Am 6. Februar 2026 feierte die Theateradaption „Wir töten Stella“ nach der gleichnamigen Novelle von Marlen Haushofer im Grazer Schauspielhaus Premiere. Unter der Regie von Jakab Tarnóczi, mit Bühnenbild von Eszter Kálmán und Dramaturgie von Andrea Vilter, erwartet die Zuschauer eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Themen wie Familie, Schuld und Schweigen.

Im Zentrum der Geschichte steht die Figur Anna, die in einem unbehaglichen Raum mit den Erinnerungen an ihre zerrüttete Familie konfrontiert wird. Während sie über ihre Vergangenheit reflektiert, wird deutlich, wie stark ihr Schweigen die Dynamik innerhalb der Familie beeinflusst hat. Die Ankunft der neunzehnjährigen Stella, die von Annas Familie aufgenommen wird, bringt zusätzliche Spannungen mit sich. Annas Ehemann, ein erfolgreicher Rechtsanwalt, sieht in seiner Frau lediglich einen Besitz und entwickelt eine ungesunde Anziehung zu Stella, was letztendlich tragisch endet: Stella begeht Selbstmord, ein Ereignis, das von der Familie als „Unfall“ abgetan wird. Die Aufführung nutzt zwei Darstellerinnen für die Rolle der Anna, um die Vielschichtigkeit ihrer inneren Konflikte in Dialogen und Monologen zu verdeutlichen.

Die künstlerische Umsetzung

Die Inszenierung von „Wir töten Stella“ thematisiert nicht nur die psychologischen Dynamiken zwischen den Charakteren, sondern wird auch durch innovative Live-Kamera-Effekte unterstützt, die die emotionale Intensität der Aufführung verstärken. Stellas Mutter wird als unangepasst und vernachlässigend dargestellt, während die gesamte Familie mit ihrer Schuld und dem Versagen kämpft, die Fassade der Bürgerlichkeit aufrechtzuerhalten. Die Aufführung hat eine Dauer von 1 Stunde und 50 Minuten, ohne Pause.

Die Besetzung ist bemerkenswert und umfasst talentierte Schauspielerinnen und Schauspieler wie Olivia Grigolli, Sarah Sophia Meyer, Otiti Engelhardt und viele mehr. Diese Vielfalt an Darstellern bringt unterschiedliche Facetten der Charaktere zum Leben und trägt zur tiefen emotionalen Resonanz der Aufführung bei.

Marlen Haushofer: Eine literarische Ikone

Marlen Haushofer, geboren als Marie Helene Frauendorfer am 11. April 1920 in Frauenstein, ist eine zentrale Figur in der österreichischen Literatur. Ihre Werke, darunter die bekannte Novelle „Wir töten Stella“ (1958), befassen sich oft mit den komplexen Beziehungen zwischen Individuen und der Gesellschaft. Haushofer, die 1970 in Wien starb, ist bekannt für ihren Roman „Die Wand“ (1963), der 2012 verfilmt wurde und ihr literarisches Erbe weiter festigte.

Im Jahr 2020 wurde anlässlich ihres 100. Geburtstags und 50. Todestags ihre Bedeutung in der Literatur hervorgehoben. Ende 2023 erschien eine sechsbändige Werkausgabe ihrer Werke, die Vorworte zeitgenössischer Autoren enthält. Diese Werkausgabe erreichte im Februar 2024 Platz 1 der ORF-Bestenliste und führte im März 2024 die SWR-Bestenliste an, was ihren bleibenden Einfluss auf die Literatur unterstreicht. Die Auseinandersetzung mit ihren Themen und Charakteren bleibt auch in der heutigen Zeit relevant und inspirierend.

Die Premiere von „Wir töten Stella“ im Grazer Schauspielhaus ist somit nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch eine Hommage an das literarische Schaffen einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen Österreichs. Die Zuschauer können sich auf eine intensive Reise durch die Abgründe menschlicher Beziehungen und die Schatten der Vergangenheit freuen, die durch die Bühneninszenierung lebendig werden.

Weitere Informationen zu dieser Inszenierung finden Sie in der ausführlichen Berichterstattung.