Im Bezirk Voitsberg, einer malerischen Region in der Steiermark, wird der Mangel an Großtierärzten zunehmend zum Problem. Arthur Miloviz, der seit fast 40 Jahren als Nutztierpraktiker tätig ist und derzeit als Amtstierarzt bei der BH Voitsberg arbeitet, sieht die Herausforderungen der Branche hautnah. Ursprünglich begann er 1990 mit einer Praxis, in der er zusammen mit drei anderen Tierärzten arbeitete. Heute ist er der einzige verbliebene Tierarzt für Rinder in der Region. Diese Entwicklung spiegelt einen besorgniserregenden Trend wider, denn viele Betriebe existieren nicht mehr, und die Stallungen bleiben ungenutzt. Miloviz betreut einige Landwirte bereits über drei Generationen hinweg und ist in der Gemeinde bestens bekannt.
Die Vergütung für die Leistungen eines Tierarztes ist jedoch ein ständiger Streitpunkt. Für die künstliche Besamung erhält Miloviz lediglich 55 Euro vor Steuer, unabhängig von Anfahrtsweg und Nebenkosten. Auch die Schlachttieruntersuchung bringt ihm unter 65 Euro ein, trotz der häufigen Anfahrten und administrativen Aufgaben. Miloviz vergleicht diese Vergütung mit der eines Elektrikers, der für eine vergleichbare Dienstleistung 175 Euro verlangen kann. Ein weiteres Beispiel für die unzureichende Entlohnung ist eine Stellenanzeige für Rinderpraktiker, die mit nur 2.500 Euro brutto bei 40 Stunden pro Woche ausgeschrieben wurde. Diese Umstände machen es für Tierärzte nahezu unmöglich, eine Familie zu ernähren oder ein eigenes Haus zu bauen, was Miloviz in seiner Kritik an der Vergütung deutlich macht.
Die Gefahren des Tierarztmangels
Die Situation ist nicht nur auf Voitsberg beschränkt; der Tierarztmangel in der Nutztierpraxis wird als ernsthaftes Problem in vielen ländlichen Regionen Deutschlands angesehen. Die tierärztliche Versorgung von Rindern und Schweinen könnte in den kommenden Jahren gefährdet sein, was die Landwirtschaft und das Tierwohl ernsthaft betrifft. In Bayern wurde ein „Zukunftskonzept Landtierärzte“ entwickelt, das die Einführung einer Landtierarztquote plant, um diesem Problem entgegenzuwirken. Die Website tierarztmangel.de soll zudem Informationen und Forderungen zu diesem Thema verbreiten.
Eine Umfrage der Bundestierärztekammer aus Januar 2020 zeigt einen gravierenden Personalmangel in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung. Dies gefährdet nicht nur die tierärztliche Versorgung, sondern auch das Tierwohl und die Lebensmittelsicherheit. Ein Roundtable beim bpt-Kongress 2019 diskutierte bereits die Ursachen und Lösungsansätze für den Tierarztmangel auf dem Land.
Ursachen und mögliche Lösungen
Der Mangel an Tierärzten in ländlichen Gebieten ist ein komplexes Problem. Seit den frühen 2000er-Jahren zeigt sich ein zunehmender Rückgang der Tierärztinnen und Tierärzte in der DACH-Region, besonders in der Nutztierpraxis. Laut dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) sank die Zahl der niedergelassenen Tierärzte in Deutschland auf 11.437 im Jahr 2023. Gleichzeitig steigt die Zahl der angestellten Veterinärmediziner um 20 %. Diese Verschiebung hin zu besser planbaren Arbeitsmodellen ist für viele ländliche Praxen eine Herausforderung.
Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig: lange Arbeitszeiten, Not- und Bereitschaftsdienste, geringere Vergütung in der Nutztierpraxis sowie zunehmende Dokumentationspflichten und gesetzliche Vorgaben. Auch in den USA ist der Tierarztmangel ein Thema, das von der American Veterinary Medical Association (AVMA) aufgegriffen wird. Um dem entgegenzuwirken, werden in der DACH-Region Vorschläge gemacht, wie die Entwicklung flexibler Arbeitszeitmodelle, attraktive Arbeitsbedingungen sowie finanzielle Unterstützungen für Praxisgründungen.
Arthur Miloviz sieht seine Anstellung als Amtstierarzt als krönenden Abschluss seiner Berufslaufbahn und plant, weiterhin für die Bäuerinnen und Bauern im Bezirk da zu sein. Gleichzeitig ist er froh, dass seine Kinder andere Berufe gewählt haben und nicht in die Rinderpraxis eingestiegen sind. Die Herausforderungen, die sich in der Nutztierpraxis zeigen, bedürfen dringend einer Lösung, um eine flächendeckende tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten und somit das Tierwohl sowie die Landwirtschaft zu sichern. Die Politik und Berufsverbände sind gefordert, notwendige Maßnahmen zu ergreifen und bürokratische Hürden abzubauen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der umfassenden Quelle hier.