In Leoben wird Geschichte lebendig gemacht: Eine neue Audioguide-Tour zu den 26 Stolpersteinen der Stadt, erstellt von Lena Walchhütter und Victoria Winterheller im Rahmen ihrer Diplomarbeit, bietet interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, in die bewegenden Schicksale der Holocaust-Opfer einzutauchen. Die Tour, die von rund 30 Jugendlichen der HLW Leoben begleitet wird, ermöglicht es den Teilnehmenden, durch einen QR-Code auf eine Karte zuzugreifen und die Geschichten der Opfer anzuhören. Ziel dieser Initiative ist es, barrierearme, leicht zugängliche und korrekte Informationen über die Leobener Opfer des Holocausts bereitzustellen.
Die Projektbetreuung liegt in den Händen von Lehrerinnen Martina Passath (Geschichte) und Barbara Holzer (Projektmanagement). Inspiriert wurden Walchhütter und Winterheller durch die Erzählungen eines Hinterbliebenen-Zeitzeugen sowie einen Ausflug zu Stolpersteinen in Graz. Die Audiodateien erzählen das Leben von 36 Leobenerinnen und Leobenern, die während des NS-Regimes verfolgt wurden, und beleuchten tragische Schicksale, wie das von Kindern, die von ihren Eltern getrennt wurden, und jüdischen Familien, die durch Flucht überlebten. Viele dieser Opfer starben in Arbeitslagern, Ghettos oder Konzentrationslagern.
Stolpersteine als Zeichen des Gedenkens
Stolpersteine sind ein internationales Kunst- und Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig, das 1992 ins Leben gerufen wurde. Diese etwa 10 cm großen Betonwürfel mit Messingschildern, die die Namen und Lebensdaten der Opfer tragen, werden am letzten Wohnort der Betroffenen verlegt, um ihnen Ehre zu erweisen. In Deutschland und darüber hinaus, in insgesamt 29 weiteren europäischen Ländern, sind inzwischen über 100.000 Stolpersteine verlegt worden. Sie sind das größte dezentrale Denkmal der Welt.
Stolpersteine gedenken nicht nur jüdischen Opfern des Holocaust, sondern auch Sinti und Romani, Polen, Homosexuellen, behinderten Menschen, Zeugen Jehovas und vielen anderen, die unter dem NS-Regime verfolgt wurden. Die Installation erfolgt in der Regel an den letzten frei gewählten Wohnorten, Arbeits- oder Studienplätzen der Opfer. Der Name „Stolpersteine“ spielt auf ein antisemitisches Sprichwort aus der Zeit des Nationalsozialismus an und suggeriert, dass man über die Schicksale der Opfer stolpert, während man sich im Alltag bewegt.
Gemeinschaftliches Engagement und Erinnerungskultur
In Leoben und vielen anderen Städten wird das Erinnern an die Opfer aktiv gefördert. Putz-Aktionen, die am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, stattfinden, sind Teil dieser Bemühungen. Auch der internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird genutzt, um der mehr als sechs Millionen ermordeten Juden zu gedenken. Die Stolpersteine, die in den letzten Jahren in Leoben verlegt wurden, sind nicht nur Gedenksteine, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Erinnerungen der Opfer wachzuhalten.
Die Initiative von Walchhütter und Winterheller ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Mit ihrer Audioguide-Tour tragen sie dazu bei, dass die Geschichten der Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Die Stolpersteine und die damit verbundenen Erzählungen sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte und erinnern uns daran, die Vergangenheit zu bewahren und die Lehren daraus für die Zukunft zu ziehen.
Wer mehr über die Stolpersteine erfahren möchte, kann sich auf der Wikipedia-Seite oder auf der NDR-Website informieren. Diese Plattformen bieten wertvolle Einblicke und Hintergrundinformationen zu einem der bedeutendsten Erinnerungsprojekte der Nachkriegszeit.