Die Stadt Graz steht im Zentrum eines spannenden Wandels in der Stadtplanung. Mit einer hohen Bautätigkeit und vielen innovativen Projekten, darunter der energieoptimierte Stadtteil „Smart City“, wird klar, dass in der steirischen Landeshauptstadt viel in Bewegung ist. Doch es gibt auch Herausforderungen, die sowohl die Planer als auch die Bauträger auf Trab halten.
Andreas Kern, Obmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Steiermark, äußert Kritik: „Die Stadtplanung reagiert nur auf Bauanträge“ und trifft damit einen Nerv. Bauträger wünschen sich mehr Planbarkeit und schnellere Bewilligungen, besonders da die gesetzliche 18-Monatsfrist für Bebauungspläne häufig nicht eingehalten wird. Gerald Gollenz, der ehemalige Obmann, schätzt, dass die Bauträger die Stadtentwicklung maßgeblich bestimmen – nicht die Stadt Graz selbst.
Ein Blick auf die Infrastruktur
Die Stadt Graz verweist auf zahlreiche Projekte zur Integration neuer Bauvorhaben. Besondere Erwähnung finden das Stadtentwicklungsgebiet Reininghaus und die Revitalisierung der historischen Tennenmälzerei. Bertram Werle, Stadtbaudirektor, hebt hervor, dass eine zentrale Infrastruktur bereits geschaffen wurde, um die neuen Bauvorhaben zu unterstützen. Ab dem 29. November 2025 werden zudem neue Straßenbahnlinien (16 und 17) in Betrieb genommen, die den öffentlichen Verkehr weiter verbessern sollen.
Doch trotz dieser Fortschritte ist die Leerstandsquote im Stadtkern ein wachsendes Problem. Um dem entgegenzuwirken, werden Vorschläge zur Nachverdichtung und zum Aufstocken von Gebäuden im Zentrum diskutiert, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.
Auf dem Weg zur Smart City
Die Klimabedingungen in Graz stellen besondere Herausforderungen dar, vor allem aufgrund der Beckenlage, die den Luftaustausch im Winter erschwert. Dennoch sinken die Schadstoffemissionen, was positiv zu vermerken ist. Die Stadt hat klare Ziele, ihre Treibhausgasemissionen signifikant zu reduzieren. Von den Emissionen stammen etwa 39 % aus Industrie und Gewerbe, 39 % aus Haushalten und 22 % aus dem Verkehr. Ein erfreulicher Trend: Der Fahrradanteil stieg von 8,3 % im Jahr 1982 auf 16,1 % im Jahr 2008, während auch der öffentliche Verkehr leicht zulegte und jetzt bei knapp 20 % liegt. Graz ist also auf einem guten Weg, Mobilitätskonzepte zu modernisieren und umweltfreundlicher zu gestalten.
Doch das reicht nicht. Graz setzt auf eine engere Verzahnung zwischen Stadtplanung und Bürgerinitiativen. Innovative Ansätze zur Ressourcenschonung und Umweltgerechtigkeit werden immer wichtiger, auch im Zusammenspiel mit Wissenschaft und Wirtschaft. Mit einem ganzheitlichen Ansatz in der Stadtentwicklung, der Architektur, Verkehrsplanung und kommunale Beteiligungsformate verbindet, ist Graz auf dem besten Weg in eine nachhaltige Zukunft.
Ziel ist es, sowohl den traditionellen Stadtcharakter zu bewahren als auch moderne Lösungen wie die Begrünung von Hauptverkehrsadern umzusetzen und multinationale Begegnungsstätten zu schaffen. Die Stadt ist damit nicht nur ein Ort des Wohnens, sondern auch ein Raum, in dem Lebensqualität und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.
Um mehr über diese Entwicklungen zu erfahren, besuchen Sie die Berichterstattung auf Die Presse sowie die Initiativen zur Smart City auf Graz.at und die Nachhaltigkeitsprojekte auf Graz Stadt.