In den letzten Jahren hat sich die Drogen- und Suchtproblematik unter Jugendlichen in Österreich verstärkt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, fand am 5. und 6. Februar 2026 im Freizeitheim Thörl ein Präventionsprojekt mit dem Titel „Drogen & Sucht“ statt. Diese Initiative hatte das Ziel, sowohl Jugendlichen als auch ihren Eltern Informationen zu Risiken und verantwortungsbewusstem Handeln zu bieten. Fachleute informierten über die aktuelle Situation im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Veränderungen in der Zusammensetzung und Wirkung von Drogen gelegt wurde. Laut den Experten erhöhen diese Veränderungen das Risiko von Überdosierungen und gesundheitlichen Folgen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg des Konsums von Benzodiazepinen unter Jugendlichen.

Das Projekt umfasste einen Informationsabend für Erziehungsberechtigte sowie einen Workshop für Schüler der Mittelschule Thörl. Die Eltern erhielten wertvolle Hinweise zu Verdachtsfällen und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Unter den Referenten waren Dr. Jürgen Mayer, Dr. Ursula Parsché, Dr. Nicola Parsché und MR Dr. Giselher Sperka. Auch die Polizeiinspektion Thörl und die Suchtmittelgruppe des Bezirks beteiligten sich an der Veranstaltung. Der Workshop für die Jugendlichen stellte Themen wie Nikotin, Alkohol, Energydrinks, Snus und Vapes in den Vordergrund und thematisierte die Reaktion auf Drogenangebote sowie die Sicherheit im Internet und sozialen Netzwerken.

Nikotinbeutel im Fokus

Ein besonders aktuelles Thema sind Nikotinbeutel, die bei Jugendlichen in Oberösterreich zunehmend beliebt sind. Oft fälschlicherweise als „Snus“ bezeichnet, enthalten diese Beutel keinen Tabak und fallen somit nicht unter das Tabakgesetz. Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an einer gesetzlichen Regelung für Nikotinbeutel, da sie seit 2019 in Österreich erhältlich sind und seit 2021 an Popularität gewonnen haben. In Oberösterreich gibt es zwar eine Selbstverpflichtung von Trafikanten, Nikotinbeutel nicht an unter 18-Jährige abzugeben, jedoch wird diese Regelung häufig ignoriert. Der hohe Nikotingehalt dieser Beutel kann zu Überdosierungen und gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere bei Erstkonsumenten.

Eine Vorstudie zeigt, dass 19 der 27 Interviewten, die Nikotinbeutel konsumieren, dies täglich tun, einige sogar bis zu 24 Beutel pro Tag. Jugendliche tricksen oft Alterskontrollen aus, indem sie Bankomatkarten älterer Freunde nutzen. Zudem werden diese Beutel in Schulen und anderen Lebensbereichen konsumiert, wobei die Motive für den Konsum Entspannung, Stimulierung und das Gefühl, eine gesündere Alternative zu Zigaretten zu nutzen, umfassen. Negative Erfahrungen wie Schwindel und Übelkeit sind ebenfalls häufig zu beobachten.

Gesundheitsrisiken und Präventionsmaßnahmen

Die gesundheitlichen Risiken von Nikotinbeuteln sind alarmierend. Suchtmedizinerin Andrea Rabenstein warnt vor der Abhängigkeit und dem parallelen Konsum anderer Nikotinprodukte. Nikotinbeutel, die Nikotinsalze enthalten, wirken ähnlich wie Zigaretten, und ihre Verwendung kann zu akuten Vergiftungen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor den Gefahren für Kinder, Jugendliche und Nichtraucher gewarnt, und die langfristigen Auswirkungen dieser Produkte sind noch unklar.

Die Präventionsinitiative in Thörl wurde von Edmund Ebner und Tina Brandmüller organisiert, in Zusammenarbeit mit dem ÖKB Ortsverband Thörl und dem Jagdschutzverein Turnau, und erhielt Unterstützung von den Bürgermeistern der Gemeinden Thörl, Aflenz und Turnau. Die Notwendigkeit von Aufklärung und Sensibilisierung der Eltern wird von Experten immer wieder betont, um den steigenden Konsum von Nikotinbeuteln entgegenzuwirken. Ab dem 1. Januar 2024 wird es in Oberösterreich neue Regelungen für Nikotinbeutel im Jugendschutzgesetz geben, um den Schutz von Jugendlichen zu verbessern.

Für die Zukunft sind Maßnahmen zur Bekämpfung des Schwarzmarkts und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit dringend erforderlich. In Deutschland sterben jährlich über 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, und 2023 rauchten 30% der über 14-Jährigen Tabakzigaretten. Die Präventionsveranstaltungen wie in Thörl sind ein wichtiger Schritt, um das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und gefährdete Gruppen zu schützen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel auf meinbezirk.at, sowie zu den gesundheitlichen Risiken in medonline.at und zwp-online.info.