berge – aber immer mit dem nötigen Respekt und einer Portion Vorbereitung!

Für weitere Informationen zu den Risiken und Überlebenschancen von Lawinenopfern empfehlen wir den Artikel aus der Allgäuer Zeitung sowie die Studie von Berg und Steigen. Auch interessante Statistiken zur Lawinensituation in der Schweiz finden Sie in einem Bericht auf Alpin.de.