In Graz wird gegenwärtig intensiv über die Zukunft der Messe Graz diskutiert. Der Chef der Deutschen Handelskammer in Österreich, Thomas Gindele, äußert in diesem Zusammenhang deutliche Skepsis gegenüber den geplanten Erweiterungen und Investitionen. Er sieht die angestrebte Flächen- und Kapazitätserweiterung sowie ein Hallen-Investment von 25 Millionen Euro als nicht zielführend an und kritisiert die Annahme einer Umsatzverdopplung innerhalb von zehn Jahren im aktuellen Businessplan. Laut Gindele besteht in Europa ein Überangebot an Messeflächen, das rückgebaut werden sollte. Auch die Formate der Messe Graz würden seiner Meinung nach nur regional strahlen und könnten sich nicht mit den erfolgreichen Messen in Linz, Wels und Salzburg messen. Er empfiehlt, keine Gelder in Neubauten zu investieren, sondern bestehende Hallen professionell zu nutzen.

Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) unterstützt Gindeles Bedenken und vermisst das Engagement von Bürgermeisterin Elke Kahr sowie Finanzstadtrat Manfred Eber (beide KPÖ) für die Messe Graz. Hohensinner schlägt vor, das Stadion für Bundesligaklubs auszubauen und als Tagungszentrum zu nutzen. Gleichzeitig sieht er Potenzial für neue Messe-Formate, etwa im Bereich Sport oder eine Wein-Messe. Auch er kritisiert, dass der Hallenneubau im Businessplan steht, ohne dass eine gesicherte Finanzierung vorliegt. Messe-Chef Martin Ullrich hat das Projekt bereits mit Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) besprochen. Beide zeigen sich jedoch zurückhaltend bezüglich der Finanzierung, da sie keine belastbaren Zahlen kennen. Kunasek fragt sich zudem, ob die Steiermark-Halle und der vergrößerte VIP-Klub nicht eine Doppelung darstellen.

Die Messe Graz im Überblick

Graz bietet einen beeindruckenden Messekalender mit über 34 Messen, der ein breites Spektrum an Themen abdeckt. Für die Jahre 2026 und 2027 sind bereits rund 15 zukünftige Veranstaltungen fest eingeplant, was die Bedeutung der Stadt als Wirtschaftsknotenpunkt unterstreicht. Die Hauptstandorte für diese Veranstaltungen sind der Messe Congress Graz, das Seifenfabrik Veranstaltungszentrum und die Alte Universität Graz. Ein Schwerpunkt im Messewesen liegt im Bereich Job & Karriere, mit rund 11 Veranstaltungen, gefolgt von weiteren Sparten wie Medizin und Gesundheit, Gastronomie sowie Bauen und Wohnen. Ab März 2026 wird eine strukturierte Aufbereitung aller relevanten Daten angeboten, die es Besuchern erleichtert, sich frühzeitig über anstehende Termine zu informieren. Dies zeigt, dass Graz seine Position als wichtiger Messestandort in Österreich festigt und weiter ausbauen möchte.

Herausforderungen der Messewirtschaft

Die Diskussion um die Messe Graz findet vor dem Hintergrund einer sich allmählich erholenden Messewirtschaft in Deutschland statt. Trotz der Herausforderungen durch Inflation und gestiegene Kosten für Energie und Dienstleistungen planen nahezu alle Unternehmen, die 2022/2023 auf Fachmessen vertreten waren, auch im aktuellen und kommenden Messejahr präsent zu sein. Über 40 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihr Messebudget für die nächsten Veranstaltungen aufzustocken. Im Jahr 2023 zählte der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA) rund 7,5 Millionen Besucher:innen überregionaler Messen, was einem Anstieg von gut 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dennoch ist dies noch nicht das Niveau vor dem Corona-Einbruch.

Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen rund um die Messe Graz gestalten werden. Die anhaltenden Diskussionen um Finanzierung, Formate und Engagement der Stadtspitze könnten entscheidend für die Zukunft des Messeplatzes Graz sein. Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen kann auf die Quelle verwiesen werden: Kleine Zeitung.