In den letzten Tagen hat ein bedrohlicher Vorfall an Schulen in Österreich für Aufmerksamkeit gesorgt. Zwei Schüler, ein 14-Jähriger und ein 15-Jähriger, drohten mit einem Amoklauf an der Mittelschule II und der Polytechnischen Lehranstalt in Leibnitz. Die Polizei griff umgehend ein und nahm die beiden Jugendlichen fest, bevor es zu einem tatsächlichen Angriff kam. Mobbing wurde als Motiv für die Drohungen identifiziert, und es stellte sich heraus, dass die Schüler bereits zuvor auf sich aufmerksam gemacht hatten, indem sie über Gewalt an Schulen drohten. Nach der Festnahme verblieben sie vorübergehend in der Justizanstalt Graz-Jakomini, allerdings wurde ihre Verwahrungshaft mittlerweile aufgehoben. Sie dürfen ihren Wohnort jedoch nicht verlassen und sind bis zu den Semesterferien vom Unterricht suspendiert, was ihre schulische Zukunft ungewiss macht, berichtet heute.at.
Der Vorfall hat nicht nur die Schulgemeinschaft von Leibnitz in Aufregung versetzt; auch die Lehrerverbände in Mitteldeutschland zeigen sich besorgt über die allgemeine Sicherheit an Schulen. Tim Reukauf vom Thüringer Lehrerverband teilt in einer Stellungnahme mit, dass nach dem Amoklauf in Graz mehr Schulpsychologen gefordert werden, um frühzeitig auffällige Schüler zu erkennen. In Sachsen wurde die Zahl der Schulpsychologen zwar bereits von 58 auf 109 erhöht, doch es fehlen nach wie vor klare Sicherheitsvorgaben. Sicherheitsmängel sind offensichtlich, so können in einigen Schulen nicht einmal die Klassenzimmer verschlossen werden und ein Amokalarm fehlt. René Michel, Lehrer in Sachsen, fordert daher mehr Sicherheitsmaßnahmen, darunter Amokalarm-Knöpfe in jedem Klassenraum, wie MDR berichtet.
Forderung nach besseren Sicherheitsmaßnahmen
Besonders besorgniserregend ist, dass einige Klassenzimmer in Thüringen nicht abschließbar sind. Während an anderer Stelle die Sicherheitstechnik in Ordnung ist, gibt es auch Schulen, die mit fehlenden Alarmanlagen kämpfen. „Es braucht multiprofessionelle Teams in jeder Schule, die aus Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen bestehen“, so Reukauf weiter. Die Forderung nach einem besseren Sicherheitskonzept wird laut von verschiedenen Lehrerlobbies lautstark erhoben. Die Ängste der Schüler müssen ernst genommen werden, auch wenn laut Clemens Arndt vom Landesamt für Schule und Bildung Amokläufe in Deutschland sehr selten sind.
In Österreich hat die Forschung zu Gewalt und Mobbing an Schulen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. An der Universität Wien werden zahlreiche Studien zum Thema durchgeführt, die auch die sozialen Beziehungen in multikulturellen Schulklassen untersuchen. Die Ergebnisse solcher Forschung bieten wertvolle Anhaltspunkte für Präventions- und Interventionsprogramme an Schulen. Essenziell ist auch das Instrument AVEO 2.0, das dazu dient, Gewalt an Schulen zu untersuchen und Entscheidungshilfen für Maßnahmen zu geben, so die Schulpsychologie.
Die Geschehnisse in Leibnitz und die damit verbundenen Sorgen verdeutlichen, wie wichtig präventive Maßnahmen an Schulen sind. Eltern, Schüler und Lehrkräfte sind aufgerufen, wachsam zu sein und bei Verdacht auf mobbingbedingte Vorfälle sofortige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Sicherheitslage an Schulen sollte ständig überprüft und verbessert werden, um die Schüler bestmöglich zu schützen und ihnen ein sicheres Lernumfeld zu bieten.