Es begann an einem gewöhnlichen Morgen in Hönigtal, als eine 36-jährige Lenkerin aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld gegen 9.30 Uhr mit ihrem Motorroller in Fahrtrichtung Graz unterwegs war. Plötzlich kam es zu einem folgenschweren Sturz, als ein Hase die Fahrbahn kreuzte. Der Unfall, der leider schwere Verletzungen für die Motorradfahrerin mit sich brachte, zeigt erneut die Gefahren auf, die durch Wildtiere im Straßenverkehr entstehen können. Wie 5min.at berichtet, schob die verletzte Lenkerin ihren Roller mit Unterstützung eines freundlichen Pkw-Fahrers etwa 100 Meter weit, bevor die Rettungskräfte verständigt wurden, was jedoch 45 Minuten dauerte.
Grund für den Sturz war das unvorhersehbare Auftauchen des Tiers auf der Straße. Solche Wildunfälle sind in Österreich keine Seltenheit – im Gegenteil. Jährlich kommt es zu mehr als 80.000 solcher Fälle, in denen Wildtiere durch Fahrzeugkollisionen zu Schaden kommen, darunter auch zahlreiche Rehkitze. Diese erschreckende Zahl entspricht einem Wildunfall alle sieben Minuten, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit, kfv.at feststellt.
Wildunfälle im Verkehr
Im Jahr 2019/2020 wurden insgesamt 80.668 Wildtiere in Österreich registriert, die durch Verkehrsunfälle betroffen waren – darunter 11.879 Rehkitze. Die Hauptursachen für diese Unfälle sind Unachtsamkeit, Ablenkung und nicht angepasste Geschwindigkeit, insbesondere bei Dunkelheit, die das Erkennen von Wildtieren erschwert. Besonders betroffen sind die Bundesländer Niederösterreich und Oberösterreich, wo 42 % bzw. über 19 % der Wildunfälle passieren. In der Steiermark ereignen sich etwa 18 % der Fälle.
Gerade der Vorfall in Hönigtal verdeutlicht, wie wichtig es ist, als Fahrzeuglenker in Wildwechselzonen besonders wachsam zu sein. Die Aufprallkräfte bei einem Zusammenstoß mit einem Rehwild können bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h fast eine Tonne betragen. Daher ist es für alle Verkehrsteilnehmer von großer Bedeutung, die Risiken im Umgang mit Wildtieren zu verstehen.
Neue Ansätze zur Unfallvermeidung
Angesichts der steigenden Anzahl von Wildunfällen in Österreich hat ein interdisziplinäres Forscherteam unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology das Projekt WildWarn ins Leben gerufen. Wie ait.ac.at erklärt, zielt dieses Projekt darauf ab, die Ursachen und Zusammenhänge von Wildunfällen zu analysieren und präventiv anzugehen. Dabei werden verschiedene Datenquellen wie Satellitenbilder, Verkehrsstärken und Habitatdaten genutzt, um ein besseres Verständnis für Wildunfälle zu entwickeln.
Durch den Einsatz moderner Technologien wie digitale Wildwarnanlagen und Nachtsichtgeräte könnte die Verkehrssicherheit deutlich verbessert werden. Auch die Integration von Informationen in Navigations-Apps oder die Erstellung einer webbasierten Risikokarte für gefährdete Straßenabschnitte steht auf der Agenda. Die Förderung durch das Bundesministerium für Klimaschutz zeigt, dass die Thematik ernst genommen wird, und es sind bereits positive Ergebnisse in den ersten Studien sichtbar.
Der Unfall in Hönigtal dient als eindringliches Beispiel dafür, wie unvorhersehbar und plötzliche Begegnungen im Straßenverkehr mit Wildtieren sein können. Es bleibt zu hoffen, dass durch Aufklärung und innovative Lösungen die Zahl der Wildunfälle in Zukunft deutlich gesenkt werden kann.