Am 15. Februar 2026 fand auf dem Vorplatz des Leobener LCS eine bedeutende Gedenkkundgebung der SPÖ-Regionalorganisation Leoben-Eisenerz statt. Dieser Anlass war besonders, da er 92 Jahre nach den Februarkämpfen von 1934 begangen wurde. Die Veranstaltung würdigte den Sozialdemokraten Koloman Wallisch, der sich für Gerechtigkeit und gegen die Spaltung der Gesellschaft einsetzte. Wallisch wurde 1934 vom Dollfuß-Regime gefasst und am 19. Februar 1934 hingerichtet. Die Gedenkveranstaltung sollte nicht nur das Andenken an ihn lebendig halten, sondern auch ein starkes Zeichen gegen das Vergessen setzen und die Bedeutung von Freiheit und Demokratie betonen. Redner der Veranstaltung waren die 3. Landtagspräsidentin Helga Ahrer sowie Kulturreferent Johannes Gsaxner.
Die Gedenkfeier wurde von musikalischen Beiträgen des Bläserensembles der Bergkapelle Leoben-Seegraben und dem Werks-Chor Donawitz umrahmt. Ein emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung war die Kranzniederlegung für die Opfer des Widerstands von 1934. Diese Zeremonie erinnerte an die vielen Menschen, die in den Kämpfen um Freiheit und Gerechtigkeit ihr Leben verloren.
Das Leben von Koloman Wallisch
Koloman Wallisch wurde als Sohn einer Familie Banater Schwaben im ungarischen Teil der Habsburgermonarchie geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters musste er die Volksschule abbrechen und begann im Alter von 11 Jahren eine Maurerlehre. Sein Engagement in der Arbeiterbewegung begann 1905 mit dem Eintritt in die Gewerkschaft und der Mitarbeit in der ungarischen sozialdemokratischen Partei (SZDP). Nach seiner Lehre reiste er als Wandergeselle durch die österreichische Monarchie und Deutschland.
Während des Ersten Weltkriegs diente Wallisch in der k.u.k. Armee und lernte in dieser Zeit seine spätere Frau, Paulina Pinter, kennen. Nach dem Ende des Krieges und der chaotischen Auflösung der Armee kehrte er ins Banat zurück, wo er begann, sozialdemokratische Vertrauensleute zu organisieren. Wallisch wurde bald zu einem führenden Akteur in der ungarischen Räterepublik, die als Reaktion auf die politischen Umwälzungen in Europa entstand. Er rief die Diktatur des Proletariats aus und versuchte, die Interessen der Arbeiter zu vertreten.
Die Februarkämpfe und ihr Erbe
Die Februarkämpfe von 1934 in Österreich waren ein Wendepunkt in der Geschichte des Landes, mit etwa 400 Toten, darunter auch Wallisch. Diese Auseinandersetzungen, die am 12. Februar 1934 in Linz begannen, waren das Resultat eines Konflikts zwischen den Sozialdemokraten und den Christlich Sozialen. Wallisch, damals Landesparteisekretär der SP in der Steiermark, erhielt Anweisungen zur Bewaffnung des sozialdemokratischen Schutzbundes. Trotz seiner Bedenken hinsichtlich der Aussichtslosigkeit des Kampfes versuchte er, den Widerstand zu organisieren.
Die Kämpfe endeten schließlich mit der Ausschaltung der Demokratie in Österreich und dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wallisch wurde am 18. Februar 1934 verhaftet und, nachdem er seine letzte Worte „Es lebe die Sozialdemokratie! Hoch! Freiheit!“ sprach, am 19. Februar hingerichtet. Nach seinem Tod wurde er anonym beigesetzt, doch sein Grab entwickelte sich bald zu einer Pilgerstätte. Spätere Gedenktafeln und Denkmäler in mehreren Städten, darunter Tulln, Krems und Wien, würdigen sein Vermächtnis und seine Bedeutung für die Freiheit und Demokratie.
Für viele bleibt Koloman Wallisch eine Symbolfigur des Widerstands gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Seine Geschichte wird nicht nur in Gedenkveranstaltungen wie der heutigen lebendig gehalten, sondern auch in literarischen Werken von Autoren wie Anna Seghers und Bertolt Brecht. Die Gedenkkultur, die um seine Person errichtet wurde, ist ein wichtiger Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses Österreichs und erinnert uns daran, wie wertvoll Freiheit und Demokratie sind.