In der Region Murtal wird die Arbeit von Streetworkern immer wichtiger, da der Bedarf an Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen kontinuierlich steigt. Diese engagierten Fachkräfte stehen an der Schnittstelle zwischen der Gesellschaft und jenen, die oft am Rand stehen. Sie bieten nicht nur Unterstützung bei der Bewältigung von Drogenkonsum, psychischen Erkrankungen oder Gewalt, sondern tun dies auch kostenlos und vertraulich. Besonders in Zeiten, in denen die Mittel für Streetwork um 32% gekürzt wurden, ist ihre Rolle von entscheidender Bedeutung. Diese Kürzungen führen zu Schließungen von Anlaufstellen und Personalabbau, was die Situation für Hilfesuchende erschwert. In Knittelfeld sind die Streetworker Jasmin und Franz aktiv, während in Murau bereits eine Anlaufstelle geschlossen wurde und die in Judenburg ebenfalls vor der Schließung steht. Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich in einem Artikel der Kleinen Zeitung.

Streetworker verfolgen das primäre Ziel, Menschen zu einem selbstbestimmten und autonomen Leben zu verhelfen. Sie stärken Ressourcen, mindern gefährdende Lebenssituationen und zeigen Entwicklungschancen auf. Ihre Arbeit basiert auf den individuellen Bedürfnissen der Klienten, umfasst aber auch gemeinsame Aktivitäten wie Aufklärung und Beratung in aktuellen Lebenssituationen. Dazu gehören Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen wie Drogenmissbrauch und Hygienepraktiken sowie die Verteilung von Präventionsmaterialien wie sterile Spritzen und Kondome. Streetworker helfen darüber hinaus, psychische Belastungen zu reduzieren und bieten Unterstützung zur Veränderung der Lebenssituation an. Eine umfassende Förderung der Inanspruchnahme des Gesundheitsversorgungssystems ist ebenfalls Teil ihrer Aufgaben. Sie agieren als „Lotsen“, um passende Angebote zu finden und Ressentiments gegenüber Versorgungsangeboten abzubauen. Weitere Details zu den Aufgaben und Zielen von Streetwork sind auf der Webseite des Bioethik Zentrums zu finden.

Die Herausforderungen der digitalen Welt

Die Herausforderungen, vor denen Streetworker stehen, sind vielfältig und haben sich in den letzten Jahren durch die digitale Transformation verstärkt. Jugendliche und junge Erwachsene verbringen laut der JIM-Studie 2022 im Alter von 12 bis 19 Jahren durchschnittlich über 3,5 Stunden täglich im Internet. Diese digitalen Räume spielen eine zentrale Rolle in der Sozialisation, Identitätsbildung und im Informationsaustausch. Dies hat zur Entwicklung von Digital Streetwork geführt, einer Form der aufsuchenden Sozialarbeit, die speziell auf die Bedürfnisse von Jugendlichen zugeschnitten ist, die vorwiegend online erreichbar sind. Die ersten Ansätze dieser Form der Sozialarbeit wurden bereits in den frühen 2000er Jahren formuliert, während Christina Dinar den Begriff 2015 prägte. Joana Baumgarten ist seit 2021 als Digital Streetworkerin aktiv und bietet Unterstützung in sozialen Medien wie Instagram, TikTok und Discord an. Informationen zu dieser spannenden Entwicklung gibt es auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Themen, die in der digitalen Streetwork behandelt werden, reichen von psychischer Gesundheit über Schulprobleme bis hin zu familiären Schwierigkeiten und Beziehungsfragen. Digital Streetworker bieten ihre Hilfe sowohl in öffentlichen Kommentarspalten als auch in privaten Chats an. Die Notwendigkeit dieser Angebote ist besonders in Anbetracht der Auswirkungen der Corona-Lockdowns auf soziale Interaktionen evident, die zu einem Anstieg von Einsamkeit und Depressionen geführt haben. Transparenz und Freiwilligkeit sind Grundprinzipien dieser Arbeit, die sich auch Herausforderungen wie Datenschutz und Vertraulichkeit gegenübersieht. Während der Bedarf an Unterstützung in diesem Bereich wächst, ist es wichtig, überregionale und hybride Digital-Streetwork-Angebote zu entwickeln, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.