In der Region Leibnitz ist das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen von drängender Relevanz. Natascha Bergler, Geschäftsführerin der Frauen- und Mädchenberatungsstellen Freiraum Leibnitz und Arnfels, ist täglich mit den Sorgen und Nöten von Frauen konfrontiert. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März gab sie ein aufschlussreiches Interview, in dem sie den Feminismus als Verantwortung definiert. Ihrer Meinung nach bedeutet es, hinzuschauen, zu handeln und Frauen Sicherheit zu garantieren. Sie betont, dass solange Frauen von Gewalt betroffen sind, Gleichstellung nicht erreicht werden kann.
In Österreich ist jede dritte Frau ab 15 Jahren von Gewalt betroffen. Bergler macht deutlich, dass Gewalt nicht irgendwo, sondern mitten unter uns passiert. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass Betroffene geglaubt werden. Oft beginnt Gewalt mit Kontrolle, Abwertung und schleichender Isolation. Die Beratungsstellen bieten daher Unterstützung, Begleitung und verschiedene Projekte zu Gewaltschutz und Gewaltprävention an. Besonders erwähnenswert ist das Projekt „Luisa ist hier!“, das sichere Orte für Frauen und Mädchen beim Fortgehen schafft.
Gewalt gegen Frauen im internationalen Kontext
Die Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt ist jedoch nicht nur in Österreich ein Thema. Aktuelle Statistiken aus Deutschland zeigen einen besorgniserregenden Anstieg dieser Gewaltform. Laut dem BKA-Lagebild 2023 stiegen frauenfeindliche Straftaten um 56,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Häusliche Gewalt nahm um 5,6 % zu, während sexualisierte Gewalt um 6,2 % und digitale Gewalt um 25 % angestiegen sind. Im Jahr 2023 wurden 360 Frauen Opfer eines Femizids, was einen Zuwachs von 1 % bedeutet. Experten schätzen täglich 2-3 mögliche Femizide in Deutschland. Diese Zahlen verdeutlichen den weit verbreiteten Frauenhass in unserer Gesellschaft und die Notwendigkeit, das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen auszubauen.
In Deutschland existieren bereits Gesetze wie das Gewaltschutzgesetz und das Gewalthilfegesetz, die den Schutz von Frauen gewährleisten sollen. Das Hilfesystem umfasst rund 400 Frauenhäuser und über 40 Schutzwohnungen mit mehr als 6.000 Plätzen. Dennoch berichten Experten von einem Mangel an Schutzplätzen und einer unzureichenden Berücksichtigung von Partnerschaftsgewalt durch Ämter und Polizei.
Gesetzliche Maßnahmen für besseren Schutz
Das Gewalthilfegesetz, das am 27. Februar 2025 verkündet wurde und am 28. Februar 2025 in weiten Teilen in Kraft trat, zielt darauf ab, ein Hilfesystem zu schaffen, das schützt, interveniert und präventiv tätig wird. Es wird eine Verpflichtung der Länder zur Bereitstellung eines flächendeckenden Netzes an Schutz- und Beratungsangeboten geben. Ab dem 1. Januar 2032 haben Frauen mit Kindern, die von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt betroffen sind, einen Rechtsanspruch auf Unterstützung ohne vorherige Strafanzeige oder Gerichtsverfahren.
Die Schaffung von Mindeststandards für Schutzeinrichtungen und Fachberatungsstellen soll die Qualität des Hilfesystems weiter verbessern. Zudem ist eine öffentliche Finanzierung des Hilfesystems durch die Länder, unterstützt vom Bund mit etwa 2,6 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren ab 2027, geplant. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um Frauen, die unter Gewalt leiden, adäquat zu unterstützen.
Am 9. März 2026 wird im Dieselkino Leibnitz eine Filmvorführung von „Ein Tag ohne Frauen (The Day Iceland Stood Still)“ stattfinden. Der Film behandelt den historischen Streik von 1975 in Island, bei dem 90 Prozent der Frauen streikten. Die Veranstaltung, die um 18 Uhr mit einem Come Together beginnt, zielt darauf ab, aktuelle Fragen rund um Gleichstellung, Care-Arbeit und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu machen. Der Eintritt erfolgt gegen freiwillige Spende.
Insgesamt ist es von höchster Wichtigkeit, dass wir als Gesellschaft uns der Probleme bewusst werden und aktiv gegen Gewalt an Frauen vorgehen. Die Berücksichtigung von individuellen Bedürfnissen, insbesondere von mehrfachdiskriminierten Frauen, ist entscheidend, um ein effektives Hilfesystem zu etablieren und echte Veränderungen herbeizuführen. Nur durch das gemeinsame Handeln können wir erreichen, dass Frauen in unserer Gesellschaft die Sicherheit und Gleichheit erhalten, die ihnen zusteht.