In der Steiermark hat die Landesregierung einen bedeutenden Schritt unternommen, um der Pflegekrise entgegenzuwirken. Mit dem „Masterplan Pflege Steiermark“ soll die Pflege zukunftssicher gestaltet und das Personal entlastet werden. Angesichts des steigenden Pflegebedarfs und einer schrumpfenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist dieser Plan mehr als notwendig. Bis 2050 wird die Zahl der Erwerbstätigen in der Steiermark voraussichtlich von 750.000 auf 680.000 sinken, während sich die Zahl der Hochbetagten über 85 Jahre von 40.000 auf 88.000 verdoppeln wird. Dies hat Landesrat Karlheinz Kornhäusl (FPÖ) als dringenden Handlungsbedarf hervorgehoben.

Der Masterplan sieht eine umfassende Ausarbeitung im gesellschaftlichen Dialog vor, mit einem besonderen Fokus auf den Ausbau mobiler Pflege- und Betreuungsdienste. Die jährlich geleisteten Stunden für mobile Pflege sollen von 1,35 Millionen auf 2,1 Millionen gesteigert werden, was eine Steigerung von über 50 % bedeutet. Außerdem sind 250 neue Plätze in der Tagesbetreuung geplant, und die Kapazitäten im betreuten Wohnen sollen von 1.700 auf mindestens 2.670 Plätze erhöht werden. Die Neuausrichtung der Pflegeheime zielt darauf ab, die Obergrenze für Pflegeheim-Betten bis 2030 auf 14.600 Plätze festzulegen, ohne jedoch die Schließung von Heimen zu forcieren. Stattdessen sollen Anreize für mobile und teilstationäre Angebote geschaffen werden. Diese Maßnahmen sind Teil eines größeren politischen Diskurses über die Zukunft der Pflege und den Personalschlüssel in Heimen.

Pflegebedürftigkeit in Deutschland

Die Herausforderungen, die der Masterplan in der Steiermark adressiert, spiegeln sich auch in der gesamten Bundesrepublik wider. Laut aktuellen Daten steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland rapide an. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird mit über sieben Millionen Pflegebedürftigen gerechnet. Aktuell sind rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, und 800.000 leben vollstationär in Pflegeheimen. Die Anzahl der Pflegebedürftigen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, und die Mehrheit ist älter als 60 Jahre. Diese demografische Entwicklung zwingt zu einem umfassenden Ausbau der Pflegeinfrastruktur, insbesondere im privaten Sektor, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken.

Die Pflegeversicherung, die 1995 eingeführt wurde, ist ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Sozialsystems. Sie sorgt dafür, dass sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte im Pflegefall abgesichert sind. Ab 2017 wurden die Pflegegrade 1 bis 5 eingeführt, um eine differenziertere Einstufung der Pflegebedürftigkeit zu ermöglichen. Trotz dieser Fortschritte sieht sich das deutsche Pflegesystem großen Herausforderungen gegenüber, insbesondere was die Überlastung der Pflegekräfte und die unterfinanzierten Einrichtungen betrifft. Über 115.000 Pflegekräfte fehlen derzeit, und die Tendenz ist steigend.

Demografischer Wandel und seine Folgen

Der demografische Wandel hat auch weitreichende Konsequenzen für die Pflege in Deutschland. Immer weniger Erwerbstätige stehen einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen gegenüber, insbesondere in der Altersgruppe über 80 Jahren. Der Druck auf die ambulanten Dienste wächst, da weniger Kinder in den Familien für die Pflege von Angehörigen zur Verfügung stehen. Viele Pflegekräfte arbeiten unter hohem Zeitdruck und leiden unter geringer Bezahlung sowie hoher körperlicher und psychischer Belastung. Der Zugang zu Pflegeleistungen gestaltet sich oft schwierig, da bürokratische Hürden viele Betroffene und Angehörige vor Herausforderungen stellen.

Die Lösung dieser komplexen Probleme erfordert ein Umdenken in der Pflegepolitik. Der Aufruf zur Anerkennung der Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Neugestaltung der Finanzierung und die Attraktivitätssteigerung der Pflegeberufe sind dringend notwendig. Zudem ist es wichtig, Angehörige zu entlasten und praktische Tipps für Betroffene bereitzustellen, um den Zugang zu notwendigen Pflegeleistungen zu erleichtern.

Mit dem Masterplan Pflege Steiermark und den parallelen Entwicklungen in Deutschland wird deutlich, dass sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene ein Umdenken in der Pflege notwendig ist. Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen für Verbesserungen sind es ebenso.

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