In der Region Liezen brodelt es gewaltig. Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung steht auf der Kippe, insbesondere am Standort Bad Aussee. Laut einem aktuellen Bericht wurde der Stopp sämtlicher geplanter Operationen durch die KAGes bereits beschlossen, was zu einem erheblichen Mangel an qualifizierter Spitalsversorgung führt. Die Situation wird durch die bevorstehenden Landtagswahlen im Jahr 2024 weiter angeheizt, in deren Zuge die Oppositionsparteien, insbesondere die FPÖ, versprochen hatten, sämtliche Spitalsstandorte in der Region zu erhalten. Doch über ein Jahr nach der Wahl bleiben diese Versprechen unerfüllt, was zur faktischen Schließung von eineinhalb Spitalsstandorten führt.
Ein besonders kritischer Punkt ist die Schließung des LKH Bad Aussee im April, wodurch Betten nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Der Ausbau des Standorts Rottenmann wurde gestoppt und es herrscht Unklarheit über die Übersiedelung der Akutgeriatrie von Rottenmann nach Bad Aussee. Zudem gibt es vage Ankündigungen zur ambulanten Versorgung im Ausseerland und keine tragfähige Vereinbarung mit Bad Ischl. Das Diakonissen-Krankenhaus in Schladming wird von 100 auf etwa 50 Betten reduziert, während Abteilungen wie Gynäkologie und Allgemeinchirurgie wegfallen. Die Kritik an der Landesregierung wird lauter, da der massive Schaden an der Gesundheitsversorgung im Bezirk nicht zu übersehen ist. Experten fordern einen Rückblick auf den ursprünglichen Plan A, das Leitspital Klinikum Stainach, das als bessere Lösung bestätigt wurde.
Neuer Ansatz zur Spitalsstruktur
Im Auftrag der Landesregierung hat eine Expertenkommission nun eine Lösungsvariante für die Spitalsstruktur im Bezirk Liezen entwickelt. Hierbei wird das Ziel verfolgt, eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und die Standorte Rottenmann, Bad Aussee und Schladming aufrechtzuerhalten. Die Kommission hat die Aufgabe, ein Alternativkonzept zu erarbeiten, nachdem das Projekt „Leitspital Region Liezen“ von der neuen FPÖ-ÖVP-Landesregierung im Januar auf Eis gelegt wurde. Die aktuellen Auslastungsdefizite in den Spitälern machen eine Reform unumgänglich.
Im Jahr 2022 war die Ambulanz der Internen Abteilung Bad Aussee nur zu 0,8 Patienten pro Nacht ausgelastet, und die Chirurgie war lediglich zu 60% ausgelastet. Auch in Schladming waren nur ein Fünftel der Betten belegt, während die Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Bad Aussee 2023 nur zu 19% ausgelastet waren. Die Expertenkommission arbeitet an einem „Spitalsnetz Bezirk Liezen“, das medizinische Schwerpunkte und Kooperationen vorsieht, um die Versorgung zu verbessern. Geplante Schwerpunkte umfassen eine neue Abteilung für Orthopädie und Traumatologie in Rottenmann sowie eine ambulante Versorgung für Kinder und Jugendliche.
Kontext der Gesundheitsreform
Die Herausforderungen im Spitalswesen stehen im Rahmen einer umfassenden Gesundheitsreform in Österreich, die die größte Strukturreform seit Jahrzehnten darstellt. Ziel dieser Reform ist es, eine hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen und die Probleme im Gesundheitssystem zu bekämpfen. Die Reform wird im Kontext des Finanzausgleichs verhandelt, der die Aufteilung der Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden regelt. Der Bund stellt bis 2028 jährlich über 2 Milliarden Euro für Gesundheit und Pflege bereit, was insgesamt zu 14 Milliarden Euro für diese Bereiche führt.
Die Kernpunkte der Gesundheitsreform beinhalten nicht nur Strukturreformen in den Spitälern, sondern auch eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs, den Ausbau digitaler Angebote sowie Programme zur Gesundheitsförderung und Vorsorge. Angesichts der alternden Gesellschaft und der steigenden Anforderungen an die Gesundheitsversorgung ist diese Reform dringend erforderlich, um die langfristige Versorgungsqualität zu sichern. In diesem Kontext sind auch die Pläne für die Spitalsstruktur im Bezirk Liezen zu sehen, die auf eine Verbesserung der Patientenströme und höhere Auslastung abzielen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob die Forderungen nach einer transparenten und effektiven Gesundheitsversorgung in Liezen erfüllt werden können. Die Bevölkerung erwartet nicht nur Versprechen, sondern Taten, die eine nachhaltige Verbesserung der medizinischen Versorgung sicherstellen.