In Graz sind am vergangenen Samstag tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die geplanten Kürzungsmaßnahmen in der Pflege zu protestieren. Das Motto der Demonstration, „Hände weg vom steirischen Pflegeschlüssel“, verdeutlicht die Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger, die eine Reduzierung des Personaleinsatzes in Pflegeheimen befürchten. Diese Maßnahmen sind Teil der Budgetüberlegungen der schwarz-blauen Landesregierung, die Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) im Landtag bestätigte. Laut Kornhäusl ist eine Prüfung des Personalschlüssels angesagt, was bei den Protestierenden auf großen Widerstand stößt.
Die Protestierenden legten zeitweise den Verkehr in der Innenstadt lahm und forderten eine angemessene Personalausstattung in der Pflege. Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schwab wies darauf hin, dass der aktuelle Personalschlüssel nicht ausreicht und forderte eine Erhöhung um 30 Prozent. Die Realität in den Pflegeheimen ist geprägt von Fachkräftemangel und Überlastung, was besonders in Nachtdiensten dramatisch wird, wo oft nur zwei Pflegeassistenten für über 100 Bewohner zur Verfügung stehen.
Ein Masterplan für die Pflege
Als Reaktion auf die Proteste kündigte die steirische Landesregierung an, einen Masterplan für die Pflege zu entwickeln, der auf den Bedürfnissen der zu pflegenden Menschen, Angehörigen und Pflegekräften basiert. Dieser Masterplan soll die nachhaltige Absicherung der Pflege in der Steiermark sicherstellen und innovative Modelle sowie Strukturen entwickeln. Geplant sind Dialogveranstaltungen und ein Pflege-Gipfel, um alle Interessierten in die Erarbeitung einzubeziehen. Der Fokus liegt auf der langfristigen Verbesserung der Personalsituation in der Pflege, ohne dass dies zu einer Mehrbelastung für die Pflegekräfte führt.
Die demografischen Entwicklungen in der Steiermark sind alarmierend: Bis 2050 wird die Zahl der über 85-Jährigen von 40.000 auf 88.000 ansteigen, während die Erwerbsbevölkerung von 750.000 auf 680.000 sinken wird. Die Landesregierung fordert daher eine breite Debatte über die künftige Finanzierung der Pflege, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Kritiker betonen, dass der Beruf attraktiver gestaltet werden müsse, anstatt beim Personal zu sparen.
Ein Blick über die Grenzen der Steiermark
Die Herausforderungen in der Pflege sind nicht nur ein steirisches, sondern ein österreichisches Problem. Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes wird der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland bis 2049 voraussichtlich um ein Drittel auf 2,15 Millionen steigen. Dies steht im Kontrast zu der befürchteten Fehlanzahl an Pflegekräften, die bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 geschätzt wird. Haupttreiber dieses Rückgangs sind die Babyboomer-Generation, die in den nächsten Jahren in Rente geht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklungen in Graz und der Steiermark ein Mikrokosmos der Herausforderungen sind, mit denen die gesamte Gesellschaft konfrontiert ist. Es bleibt abzuwarten, wie die Landesregierung und der Bund auf den Druck aus der Bevölkerung reagieren und ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation in der Pflege führen werden. Pflegeverbände und die Opposition werden den Prozess des Masterplans genau beobachten und fordern substanzielle Verbesserungen. Die Zeit drängt, denn die demografischen Veränderungen sind nicht aufzuhalten.