Am 18. Februar 2026 empfing die Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom eine albanische Delegation in der Grazer Burg. Angeführt wurde die Gruppe von Botschafter Fatmir Velaj, der nach seiner Flucht aus Albanien im Jahr 1991 nach Österreich kam und anfangs keine Deutschkenntnisse hatte. Während seines Aufenthalts in Österreich studierte Velaj an der Universität für angewandte Kunst in Wien und wurde später mit dem Titel „Professor“ sowie dem „Goldenen Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Republik Österreich“ ausgezeichnet. Der Anlass des Besuchs war die Enthüllung einer Gedenktafel für den albanischen Dichter Lasgush Poradeci (1899-1987), der rund zehn Jahre in Graz lebte, studierte und wirkte, insbesondere während der Zwischenkriegszeit. Auch Vertreter aus Poradecis Heimatstadt Pogradec waren Teil der Delegation.
In ihren Ansprachen betonte Khom die Bedeutung der historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zu den Staaten des Westbalkans. Im kommenden Jahr sind bereits Kooperationsgespräche mit der nordalbanischen Stadt Shkodra geplant, was die Ambitionen der Steiermark unterstreicht, ihre Beziehungen zur Region weiter zu vertiefen. Khom dankte den Vertretern Albaniens für den Austausch und bekräftigte die Wichtigkeit dieser Begegnungen zur Stärkung der regionalen Zusammenarbeit.
Westbalkan im Fokus
Die Steiermark verfolgt seit 2021 einen Westbalkanschwerpunkt, der darauf abzielt, die interregionale Zusammenarbeit und konkrete Projekte zu fördern. Im Rahmen dieser Initiative führte Khom auch Gespräche mit hochrangigen Vertretern aus Kroatien und Montenegro, darunter Kroatiens Botschafter Daniel Glunčić und der Gespan der Gespanschaft Međimurje, Matija Posavec. Diese Gespräche dienten dem Austausch über Entwicklungen in der Region und bestehenden Kooperationen.
Die Herausforderungen, mit denen der Westbalkan konfrontiert ist, reichen von einer fragmentierten Wahrnehmung bis hin zu Stereotypen, die oft das Wissen über diese kulturell vielfältige Region prägen. Geografisch gehört der Westbalkan zu Europa und umfasst Länder wie Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Die Region ist nicht nur für die Sicherheits- und Migrationspolitik der EU von Bedeutung, sondern sollte auch als integraler Bestandteil der europäischen Realität anerkannt werden.
Die Rolle der Wissenschaft und Kultur
Ein zentrales Problem ist der „Brain Drain“, der die wissenschaftliche Kooperation zwischen den EU-Staaten und dem Westbalkan erschwert. Sprachbarrieren und unzureichende Förderinstrumente der EU tragen weiter zur Isolation bei. Trotz dieser Herausforderungen zeigt die zweite Generation von Migranten, die oft in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien lebt, großes Interesse an ihren Wurzeln und reist häufig in die Heimatländer ihrer Eltern.
Der Tourismus im Westbalkan hat in den letzten Jahren stark zugenommen, insbesondere in Albanien, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Soziale Medien wie Instagram und TikTok erhöhen die Sichtbarkeit der Region, was sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Die Gefahr besteht, dass der Westbalkan als exotisches Reiseziel wahrgenommen wird, ohne die sozialen und politischen Kontexte zu berücksichtigen.
Insgesamt ist es von großer Bedeutung, dass lokale Stimmen und Perspektiven in den Diskurs über den Westbalkan einbezogen werden. Wissenschaftliche Kooperationen zwischen Städten, Universitäten und kulturellen Institutionen könnten neue europäische Nachbarschaften schaffen und dazu beitragen, Wissen über und aus dem Westbalkan zugänglich zu machen. Dies ist nicht nur für das Vertrauen und die Zusammenarbeit innerhalb Europas wichtig, sondern auch für die gemeinsame Entwicklung in der Region.