In den letzten Jahren ist die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zunehmend in den Fokus gerückt. Aktuelle Berichte zeigen, dass in Österreich mehr als 20 bis 25 Prozent der Jugendlichen psychisch belastende Symptome aufweisen. Diese Symptome werden häufig bereits im Schulalltag sichtbar, weshalb es an der Zeit ist, frühzeitig zu handeln. Die Psychotherapeutin Ingrid Jagiello fordert daher, Psychotherapie direkt im Klassenzimmer anzubieten, um den Jugendlichen schnell und unkompliziert helfen zu können. Mit dem Projekt „fit4SCHOOL“ wird an Schulstandorten professionelle psychotherapeutische Beratung angeboten, die niederschwellig und kostenfrei ist. Lehrer können den Kontakt zu den Therapeuten anregen, Schüler und Eltern können sich direkt melden, um Unterstützung zu erhalten. [Quelle]

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass auch in Deutschland die Situation besorgniserregend ist. Rund 17% der Grundschulkinder zeigen auffällige psychische Befunde. Etwa ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland lebt mit einer psychischen Störung. Häufige Probleme sind Ängste, ADHS, Lernstörungen, Depressionen sowie Sucht- und Essstörungen. Besonders betroffen sind Kinder aus armutsgefährdeten Familien, die mit fast einem Drittel stärker belastet sind. Langfristige Folgen psychischer Störungen beginnen häufig bereits im Kindes- und Jugendalter, weshalb frühe Prävention entscheidend ist, um diese Folgen zu vermeiden. [Quelle]

Prävention und Unterstützung

Das Bundesjugendministerium in Deutschland hat verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken. So wurden Materialien zur Stressprävention für Kinder von 5 bis 10 Jahren gefördert. Anja von Kampen entwickelte mit der Figur Knietzsche ein Konzept, das einen Animationsfilm, ein Mini-Buch, einen Workshop und einen digital beschreibbaren Stundenplan umfasst. Diese Materialien sind kostenfrei und richten sich an Familien, Grundschulen und Institutionen, die mit Kindern arbeiten.

Zusätzlich hat das Bundesjugendministerium gemeinsam mit dem SOS Kinderdorf e. V. das Präventionsprogramm „Wir zusammen – SOS-Mental Health Peers“ ins Leben gerufen. Ziel dieses Programms ist es, Kinder, Jugendliche und Fachkräfte für psychische Gesundheit zu sensibilisieren. Ein Peer-to-Peer-Ansatz wird genutzt, bei dem Jugendliche Gleichaltrige unterstützen können. Belastete Kinder und Jugendliche haben außerdem die Möglichkeit, sich an die „Nummer gegen Kummer“ (116 111) zu wenden oder die Plattform „JugendNotmail“ für vertrauliche, kostenlose und datensichere Online-Beratung zu nutzen. [Quelle]

Gesellschaftliche Verantwortung

Die steigende Zahl psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen erfordert nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Maßnahmen. Prävention sollte bereits in Schulen beginnen, und der Zugang zu therapeutischer Hilfe muss verbessert werden. Es ist essenziell, strukturelle Veränderungen vorzunehmen, um soziale Ungleichheiten zu reduzieren und Familien zu unterstützen. Die Verantwortung liegt bei der gesamten Gesellschaft, um der Krise in der mentalen Gesundheit entgegenzuwirken. Ziel ist es, eine starke, resiliente junge Generation für eine gesunde Zukunft zu fördern. [Quelle]

Insgesamt zeigt sich, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland dringender Handlungsbedarf besteht, um die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Die Initiativen und Projekte, die bereits umgesetzt werden, sind ein Schritt in die richtige Richtung, doch es bedarf eines umfassenden gesellschaftlichen Engagements, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.