In den letzten Jahren hat der Bezirk Liezen, insbesondere das Ennstal, einen bemerkenswerten Trend zu verzeichnen: Viele junge Menschen ziehen nach dem Schulabschluss oder der Lehre in die Stadt, vorzugsweise nach Graz. Diese Abwanderung hat zur Folge, dass der Bezirk zwar einen leicht positiven Wanderungssaldo aufweist, jedoch nur durch Zuzüge aus dem Ausland. Innerhalb Österreichs verliert Liezen kontinuierlich an Bevölkerung, vor allem in Richtung Graz und stadtnahe Regionen. Der Wunsch nach Selbstständigkeit und neuen Erfahrungen sowie das vielfältige Studienangebot in den Städten sind maßgebliche Gründe für diese Entwicklung. Laut der Wanderungsstatistik der Landesstatistik Steiermark gab es 2023 ein Minus von 329 Personen bei Binnenwanderungen.

Die Situation ist jedoch nicht einheitlich. Während viele junge Menschen die Region verlassen, gibt es auch Stimmen, die für ein Verweilen oder eine Rückkehr in die Heimat plädieren. So hat sich der Lehrling Florian K. entschieden, in der Region zu bleiben, um Familie, Freunde und die hohe Lebensqualität zu erhalten. Auch Vivien G. kehrte nach ihrem Studium zurück, da ihr die Nähe zur Natur und zu ihrer Familie wichtig ist. Diese Rückkehrer betonen die Bedeutung von Jobs, Mobilität, leistbarem Wohnraum und Perspektiven als entscheidende Faktoren für das Verweilen in der Region.

Die Herausforderungen des Arbeitsmarktes

Die Wirtschaftskammer des Bezirks weist auf einen strukturellen Fachkräfteengpass hin, der trotz niedriger Arbeitslosigkeit und offener Stellen besteht. Besonders auffällig ist, dass die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Jugendlichen unter 25 Jahren bis 2025 um 3,2 Prozent gesunken ist. Brigitte Wasmer vom AMS Liezen beschreibt den Arbeitsmarkt als stabil, merkt jedoch an, dass viele Jugendliche mit den vorhandenen Möglichkeiten überfordert sind. Dies könnte ein weiterer Grund dafür sein, dass junge Menschen in die Städte abwandern, wo sie oft mehr Optionen und Unterstützung finden.

Ab 2025 wird die Wanderungsstatistik durch die Cell-Key-Methode ergänzt, die ein datenveränderndes Geheimhaltungsverfahren darstellt. Diese Methode sorgt dafür, dass Fallzahlen leicht modifiziert werden, um die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen. Die Erfassung der Wanderungsstatistik erfolgt gemäß dem Bundesmeldegesetz und umfasst alle innerdeutschen Umzüge über Gemeindegrenzen sowie Zu- und Fortzüge ins Ausland. Dabei wird jeder Um-, Zu- und Fortzug gezählt, was eine detaillierte Analyse der Mobilität der Bevölkerung ermöglicht.

Ein Blick auf die Migration

Die Verlegung des Wohnsitzes einer Person wird als Wanderung bezeichnet. Dabei wird zwischen internationaler Migration, die die Überschreitung einer Staatsgrenze umfasst, und interner Migration, also Wohnsitzwechsel innerhalb Österreichs, unterschieden. Die Binnenwanderungen umfassen „Binnenumzüge“, bei denen der Wohnsitz innerhalb einer räumlichen Einheit verlegt wird, ohne dass administrative Grenzen überschritten werden. Seit 2002 basiert die Wanderungsstatistik auf An- und Abmeldungen von Hauptwohnsitzen im Zentralen Melderegister (ZMR), was eine statistische Erfassung aller Wohnsitzwechsel aus dem Ausland nach Österreich und umgekehrt ermöglicht.

Die aktuellen Entwicklungen im Bezirk Liezen zeigen, dass die Abwanderung junger Menschen in die Städte eine Herausforderung darstellt, aber auch Potenzial für Rückkehrer bietet, die die Vorzüge ihrer Heimat schätzen. Um die Attraktivität der Region zu steigern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität und der Arbeitsbedingungen unumgänglich. Nur so kann das Ennstal langfristig seine Jugend halten und die demografischen Herausforderungen meistern.