Im Lafnitztal wird ein neues LEADER-Projekt ins Leben gerufen, das die altehrwürdigen Streuobstwiesen wieder zum Blühen bringen soll. Unter dem Titel „Apfelreich – Grenzenlos“ zielt das Projekt darauf ab, die Nutzung dieser wertvollen Flächen zu fördern und dabei die steirischen und burgenländischen Gemeinden miteinander zu vernetzen. Ein zentrales Element des Projekts ist das neu gegründete Streuobst-Kompetenzzentrum in Burgauberg, das als Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Streuobstanbau dient.
Streuobstwiesen sind seit Generationen prägend für die Region, doch in den letzten Jahren wurden sie oft vernachlässigt. Beim ersten Informationsabend in Neudau stellten Brigitte Gerger, Marlene Prettner und Jan Oestmann vom Verein Wieseninitiative sowie Bürgermeister Wolfgang Dolesch die Pläne des Projekts vor. Im ersten Schritt wird der aktuelle Streuobstbestand in allen Projektgemeinden erhoben. In den burgenländischen Gemeinden wird eine 14 Jahre alte Ersterhebung aktualisiert, während in den steirischen Gemeinden eine Neu-Kartierung erfolgt. Alle Streuobstwiesenbesitzer erhalten einen Fragebogen zur Nutzung ihrer Flächen, um ein Maßnahmenkonzept zur langfristigen Erhaltung der Streuobstwiesen zu erstellen.
Ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm
Das Projekt bietet auch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an, das Obstbaum-Schnittkurse, Veredelungskurse und Obstverarbeitungskurse umfasst. Schulbesuche mit Verkostungen sollen ebenfalls organisiert werden, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Streuobstwiesen zu schärfen. Darüber hinaus sind kostenlose Beratungen für private Gartenbesitzer geplant, und Themenwege zur Sichtbarmachung von Streuobst werden eingerichtet. Das Projekt erhält Unterstützung vom Land Burgenland, dem Bund und der Europäischen Union.
Die Bedeutung von Streuobstwiesen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie sind artenreiche Lebensräume, die bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Alte Hochstammbäume bieten nicht nur Lebensraum für verschiedene Tierarten, viele alte Obstsorten sind nur in Streuobstwiesen zu finden. Diese Wiesen prägen das Landschaftsbild und sind Teil des landwirtschaftlichen Kulturerbes. Der größte Feind der Streuobstwiesen ist die Nutzungsaufgabe, die zum Verlust dieses Kulturerbes führen kann. Hier können Sie mehr über das Projekt erfahren.
Bildung als Schlüssel zur Erhaltung
Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung der Streuobstwiesen ist das Projekt „Streuobst-WISSEN“, das 2021 gestartet wurde. Entwickelt vom Fachbeirat des Streuobstwiesenkompetenzzentrums Lallinger Winkel, zielt dieses Projekt darauf ab, die Streuobstwiesen durch Bildungsangebote zu erhalten. Die Ausbildung von 15 ehrenamtlichen Streuobstwiesenberatern im Landkreis soll dazu beitragen, das Wissen rund um die Neuanlage, Pflege von Obstbäumen und Wiesen sowie die Sortenbestimmung zu verbreiten. Der Lehrgang umfasst acht Module und erstreckt sich über sieben Wochenenden von Dezember 2021 bis Dezember 2022. Ziel ist es, insbesondere die jüngere Generation für den Erhalt der Streuobstwiesen zu sensibilisieren.
Die Streuobstwiesen sind nicht nur ein Teil der Kulturlandschaft, sondern tragen auch zur regionalen Obstproduktion bei und leisten einen wertvollen Beitrag zu Boden-, Gewässer- und Klimaschutz. Ihre hohe Biodiversität und die Bedeutung für Erholung, Tourismus und Kulturerbe machen sie zu einem kostbaren Gut. Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem spannenden Projekt.
Eine kulturelle und ökologische Herausforderung
Der Rückgang der Streuobstbestände in Europa seit Mitte des 20. Jahrhunderts stellt eine ernsthafte Bedrohung dar. Dies führt nicht nur zum Verlust eines kulturellen Erfahrungsraums, sondern auch zu einem ökologisch wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Ehrenamtliches Engagement spielt eine entscheidende Rolle, um den Streuobstanbau lebendig zu halten. Die Biodiversität in Deutschland ist ein elementarer Bestandteil des Streuobstanbaus. Die Pflege und Bewirtschaftung dieser Wiesen ist jedoch arbeits- und zeitintensiv und erfordert traditionelles Wissen und Handwerkstechniken. Öffentliche Veranstaltungen wie Streuobst-, Apfelwein- und Obstblütenfeste tragen dazu bei, das Bewusstsein für den Streuobstanbau zu fördern und dessen Erhalt zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie hier.