Heute ist der 15.04.2026 und die Region Liezen zeigt sich als ein Ort, an dem die Liebe zur Natur und zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern tief verwurzelt ist. In der Steiermark gibt es rund 55.000 Waldbesitzer, die sich um die Pflege und den Erhalt ihrer Wälder kümmern. Mehr als die Hälfte dieser Waldbesitzer hat Kleinwälder mit weniger als 200 Hektar in ihrem Besitz. Diese Wälder sind nicht nur ein wichtiger Teil der steirischen Landschaft, sondern auch eine wertvolle Ressource für die lokale Wirtschaft.
Der Großteil des steirischen Waldes gehört zu bäuerlichen und Forstbetrieben, die aktiv Holz ernten, neue Bäume pflanzen, den Bestand schützen und die Wege instand halten. Für viele Waldbesitzer ist der eigene Wald eine sichere, langfristige Investition, auch wenn die Verzinsung des eingesetzten Kapitals eher niedrig ist. Dennoch können sie Brennholz für den Eigenbedarf nutzen und durch Holzverkauf ein zusätzliches Einkommen generieren. Zudem bietet die Arbeit im Wald einen hohen Erholungswert und kann sogar Fitnessstudio-Besuche ersetzen.
Voraussetzungen für den Waldbesitz
Wer in Österreich Wald besitzen möchte, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört eine Ausbildung in Land- und Forstwirtschaft oder mindestens zwei Jahre praktische Tätigkeit in diesem Bereich. Privatpersonen müssen der Grundverkehrskommission nachweisen, dass sie das Grundstück ordnungsgemäß bewirtschaften können. In Österreich besteht zudem die Pflicht zur Bewirtschaftung von Wäldern. Größere Waldbesitzer beschäftigen oft eigenes Forstpersonal, während für private Nutzung auch kleinere Parzellen ausreichen können. Wenn es um die wirtschaftliche Nutzung geht, sollten jedoch größere Flächen von mindestens 200 Hektar erworben werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Wald als Erholungsgebiet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss, mit Ausnahmen für Aufforstungsflächen. Waldeigentümer haben die Möglichkeit, bis zu 5% ihrer Gesamtfläche (maximal 15 Hektar) für den Eigenbedarf zu sperren. Im Murtal gibt es einen Markt für Waldflächen, die über örtliche Makler oder interne Weitergaben verkauft werden. Größere Waldverkäufe ab Eigenjagdgröße werden hauptsächlich über spezialisierte Immobilienbüros abgewickelt. Weitere Informationen hierzu sind in der Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft Murtal erhältlich [Quelle].
Nachhaltige Bewirtschaftung und Biodiversität
Die Verbindung zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Erhalt naturschutzfachlich wertvoller Strukturen in Wäldern wird durch das Projekt KLEIBER untersucht. Eine Zusammenarbeit zwischen der Georg-August-Universität Göttingen und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt hat das Ziel, diese Aspekte zu vereinen. Unterstützt wird das Projekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe. Die zentrale Erkenntnis des Projekts ist die enge Wechselbeziehung zwischen den Zielen von Waldbesitzenden und den naturschutzfachlich wertvollen Strukturen in den Wäldern.
Im Rahmen einer Befragung von Kleinprivatwaldbesitzern in Niedersachsen wurden drei Haupttypen identifiziert: Multifunktional orientierte Waldbesitzer, die ökonomische und ökologische Ziele verfolgen, konventionelle Waldbesitzer, die sich auf die Holzproduktion konzentrieren, und naturschutzorientierte Waldbesitzer, die den Erhalt der naturschutzfachlich wertvollen Strukturen priorisieren. Das Projekt empfiehlt Anreize zur naturschutzorientierten Bewirtschaftung, insbesondere für konventionelle Waldbesitzer, und entwickelt Methoden zur Erfassung naturschutzfachlich relevanter Strukturen in Kleinprivatwäldern [Quelle].
Ausblick und Bedeutung für die Region
Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern spielt eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Biodiversität und die Förderung ökologischer Werte. In Österreich, wo 43% der Waldfläche privat ist und 43% davon von Waldbesitzenden mit weniger als 20 Hektar bewirtschaftet werden, ist die Sensibilisierung für naturschutzorientierte Maßnahmen von großer Bedeutung. Die Ansätze des Projekts KLEIBER sind bundesweit übertragbar und sollen eine nachhaltige Nutzung der Wälder gewährleisten, ohne die naturschutzfachlichen Werte zu gefährden.
In der Region Liezen, die reich an Wäldern ist, wird die Kombination aus wirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance gesehen. Durch gezielte Programme und den Austausch zwischen Waldbesitzern, Naturschutzbehörden und Forstexperten kann die Region beispielhaft für andere Gebiete in Österreich werden.