In Bruck-Mürzzuschlag hat ein Wechsel an der Spitze der Bäuerinnen im Bezirk stattgefunden. Elisabeth Hörmann, die seit zehn Jahren als Bezirksbäuerin tätig war, hat sich entschieden, von ihrem Posten zurückzutreten. Sie begründet ihren Rücktritt mit der Maxime, nicht länger als zweimal fünf Jahre in dieser Position zu bleiben. Hörmann blickt positiv auf ihre Amtszeit zurück, die von zahlreichen Projekten und Veranstaltungen geprägt war. Dazu zählen der Kindersicherheitstag, die Veranstaltung „Rechte für Frauen“, die Woche der Landwirtschaft und viele Aktionen in Schulen. Besonders wichtig war ihr die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft und deren Fortschritte.
Die Übergabe der Position an die neue Bezirksbäuerin Maria Kamsker fand am vergangenen Mittwoch statt. Kamsker, die aus St. Barbara-Wartberg stammt, ist gelernte Köchin und führt seit 2007 einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Schwerpunkt auf Mutterkuhhaltung der Rasse Murbodner. Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit bietet sie auch Urlaub am Bauernhof an und hat drei Kinder. Aktuell besucht sie einen ZAM-Kurs zur Stärkung ihrer kommunikativen und organisatorischen Kompetenzen. Ihre Motivation für die Wahl zur Bezirksbäuerin ist der starke Zusammenhalt und das Vertrauen der Gemeindebäuerinnen.
Die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft
Der Wechsel in der Führung spiegelt ein größeres gesellschaftliches Thema wider. Frauen leisten rund 39 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Arbeit, erfahren jedoch häufig strukturelle Benachteiligungen. Die UN haben 2026 zum Internationalen Jahr der Landwirtin erklärt, um die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen und Lösungen für Gleichstellung zu erarbeiten. Eine zentrale Herausforderung bleibt die Bewertung der Arbeit von Frauen, die oft als Reproduktionsarbeit wahrgenommen wird und somit in der gesellschaftlichen Anerkennung untergeht.
Historisch gewachsene Besitz- und Machtverhältnisse benachteiligen Frauen, die vielfach von der Erbfolge ausgeschlossen waren. Die Unsichtbarkeit von Frauen zeigt sich auch in der Betriebsführung, wo Unterschiede zwischen von Frauen und Männern geführten Höfen bestehen. Frauen tragen oft mehr Verantwortung, als es den Anschein hat. Eine Studie zeigt, dass nur 11 % der Frauen landwirtschaftliche Betriebe leiten, während 72 % der Befragten an strategisch-unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sind.
Ausblick und Perspektiven
Die neue Bezirksbäuerin Kamsker plant bereits Projekte und Veranstaltungen im Rahmen des „Jahres der Bäuerin“. Ihr Ziel ist es, junge Bäuerinnen zu informieren und zu unterstützen. Unterstützt wird sie von Margret Karelly, die neue Stellvertreterin der Bezirksbäuerin. Karelly bewirtschaftet seit 2013 allein einen Milchkuhbetrieb und möchte die Bedeutung der Landwirtschaft sowie die Rolle der Frauen darin hervorheben.
Die Herausforderungen, vor denen Frauen in der Landwirtschaft stehen, sind vielfältig. Viele haben keinen fairen Zugang zu Land, Bildung, Technik oder politischer Mitbestimmung. Um die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen, sind konkrete Veränderungen notwendig. Der Verlust weiblichen Wissens könnte nicht nur die Vielfalt von Höfen, sondern auch die Zukunft ganzer Kulturlandschaften gefährden.
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen und der bevorstehenden Anerkennung im Jahr 2026 ist es entscheidend, dass Frauen in der Landwirtschaft die Möglichkeit erhalten, ihre Stimmen zu erheben und Verantwortung zu übernehmen. Die neue Generation von Bäuerinnen, wie Maria Kamsker und Margret Karelly, könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen, um die Herausforderungen der Branche zu meistern und die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft nachhaltig zu erhöhen.
Für weitere Informationen zu diesem Thema und zur Rolle von Frauen in der Landwirtschaft besuchen Sie bitte die Quelle: meinbezirk.at, swr.de und landfrauen.info.