Der Bauernhof der Familie Unger in Gnas ist nicht nur ein Ort der Gastfreundschaft, sondern auch ein Paradebeispiel für Inklusion und soziale Verantwortung. Seit fast 50 Jahren, genauer gesagt seit der Gründung durch Maria und Alois Unger in den 1970er-Jahren, ist der Hof ein wichtiger Bestandteil der Südoststeiermark. Die Familie Unger war einer der ersten Betriebe, die unter der Marke „Urlaub am Bauernhof“ Zimmer anboten, und begrüßte 1977 ihren ersten offiziellen Gast. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Hof stetig weiterentwickelt: Er wurde viermal umgebaut und bietet heute 14 Gästezimmer sowie sechs Stellplätze für Camper. Im September 2023 wird der Betrieb sein 50-jähriges Bestehen feiern und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück, die mit viel Engagement und Herzblut geschrieben wurde. Quelle
Der Hof hat sich nicht nur auf den Tourismus spezialisiert, sondern arbeitet auch eng mit Bildungs- und Sozialorganisationen zusammen und ist Partner im Erasmus-Plus-Programm. Für das Jahr 2023 werden fünf Schulgruppen aus Europa am Hof erwartet. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Familie Unger für junge Menschen mit Beeinträchtigungen. Der Betrieb nimmt aktiv Jugendliche mit Hörschädigungen, Autismus und Gehbehinderungen auf und bietet Praktika in den Bereichen Hauswirtschaft, Küche sowie Garten- und Landschaftsbau an. Diese Initiativen sind Teil des umfassenden Konzepts, das den Hof zu einem anerkannten Praktikumsbetrieb macht.
Ein Ort der Inklusion
Eva und Alfred Unger, die den Hof derzeit leiten, haben sich seit rund 10 Jahren entschieden, ihr Leben und ihren Betrieb mit Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung zu teilen. Derzeit leben vier Personen mit Beeinträchtigungen am Hof, die die Möglichkeit erhalten, ein möglichst selbstständiges Leben zu führen. Sie profitieren nicht nur vom Familienanschluss, sondern können auch aktiv in die alltäglichen Abläufe am Hof eingebunden werden, etwa bei der Tierversorgung oder im Garten. Zudem bietet der Hof spezielle Urlaubsangebote für Menschen mit Behinderung an, die in Kooperation mit der Lebenshilfe in Österreich und Deutschland entwickelt wurden. Quelle
Der Hof besteht seit dem 17. Jahrhundert am Standort Gabersdorf und wird in naher Zukunft von Daniel und Anna-Lena Unger übernommen, die bereits jetzt in die Abläufe integriert werden. Die Familie Unger hat sich zudem dem Green-Care-Netzwerk angeschlossen, das soziale, pädagogische und therapeutische Angebote fördert und damit einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Gemeinschaft geht. Die Tiere auf dem Hof, darunter Esel, Hasen, Emus und Pfauen, werden nicht gezüchtet oder geschlachtet, was die Philosophie des Betriebs unterstreicht, die Natur und die Landwirtschaft zu respektieren und zu schützen.
Der ländliche Tourismus als Chance
Der Einfluss des ländlichen Tourismus ist enorm. In Bayern werden beispielsweise knapp 4.000 landwirtschaftliche Betriebe für den Urlaub auf dem Bauernhof genutzt, was zu über 10 Millionen Übernachtungen jährlich führt. Dieser Betriebszweig verbindet Landwirtschaft und Tourismus und fördert die Entwicklung im ländlichen Raum. Urlaub auf dem Bauernhof bietet nicht nur ein wichtiges Zusatzeinkommen für landwirtschaftliche Betriebe, sondern hat auch positive Wertschöpfungseffekte, die Risiken senken und die Betriebe stabilisieren. Quelle
Die Integration von Elektromobilität auf Urlaubshöfen und die barrierefreie Gestaltung von Ferienunterkünften sind weitere Schritte, um den wachsenden Anforderungen an nachhaltige Reiseoptionen gerecht zu werden. Immer mehr Campingbegeisterte wählen Bauernhöfe als Urlaubsziel, was für Betriebe wie den von Familie Unger eine wertvolle Einnahmequelle darstellt. Die Kombination aus traditioneller Landwirtschaft und modernen Tourismusangeboten ist eine vielversprechende Strategie für die Zukunft und zeigt, wie wichtig es ist, Tradition und Innovation zu verbinden.