In der malerischen Gemeinde Thannhausen, wo sich die Straßen schmal und steil an die Hänge schmiegen, haben Beatrice Mild-Fuchs und ihr Mann Patrick ein bemerkenswertes Projekt in Angriff genommen. Das Paar kaufte 2020 ein Haus, das zuvor als „Messie-Haus“ bekannt war und zwei Jahre leer stand, für 215.000 Euro über die Plattform „willhaben“. Seit Januar 2021 sanieren sie das Anwesen in Eigenregie, ohne Architekt oder Baumeister. Diese Herausforderung haben sie mit viel Engagement und Herzblut gemeistert.
Die Sanierung war keine kleine Aufgabe. In elf Monaten füllten sie zwölf Schuttmulden und entfernten etwa hundert Kubikmeter Schutt händisch. Alte Elemente, wie die Treppe ins Obergeschoss, wurden erhalten, während der Wohn- und Essbereich mit einem beeindruckenden fünf Meter langen Fensterglas ausgestattet wurde. Auch ein Pool, der bei der Besichtigung nicht einmal sichtbar war, bekam eine zweite Chance, nachdem er von Müll befreit wurde. Beatrice, die ehemalige Karosseriebautechnikerin, hat sich mittlerweile zur Innendesignerin selbstständig gemacht und plant, ein eigenes Studio in der Weizer Innenstadt zu eröffnen. Sie und Patrick betonen, dass sie Normalverdiener sind und nicht das Teuerste benötigen, um etwas Schönes zu schaffen. Ihre Geschichte ist nicht nur inspirierend, sondern unterstreicht auch, wie viel Potenzial in Immobilien steckt, die unter schwierigen Bedingungen erworben werden.
Die Herausforderung „Messie-Haus“
Das Konzept des „Messie-Hauses“ ist in der Immobilienwelt bekannt. Diese Immobilien befinden sich oft in extrem unordentlichem und unwohnlichem Zustand, geprägt von Vermüllung, Schimmel und gesundheitsschädigenden Faktoren. Solche Objekte werden häufig zu einem Bruchteil ihres Marktwerts verkauft, was sie für Käufer attraktiv macht, die bereit sind, die nötigen Renovierungsarbeiten durchzuführen. Allerdings erfordert die Sanierung solcher Häuser hohe Investitionen, die Entrümpelung, Reinigung, Renovierung und eventuell sogar Schädlingsbekämpfung umfassen.
Die Diskussion über die Kostenverantwortung ist dabei komplex. Mieter, die als „Messie“ identifiziert werden, sind in der Regel für die Entrümpelungskosten verantwortlich. Eigentümer hingegen haften, wenn sie die Verunstaltung selbst verursacht haben oder nicht rechtzeitig aufgeklärt haben. Die Entrümpelungskosten für eine 50 m² große Messie-Wohnung liegen zwischen 2.500 und 7.000 Euro, abhängig vom Grad der Verunstaltung. Professionelle Entrümpelungsdienste werden häufig empfohlen, da sie die nötigen Dienstleistungen anbieten, um solche Immobilien wieder bewohnbar zu machen.
Energetische Sanierung und staatliche Förderung
Ein weiterer Aspekt, der bei der Sanierung von Immobilien, insbesondere älteren Häusern, berücksichtigt werden muss, ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Dieses Gesetz verpflichtet Eigentümer zur energetischen Sanierung in bestimmten Situationen, was nicht nur zur Senkung des Energieverbrauchs beitragen soll, sondern auch ein wichtiger Schritt im Klimaschutz ist. Bei Eigentümerwechsel haben neue Besitzer zwei Jahre Zeit für bestimmte Maßnahmen, wie die Dämmung der obersten Geschossdecke oder den Austausch alter Heizkessel.
Die Investitionskosten für solche energetischen Sanierungen können erheblich sein. Für umfassende Maßnahmen können zwischen 400 und 600 Euro pro m² Wohnfläche anfallen, was für ein Einfamilienhaus schnell auf 60.000 bis 90.000 Euro hinauslaufen kann. Es gibt jedoch staatliche Förderungen, die Eigentümern helfen können, diese Kosten zu bewältigen. Programme der KfW und BAFA bieten Kredite und Zuschüsse für energetische Sanierungen, sodass die finanziellen Belastungen gemindert werden können. Steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten seit 2020 kann zudem eine sinnvolle Entlastung darstellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Renovierung eines „Messie-Hauses“ wie das von Beatrice und Patrick nicht nur eine persönliche Herausforderung darstellt, sondern auch ein Beispiel für die Chancen ist, die sich in solchen Immobilien bieten. Obwohl die Kosten und die Verantwortung komplex sein können, zeigt die Geschichte dieser Familie, dass mit Entschlossenheit und Kreativität selbst die schwierigsten Projekte zu einem Schmuckstück werden können. Wer sich auf diese Reise begibt, kann nicht nur ein neues Zuhause schaffen, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Wohnqualität und zum Klimaschutz leisten.