In Leoben haben zwei engagierte Schülerinnen der HLW Leoben, Lena Walchhütter und Victoria Winterheller, im Rahmen ihrer Diplomarbeit einen bemerkenswerten Audioguide zu den Stolpersteinen der Stadt entwickelt. Ziel dieses Projekts ist es, die Geschichten und Schicksale der NS-Opfer in Leoben für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Audioguide bietet nicht nur eine informative Reise durch die Stadt, sondern auch einen emotionalen Zugang zu den Schicksalen, die hinter den Stolpersteinen stehen.

Auf einer eigens erstellten Webseite können Interessierte die Standorte der Stolpersteine einsehen und die Biografien der Opfer anhören oder lesen. Besonders eindrucksvoll war die Präsentation des Audioguides in Form einer „Von-Schüler-für-Schüler-Tour“, die rund 30 Jugendliche der HLW Leoben in die Geschichte der betroffenen Menschen einführte. Diese Initiative schafft eine barrierearme und leicht zugängliche Informationsquelle über die Leobener Opfer des Holocausts und wird von den Lehrerinnen Martina Passath (Geschichte) und Barbara Holzer (Projektmanagement) betreut. Die Inspiration für das Projekt kam durch einen Bericht eines Hinterbliebenen-Zeitzeugen sowie einen Ausflug zu Stolpersteinen in Graz.

Der Audioguide und seine Inhalte

Der Audioguide umfasst 26 Stolpersteine in Leoben und erzählt die Geschichten von Leobenerinnen und Leobenern, die während des NS-Regimes verfolgt wurden. Die Audiodateien berichten über tragische Schicksale, darunter Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, und jüdische Familien, die durch Flucht überlebten. Viele der Opfer verloren ihr Leben in Arbeitslagern, Ghettos oder Konzentrationslagern. Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt zur Erinnerung und zur Aufarbeitung der Geschichte, die für viele noch immer schmerzlich ist.

Die Stolpersteine selbst sind Teil eines internationalen Kunst- und Erinnerungsprojekts des Kölner Künstlers Gunter Demnig. In Europa wurden mittlerweile über 100.000 Gedenksteine verlegt, die an Menschen erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert, ermordet oder vertrieben wurden. Diese quadratischen Steine, die mit Messingtafeln versehen sind, werden am letzten Wohnort der Opfer platziert, um ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Ein Beispiel für einen solchen Stolperstein ist der von Esther Glanz, geb. Buchen, die 1942 deportiert und in Majdanek ermordet wurde.

Ein wichtiges Projekt für die Erinnerungskultur

Die Stolpersteine sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen Nachbarländern zu finden, mit über 1.800 Kommunen, die an diesem Projekt teilnehmen. In Hamburg gibt es allein 7.000 Stolpersteine, und in Berlin sind es über 9.300. Diese Gedenksteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt und erinnern nicht nur an die ermordeten Juden, sondern auch an die Überlebenden des Holocaust. Gemeinsam mit den jährlichen Gedenkaktionen, die oft am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, stattfinden, sind sie ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in Deutschland und Österreich.

Das Projekt der Schülerinnen aus Leoben ist ein wertvoller Beitrag zu dieser Erinnerungskultur und zeigt, wie junge Menschen die Geschichte aktiv aufarbeiten und bewahren können. Durch ihre Arbeit leisten Lena Walchhütter und Victoria Winterheller einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung über die dunklen Kapitel unserer Geschichte und zur Förderung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Weitere Informationen zu den Stolpersteinen und dem Audioguide können auf der Webseite der Schülerinnen gefunden werden, die hier verlinkt ist: Kleine Zeitung.

Für Interessierte, die mehr über die bewegenden Schicksale der Holocaust-Opfer erfahren möchten, gibt es auch eine umfassende Übersicht auf Mein Bezirk.

Es ist zu hoffen, dass Initiativen wie diese in Zukunft verstärkt unterstützt werden, um die Erinnerungen lebendig zu halten und die Lehren der Geschichte an kommende Generationen weiterzugeben.